Samstag, 23. Mai 2026

23.05.2026: mozart 100 by UTMB - Erlebnisbericht

Alles neu macht der Mai! Dieses Sprichwort geht auf das gleichnamige Frühlingsgedicht von Hermann Adam von Kamp zurück und ist ein Sinnbild für Aufbruchstimmung und Neuanfang. Ein Neuanfang, wie er heuer auch dem mozart 100 by UTMB bevorsteht. Denn Start und Ziel dieser Ultratrail-Veranstaltung liegen nicht mehr inmitten der altbewährten Mozartstadt Salzburg, sondern in Fuschl am See. Ich kann nur spekulieren, warum diese große infrastrukturelle Änderung notwendig wird. Es liegt - gestützt auf Online-Berichte - wohl an der fehlenden Zustimmung der Stadtregierung. Demnach sollen in der Altstadt von Salzburg die Veranstaltungen zum Wohle der Bewohner drastisch minimiert werden. Nur noch ausgewählte kulturelle Events sind weiterhin gern gesehen.

Ob in Fuschl am See dieses jährlich wachsende Ultratrail-Event organisatorisch gestemmt werden kann? Bereits kurz nach Bekanntgabe der örtlichen Veränderung sind sämtliche Zimmer in Fuschl ausgebucht. Der Veranstalter reagiert und bietet von den benachbarten Orten und von der Stadt Salzburg einen Shuttle-Service zum jeweiligen Start der Bewerbe an. Auch nach dem Zieleinlauf in Fuschl kann man dieses Service nutzen und wird wieder zu seinem Nächtigungsort retour gebracht.

Ich selbst ergattere für zwei Nächte ein kurzfristig frei gewordenes und recht kostengünstiges Zimmer am Ortsrand von Fuschl. Der Start- und Zielbereich ist von der kleinen Pension aus fußläufig in rund 10 Minuten erreichbar. Anreisen möchte ich eigentlich umweltschonend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber durch Baustellen entlang der Bahnstrecke winkt mir ein mehrmaliges Umsteigen inklusive Schienenersatzverkehr. So entschließe ich mich letztendlich, mit dem Auto in das Flachgau zu reisen.

Zum Glück rollt am Pfingstwochenende die Verkehrslawine Richtung Süden. Während die nach Strand und Meer Hungrigen im kilometerlangen Stau stehen, habe ich aus dem Umland von Graz über Liezen und dem Salzkammergut eine recht entspannte Anreise. Da ich bereits vorab online eingecheckt habe, liegen Zimmerschlüssel und Gästekarte schon bereit. Das Doppelzimmer bietet mir und meiner Ausrüstung genügend Platz. Vom Balkon habe ich einen schönen Blick auf den Fuschlsee und auch eine Gemeinschaftsküche mit Herd, Geschirrspüler, Kaffeemaschine und Mikrowelle steht vor Ort zur Verfügung. Soweit läuft alles bestens!

Das Eventgelände rund um das Fuschlseebad, mit seinem malerischen Naturbadestrand des glasklaren, türkisfarbenen Fuschlsees, ist ein echter Hingucker. Die Abholung der Startunterlagen erfolgt schnell und unkompliziert. Ich zeige den vor einigen Tagen per Mail erhaltenen QR-Code und einen Lichtbildausweis vor und erhalte die Startnummer 327 sowie einen Transponder, der am Laufrucksack angebracht werden muss. Über diesen Transponder sind wir via App live zu verfolgen. Schließlich soll ja auf der Strecke niemand verloren gehen. Auch ein Dropbag-Beutel wird an die Starter ausgegeben. Dieses Bag kann befüllt werden und ist kurz vor dem Start abzugeben. Dann wird es zum Checkpoint nach St. Gilgen (bei Kilometer 45) gebracht. Das Finisher-Shirt ist auf Grund internationaler Versandbeschränkungen leider nicht rechtzeitig beim Veranstalter eingelangt. Wir werden damit vertröstet, dass das Shirt in ein paar Wochen per Post nachgesendet wird. Ich schmökere noch ein wenig auf der Expo umher und gönne mir einen lässigen Hoodie, der auf der Rückseite kleingedruckt die Namen alle Teilnehmer stehen hat.

