Freitag, 11. Mai 2018

05.05.2018: Der Welschlauf (Marathon) 2018 - Laufbericht

Der Samstag des ersten Mai-Wochenendes gehört traditionell dem Welschlauf. Dieser im Jahr 1995 ins Leben gerufene Landschaftsmarathon im südwestlichen Bereich der Steiermark, wird vom Veranstalter selbst als schönster, schwierigster und geselligster Lauf bezeichnet. Der Marathon führt jährlich wechselnd von Wies nach Ehrenhausen oder eben in umgekehrter Richtung von Ehrenhausen mit Ziel in Wies und verbindet die Welsch- mit der Schilcherregion. Neben der klassischen 42,2 km - Marathonstrecke stehen ein Halb- oder auch Viertelmarathon (auch für Nordic Walker) zur Auswahl. Ziel ist heuer für alle Bewerbe der Ort Ehrenhausen.





Großteils verläuft die anspruchsvolle Strecke, die auf der Marathondistanz mit rund 1000 Höhenmeter aufwartet, entlang der Südsteirischen Weinstraße und gewährt großartige Ausblicke auf rebenbewachsene Hänge und malerische Weinbauorte.

Das Startgeld für den Marathon beträgt 40 Euro. Das Startpaket samt Startnummer kann am Lauftag unmittelbar vor dem Start des jeweiligen Bewerbs oder am Vortag im Ort Leutschach beim Startfest abgeholt werden. Hier wird man mit kulinarischen Köstlichkeiten und Musikunterhaltung verwöhnt und auf den folgenden "Run-Day" eingestimmt.


Am Lauftag selbst lassen über 20 Labestellen keinen Versorgungsengpass aufkommen. Die Finisher-Medaille darf ebenso wie ein T-Shirt, einige Werbe-Beigaben sowie ein Gepäcktransport (hier als Lumpentransport bezeichnet) nicht fehlen. Wer sein Fahrzeug im Ziel haben möchte, kann den Shuttle-Dienst zum Start der jeweiligen Bewerbe nutzen.

Für die Nachwuchssportler sind an insgesamt 5 Standorten sogenannte WelschiKNAXmarathons organisiert. Streckenlängen zwischen 800 und 3900 Meter bieten für alle Jahrgänge passende Distanzen.

Sebastian beim WelschiKNAXmarathon


Sebastian war bereits im Vorjahr beim WelschiKNAXmarathon am Start. Ihm ist die liebevolle und kindgerecht organisierte Veranstaltung positiv im Gedächtnis geblieben. So zögert er keine Sekunde, als ich ihm den Vorschlag einer neuerlichen Teilnahme mache. 


Leider spielt das Wetter nicht ganz mit. Bereits bei der Anfahrt nach Leutschach schüttet es zeitweise wie aus Kübeln. Als wir gegen 16.30 Uhr eintreffen, lichten sich die Wolken ein wenig und der Niederschlag macht eine Pause.


Wir holen Sebastian´s Startunterlagen. Neben der Startnummer erhält Sebastian für 7 Euro Nenngeld (für Knax-Club-Mitglieder; ansonsten 8 Euro) ein "WelschiKNAXmarathon-Laufshirt" und einen Speise-Bon, den wir nach dem Lauf einlösen werden. Ebenso wird er im Ziel eine tolle Finisher-Medaille um den Hals gehängt bekommen. Dem nicht genug, wartet auch noch eine Verlosung von Warenpreisen auf die Nachwuchssportler. Getränke vor und nach dem Lauf stehen natürlich auch parat.

Auch ich nutze die Gelegenheit und hole für meinen morgigen Marathon die Unterlagen ab. Neben der Startnummer gibt es auch für mich unter anderem einen Speise- und Getränke-Bon, einzulösen beim heutigen Startfest. Eine Dose Bier, Warenproben und natürlich auch das Welsch-Leibchen kommen ebenfalls aus meinem Startersack zum Vorschein.

Sebastian ist aufgeregt und voller Vorfreude. Mit ihm warten weitere 100 junge Läufer auf den Start der beiden Kinderbewerbe. Kurz vor dem geplanten Start des 800 Meter langen Laufes ziehen leider wieder dunkle Gewitterwolken über Leutschach auf und der Himmel öffnet abermals seine Schleusen. Der Veranstalter reagiert sehr verantwortungsbewusst und verschiebt kurzerhand den Start, während wir unter Regenschirmen und Partyzelten zuwarten. Nach einer Viertelstunde macht der Regen eine Pause. Diese Gelegenheit wird genutzt, um beide Kinderläufe gleichzeitig zu starten bzw. auch den Lauf für die größeren Kids auf die 800 Meter lange Schleife zu reduzieren. So werden gegen 17:45 Uhr nach einem stimmgewaltigen Countdown alle 100 Kinder auf den 800 Meter langen Rundkurs entlassen, der von Polizei und freiwilligen Helfern gut abgesichert ist.