Ich gehe in die Unterkunft zurück und mache mir etwas Reis in der Mikrowelle warm. Während dem Essen verfolge ich via Livestream das Racebriefing.

Bevor ich mich ins Bett lege, richte ich meine Ausrüstung und bestücke die Laufweste und das Dropbag. Auch wenn ich den Inhalt des Dropbags kaum brauchen werde, befülle ich es mit einem Paar Laufschuhe, frischen Socken, einem Shirt und einigen Energie-Gels. Man weiß ja nie und wenn die Möglichkeit angeboten wird, sollte man diese auch in Anspruch nehmen.

Durch die offenen Fenster haben wohl zu viele Gräserpollen den Weg ins Zimmer gefunden. Meine Nase ist verstopft und ich finde kaum Schlaf. Völlig gerädert stehe ich um 03:45 Uhr auf. Ich mache mir einen Kaffee und treffe die letzten Vorkehrungen wie Kontaktlinsen rein, Wasserflaschen auffüllen ...

Dann mache ich mich auf den Weg zum Startgelände. Die Luft ist angenehm kühl und der Himmel wolkenlos. Ich gebe mein Dropbag ab und reihe mich schließlich im Startblock ein. Trotz der frühen Uhrzeit liegt eine besondere Energie in der Luft. Genau diese Momente sind es, die den Reiz solcher Veranstaltungen ausmachen. Wochen und Monate der Vorbereitung sind Geschichte. Nun ist es an der Zeit, sich für hunderte Trainingskilometer zu belohnen.

Pünktlich um 5:00 Uhr früh erfolgt der Start des mozart 100 by UTMB. 119 Kilometer und knapp 6.000 Höhenmeter sind es bis zur Ziellinie. Mental sind Zwischenziele (Meilensteine) immens wichtig. So zerteile ich diese ultralangen Strecken in kleinere, überschaubare Happen. Für mich gilt es nun erstmal, bis nach Strobl zu laufen.

Die Beine fühlen sich recht gut an und der kurze, unzureichende Schlaf scheint vorerst keine Rolle zu spielen. Kilometer um Kilometer laufe ich durch die wunderschöne Landschaft des Salzkammerguts. Das rund 550 Teilnehmer umfassende Feld ist bereits in die Länge gezogen, sodass ich unbedrängt mein eigenes Tempo laufen kann. Und auch die ersten Höhenmeter lassen nicht lange auf sich warten. Immer wieder eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die Seen der Region. Der Wolfgangsee glitzert in der Morgensonne, dahinter ragen die Gipfel des Schafbergs und der umliegenden Berge empor. Genau für solche Momente nehme ich die Strapazen einer Ultratrail-Vorbereitung inklusive Organisation der Anreise und Nächtigung gerne in Kauf.

Nach der Verpflegungsstation in Strobl beginnt der anspruchsvollste Abschnitt des gesamten Laufes. Was auf dem Streckenprofil bereits respekteinflößend aussieht, entpuppt sich in der Realität als echter Härtetest. Hinauf zum Schafberggipfel sind auf wenigen Kilometern weit mehr als tausend Höhenmeter zu bewältigen. Mit zunehmender Höhe wird der Weg steiniger und rauer. Ausgesetzte Stellen sind seilgesichert und teilweise liegen noch Schneereste auf den Pfaden. Es ist punktuell sehr technisch. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier heroben ein absolutes Muss. Bergretter sichern exponierte Stellen. Endlich steige ich durch die sogenannte Himmelspforte hoch und der vermeintlich härteste Anstieg des heutigen Tages ist geschafft.

Ein kurzer Blick auf das Panorama und auf den Wolfgangsee belohnt für die Mühen des kräftezehrenden Aufstiegs. Die Schafbergbahn fährt gerade hinab ins Tal. Und auch auf mich wartet diese Herausforderung. Die mühsam gewonnenen Höhenmeter müssen nämlich wieder nach unten gelaufen werden. Der Downhill bis in die Talsohle nach St. Gilgen wird nur kurz durch den Checkpoint Schafbergalm unterbrochen.

Meine Ernährungsstrategie sieht vor, dass ich zwischen den Checkpoints gerne auf Gels zurückgreife. An den Checkpoints selbst labe ich mich mit Tomaten und Salz, gerne auch mal mit einem Stück Schwarzbrot, Wurst und Käse. Auch ein Schluck vom alkoholfreien Bier ist eine willkommene Abwechslung. Die Labestationen sind allesamt gut ausgestattet und überall warten überaus freundliche Helfer auf uns Läufer.

Auch hier auf der Schafbergalm esse ich wieder einige Tomaten mit Salz und trinke ausgiebig Wasser und ein isotonisches Getränk. Ich fülle meine Flasks voll und laufe weitere hunderte Höhenmeter abwärts. Vorsicht ist angebracht, denn die Singletrails sind mancherorts stark verwurzelt und teils steinig. Es ist zu steil und zu technisch, um es einfach rollen zu lassen. Daher haben die vorderen Oberschenkelmuskel ganze Arbeit zu leisten, denn große Aufprallkräfte wirken auf sie ein. Diese exzentrische Muskelarbeit, also diese abbremsende Kraft, beansprucht den Quadrizeps und die Quadrizepssehne enorm. Mikrorisse in den Muskelfasern und im Bindegewebe sind die Folge. Diese kleinen Verletzungen verursachen Entzündungsreize und lassen einem dann diesen typischen Muskelkaterschmerz verspüren. Und dieser Schmerz ist bei mir gerade sehr ausgeprägt, als ich im Tal ankomme und die zwei flachen Kilometer am Ufer des wunderschönen Wolfgangsees nach in St. Gilgen laufe.

Bei meiner Ankunft am Checkpoint St. Gilgen habe ich über 3 Stunden Puffer auf die Cut-off-Zeit. Für 65 Teilnehmer läuft es nicht so gut und sie müssen oder wollen hier in St. Gilgen bereits den Lauf beenden. Aus dem Dropbag nehme ich mir nur ein paar Gels und stecke sie mir in die Laufweste. Der Rest wird vom Organisationsteam wieder zurück nach Fuschl gebracht. Der lange Abstieg vom Schafberg hat bei meiner Muskulatur deutliche Spuren hinterlassen. Dabei liegt mit dem Zwölferhorn noch ein weiterer markanter Anstieg vor mir. 

Die Temperaturen sind mittlerweile deutlich angestiegen und jeder Höhenmeter scheint doppelt so viel Kraft zu kosten wie noch am Morgen. Der Weg führt teilweise Direttissima dem Gipfel des Zwölferhorns entgegen. Anfangs versuche ich noch, mit kraftvollem Einsatz meiner Stöcke zügig zu marschieren. Doch meine Oberschenkel denken nicht mehr daran, kooperativ zu sein. Jeder Schritt wird zur Willensprüfung. Höhenmeter um Höhenmeter quäle ich mich empor, während über mir die Gondel der Zwölferhorn-Bergbahn mühelos hoch und runter fährt.

Kurz vor dem Gipfelkreuz lasse ich mich ins Gras fallen. Ich bin platt. Für einige Minuten liege ich einfach da und starre in den wolkenlosen Himmel. Ein paar Läufer hiken an mir vorbei. Manche fragen, ob alles in Ordnung sei. Ich nicke.

In Wahrheit bin ich mir in diesem Moment nicht ganz sicher, wie es weitergehen soll. Die Oberschenkelmuskulatur streikt in einem noch nie erlebten Ausmaß. Und es liegen noch schier unüberwindbare 60 Kilometer vor mir. Es ist einer jener Momente, die man in keiner Ergebnisliste und auf keinem Finisher-Foto sieht. Momente, in denen ein Ultratrail weniger ein sportlicher Wettkampf ist, sondern vielmehr eine riesengroße mentale Herausforderung wird. 