Sebastian saust mit der Läuferschar davon. Ich gehe ihm ein Stück entgegen. Vom letzten Jahr weiß ich, dass der erste Teil der Strecke bergab führt und nach einer Kehre der beschwerliche Anstieg zum Ziel wartet. Bald taucht Sebastian auf. Er läuft im mittleren Läuferfeld ein ansprechendes Tempo. Im Vorjahr musste Sebastian hier auf dieser Steigung in den Gehschritt verfallen. Heute hat es den Anschein, als laufe er mit lockerem Laufschritt spielerisch dem Ziel entgegen. Kurze Zeit später überquert Sebastian auch schon die Ziellinie. Er bekommt die heuer aus Metall gefertigte Finisher-Medaille um den Hals gehängt. Auch eine Urkunde liegt bereit. Wir beglückwünschen unseren Sohnemann zur großartigen Leistung. Sebastian erzählt uns von seinen Eindrücken während des Rennens. Es ist immer wieder spannend zu hören, wie es ihm auf der Strecke ergeht. Zwischendurch regnet es immer wieder leicht, aber dadurch lassen wir uns den Appetit auf die wohlverdiente Bratwurst nicht verderben. Während dessen findet noch eine Verlosung von Warenpreisen statt. Wie im Vorjahr geht Sebastian vorerst leer aus. Aber der Veranstalter hat vorgesorgt und so erhalten alle Kinder, die in der regulären Tombola nicht gewonnen haben, einen kleinen Trostpreis.

Ich kann die WelschiKNAXmarathons vorbehaltlos empfehlen. Es ist für unsere Kids bestens gesorgt. Die Leistungen der Nachwuchssportler werden mit T-Shirt, Medaille und Urkunde entsprechend gewürdigt. Diese Gesten machen die teilnehmenden Kinder stolz und erhalten die Freude an der Bewegung bzw. am Laufsport. Ein großes "Daumen hoch" für diese großartige Veranstaltung.

Mein Marathon:


Ich starte mit zwei Honigbroten in den Lauftag. Danach geht es über die Südautobahn nach Ehrenhausen. Hier stehen um 08.00 Uhr Busse bereit, die uns Läufer zum Start nach Wies bringen.

In Wies herrscht bereits buntes Treiben. Spätentschlossene haben noch die Möglichkeit zur Nachnennung. Ich gönne mir einen Kaffee, sitze entspannt auf einer Bank und lausche der unterhaltsamen Moderation bzw. der Blasmusikkabelle.

"Riegl aufi, Riegl obi", heißt es pünktlich um 10 Uhr, was übersetzt so viel wie "Hügel rauf, Hügel runter" bedeutet. Und das ist auch schon die Charakteristik dieser Strecke. Der Welschlauf bietet kaum Gelegenheit, sich auf flacher Strecke fortzubewegen.

Ich werde mit weiteren rund 170 Teilnehmern des Marathons auf die Strecke gelassen. Ich befinde mich aktuell in der unmittelbaren Vorbereitung für den mozart100, einem 105 km langen Ultratrail Mitte Juni. So habe ich in dieser Woche schon einige Trainingskilometer in den Beinen. Dieser heutige Marathon soll mir als weiterer langer Dauerlauf dienen. Als Ziel gebe ich eine Zeit zwischen 4:12 und 4:20 Stunden an meine schweren Beine aus und lege mir zusätzlich auf, alle Steigungen laufend zu meistern. Gehschritt ist heute also völlig tabu.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Ich persönlich bevorzuge zwar Sonnenschein und Wärme, aber vom leistungstechnischen Standpunkt ist der wolkenverhangene Himmel und die mäßigen Temperaturen nicht von Nachteil. Im Verlauf der folgenden Stunden wird auch der eine oder andere Regentropfen für zusätzliche Abkühlung sorgen.

Der Großteil der 42 Kilometer wird auf asphaltierten Straßen gelaufen. Die Topografie ist wie bereits erwähnt mit knapp 1000 positiven Höhenmetern recht anspruchsvoll. Die landschaftliche Schönheit der Gegend entschädigt für die Strapazen. Rebenbewachsene Weinhänge und malerische Ortschaften, dazu reichlich Verpflegestellen und ein begeistertes Publikum an vielen Punkten der Strecke lassen den Welschlauf zu einem unvergesslichen Lauftag werden.

Es braucht heute ein paar Minuten, bis meine Beine in einen Rhythmus finden. Die ersten paar Kilometer führen moderat aufwärts. Die Ortschaften Kopreinig und St. Ulrich am Greith lassen wir hinter uns. Abwechslungsreiche Kilometer folgen. Mal geht es abwärts, dann wieder hoch, um anschließend wieder talwärts zu laufen. "Riegl aufi, Riegl obi" eben. An den in üppiger Anzahl vorhandenen Labestellen warten fröhliche und hilfsbereite Menschen, die Wasser, Iso und Obst reichen. Dazu bietet die Gegend reichlich Gelegenheit, sich an der landschaftlichen Schönheit satt zu sehen. Ich fühle mich sehr wohl.