Zu gerne würde ich hier und jetzt den mozart 100 by UTMB beenden. Der Gedanke, mit der Gondel ist Tal zu fahren und in einen der Shuttlebusse zu steigen, der mich bequem zurück nach Fuschl fährt, erscheint äußerst verlockend. Keine weiteren An- bzw. Abstiege, keine schmerzenden Oberschenkel, keine endlosen Kilometer mehr. Einfach nur sitzen, die Beine ausstrecken und den Tag abhaken. Doch kaum ist dieser Gedanke ausgesprochen, folgt auch schon die Gegenfrage: Würde ich mir das morgen verzeihen können? Die Antwort kommt schnell. Nein, ich würde mich dafür hassen, es nicht weiter versucht zu haben. Schließlich habe ich viel investiert, um hier am Start zu sein. Dazu kommt, dass die Zielankunft hier beim mozart 100 by UTMB zugleich die Eintrittskarte ist, um ein weiteres Mal bei der Startplatzlotterie des Western States 100 Endurance Run im Lostopf zu sein. Die Beine sind zwar schwer, die Muskulatur angeschlagen und mein ursprüngliches Zeitziel außer Reichweite. Aber im Grunde sind das heute auch keine größeren Probleme, wie ich sie in den letzten 10 Jahren nicht schon mehrfach gelöst bekommen habe. Es ist keine Verletzung, die mich ausbremst. Es liegen keine gravierenden gesundheitlichen Beschwerden vor. Eigentlich bin ich nur müde und erschöpft. Also aufstehen, Krone richten und den nächsten Checkpoint als weiteres mentales Zwischenziel definieren.

Ich beginne zu rechnen. Selbst wenn ich pro Stunde nur mehr 4 bis 5 Kilometer weit kommen sollte, wird mich der Sweeper (Schlussläufer, Besenwagen) nicht einholen. Nachdem das Zwölferhorn überschritten ist, folgt ein schmaler Pfad hinab zur Schafbachalm. Bei diesem Checkpoint werden am heutigen Tag weitere 75 Teilnehmer die Herausforderung mozart 100 by UTMB vorzeitig beenden.

Von Laufen kann mittlerweile keine Rede mehr sein. Aus dem Ultratrail ist längst ein Ultraweitwandern geworden. Die Uhr zeigt unmissverständlich, dass ich zwei oder vielleicht sogar drei Stunden langsamer sein werde als erhofft. Aber das stört mich inzwischen kaum noch. Dafür ist keine Energie vorhanden. In dieser Phase geht es längst nicht mehr um Bestzeiten oder Platzierungen. Es geht mir nur noch darum, die Ziellinie aus eigener Kraft zu erreichen.

Ein beruhigender Faktor bleibt dabei stets im Hinterkopf: Die Cut-off-Zeiten sind nämlich weiterhin keine Bedrohung. Trotz aller Schwierigkeiten verfüge ich noch über ausreichend Puffer. Solange nichts Unvorhergesehenes passiert, werde ich also vor der Schlusszeit ins Ziel kommen. So marschiere ich weiter. Schritt für Schritt. Kilometer für Kilometer. Nicht schnell, nicht elegant und schon gar nicht leichtfüßig. Aber immer noch vorwärts. Und genau das zählt an Tagen wie diesen.

Ich nähere mich der Ziellinie. Hier fehlt mir der bisherige finale Streckenabschnitt über den Kapuzinerberg und durch die Altstadt von Salzburg dann doch. Denn diese letzten Kilometer inmitten von Touristen haben in den letzten Jahren dem langen Tag auf den Trails die Krone aufgesetzt. Nun hike ich am Ufer des Fuschlsees entlang. Ich weiß, wie schön es hier bei Tageslicht ist. Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht. Die Dunkelheit hat die Landschaft längst verschluckt und die Stirnlampe wirft nur noch einen schmalen Lichtkegel auf den Trail vor mir. Eigentlich bin ich im Moment ganz froh darüber, niemanden zu sehen oder gar selbst gesehen zu werden. 