Ungefähr bei Kilometer 10 haben wir die Talsohle in Wuggau erreicht und laufen auf einem der wenigen Flachstücke St. Johann entgegen. Nun folgt ein beinahe ununterbrochener Anstieg bis zur Halbmarathonmarke. Trotz teilweise knackiger Anstiegen habe ich die ersten 21 Kilometer nach gut 2 Stunden und 2 Minuten in der Tasche. Ich weiß um die noch bevorstehenden Anstiege, aber auch um die letzten 7 Kilometer, die fast durchgehend bis zum Ziel nach Ehrenhausen fallen. Ich bin zuversichtlich, eine Zeit von 4 Stunden und 12 Minuten erreichen zu können.

Nach rund 24 Kilometer treffen wir auf die Starter des Halbmarathons. Die haben sich die ersten 3 Kilometer vom Startort Leutschach hier auf den Bergkamm gequält. Fortan teilen wir uns nun die Laufstrecke auf dem Weg nach Ehrenhausen. 

Vor zwei Jahren machten mir Krämpfe in den Beinen die letzten 15 Kilometer des Welschlaufes zur Hölle. Seither bin ich dagegen gerüstet und beuge mit Salztabletten vor. Auch heute schlucke ich nach der ersten, zweiten und dritten Laufstunde jeweils eine Salzration und bleibe vor lästigen und schmerzhaften Krämpfen verschont. Kohlenhydrate liefern mir neben den Iso-Getränken und Bananenstücken an den Labestationen meine eigenen Energy-Gels. Ich habe vier Gels in den Taschen meiner Laufweste, die ich gut aufgeteilt auf den Lauf zu mir nehme.


Heute rollt es. Ich überhole Läufer um Läufer des Halbmarathon-Bewerbs. Die meisten Anstiege meistere ich mit Leichtigkeit. Immer mehr Kilometerzeiten liegen deutlich unter 5:30 Minuten; einige sogar unter 5:00 Minuten. Das letzte Viertel der Strecke bricht an. Hier in Gamlitz "tanzt der Bär". Massen von Viertelmarathon-Teilnehmer strömen zum Start.

Im Bereich von Glanz und Sulz ist ein für die Oberschenkelmuskulatur sehr anspruchsvoller Downhill in das Sulztal hinab zu laufen, bevor die Strecke unmittelbar danach schweißtreibende 160 Höhenmeter aufwärts führt. Beinahe alle verfallen hier in den Gehschritt. Gehen ist für mich heute tabu. So ist auch diese Herausforderung nach wenigen Minuten geschafft. Schenkt man den Beschilderungen Glauben, befinde ich mich aktuell auf slowenischem Staatsgebiet. Zumindest dann, wenn ich am rechten Wegesrand laufe.

Die letzten 7 Kilometer sind angebrochen. Fortan geht es meist bergab. Mein Körper zeigt weiterhin kaum Anzeichen von Schwäche. Im Gegenteil. Die Kilometerzeiten auf den Bergab-Passagen pendelt sich bei 4:30 Minuten ein. Eine kurze Hochrechnung ergibt, dass ich - sollte ich es mit dieser Pace bis nach Ehrenhausen schaffen - es sogar unter der 4-Stunden-Grenze schaffen kann. 

Und tatsächlich gelingt es mir, die Pace weiterhin hoch zu halten. Motiviert von den vielen aufmunternden Zurufen von Mitläufern und Zuschauern jage ich dem Ziel entgegen. Eine neuerliche Zeitschätzung bei Kilometer 40 bestätigt es. Ich kann es heute schaffen. Ich kann den anspruchsvollen Welschmarathon unter 4 Stunden finishen. Und das am Ende einer anstrengenden Trainingswoche. Verrückt! Ich bin im "flow". Es geht weiter abwärts; topografisch gesehen. Kilometer 41 liegt hinter mir.

Ich bin in Ehrenhausen. Vorbei an voll besetzten Gastgärten geht es dem Ziel entgegen. Der Moderator kündigt meinen Namen an und schon überquere ich die Ziellinie. Der letzte Kilometer ist in 4:12 Minuten gelaufen! 3 Stunden, 58 Minuten und ein paar Sekunden lautet das offizielle Endergebnis. Mir wird die Finisher-Medaille um den Hals gehängt und bin sehr stolz auf meine gute Leistung, wenngleich ich auf der zweiten Streckenhälfte verdrängt habe, dass es heute ein eher lockerer Dauerlauf hätte werden sollen. Egal! Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Und hier in Ehrenhausen kann man sie im vorbereiteten Festzelt bis spät in die Nacht feiern.

Auch bei der Zielverpflegung fehlt es beim Welschlauf an nichts. Leckere Aufstichbrote, Kuchen, Wasser, Iso und alkohlfreies Bier stehen in Massen für die hungrige und durstige Läuferschar bereit. Sogar warmes Wasser ist mir im Anschluss unter der Dusche vergönnt.

Fazit zum Welschlauf? Landschaftliche Schönheit gepaart mit anspruchsvoller Strecke und großartiger Organisation machen den Welschlauf zur Pflichtveranstaltung. 

05.05.2018: Der Welschlauf (Marathon) - Laufbericht 


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