Das Ziel ist greifbar nahe. Die letzten hundert Meter möchte ich nicht gehend absolvieren. Also zwinge ich meinen Körper ein letztes Mal in den Laufschritt. Jeder Schritt schmerzt, die Muskulatur protestiert lautstark und von der Leichtigkeit der ersten Stunden ist längst nichts mehr übrig. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Einige Zuschauer und Helfer harren trotz der späten Stunde aus und applaudieren mir.

Geschafft. Finish. Ich überquere die Ziellinie und bleibe zunächst einige Sekunden stehen. Nach knapp 21 Stunden voller Höhen und Tiefen, grandioser Ausblicke, schmerzhafter An- und Abstiege und zäher Krisen ist das Abenteuer mozart 100 by UTMB beendet. Eine Helferin hängt mir die wunderschöne und hart erkämpfte Finisher-Medaille um den Hals. Während ich die Medaille betrachte, wird mir bewusst, dass dieser Lauf nicht wegen einer persönlichen Bestzeit oder einer guten Platzierung in Erinnerung bleiben wird. Im Gegenteil. Es war einer jener Tage, an denen nicht die Beine, sondern der Kopf darüber entscheidet, wo und wie der Lauf zu Ende geht. Ein Tag, an dem Aufgeben mehrfach verlockend erschien und Weitermachen dennoch die für mich bessere Entscheidung war. Genugtuung und Stolz bleibt jedenfalls aus. Vielleicht bin ich einfach zu müde, um mich zu freuen. Oder mein Geist signalisiert, dass das bloße Ertragen dieses langen Tages keine lobenswerte Leistung ist. Immerhin wollte ich laufen und nicht gehen, wollte viel früher die Ziellinie überqueren. Ich denke, es braucht ein paar Tage Zeit, um einen klaren Blick auf meine diesjährige Teilnahme am mozart 100 by UTMB zu kriegen.

Ein wenig Statistik: 545 wagemutige Ultraläufer machten sich am frühen Morgen auf dem Weg. 329 erreichten in der vorgegebenen maximalen Zeit von 23 Stunden die Ziellinie. 216 Teilnehmer, das sind beinahe 40 Prozent, mussten den mozart 100 by UTMB vorzeitig beenden. Ich wünsche allen eine gute Regeneration und noch viele erlebnisreiche Laufabenteuer. Und mir wünsche ich, dass dieses hart erkämpfte Finish die Eintrittskarte ist, um noch einmal beim Western States 100, dem wohl geschichtsträchtigsten Ultratrail, am Start stehen zu dürfen.

23.05.2026: mozart 100 by UTMB - Erlebnisbericht


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Sonntag, 22. März 2026

22.03.2026: Salomon Lindkogel Trail - Laufbericht

Zum 10. Mal wird der Salomon Lindkogel Trail ausgetragen und zum bereits 5. Mal stehe ich selbst an der Startlinie. Zum wiederholten Mal bin ich für den Ultra Trail gemeldet. Die Strecke ist 54,5 Kilometer lang und weist 2.370 Höhenmeter auf.

Wenn bloß das frühe Aufstehen nicht wäre. Denn um bereits 04:15 Uhr reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, um zwei Tassen Kaffee später im Auto auf dem Weg nach Bad Vöslau zu sitzen, wo um 07:30 Uhr der Startschuss fällt. 

Am Vorplatz des Thermalbades Vöslau sind bereits alle Vorkehrungen getroffen, um ein gelungenes Trailrunning-Fest zu feiern. So sind hier eine Moderatorenbühne sowie der Start- und Zielbogen aufgebaut, die Kleiderabgabe und Startnummernausgabe eingerichtet, WC-Anlagen stehen ebenso wie Tische und Bänke für die Labung nach dem Zieleinlauf bereit. Eigentlich fehlt es nur an einer Duschmöglichkeit.

Die Temperatur liegt nur wenige Grad Celsius über dem Gefrierpunkt, als ich dick eingemummt zur Startnummernausgabe gehe. Mir wird die Startnummer 3 zugeteilt. Das Goodie-Bag gibt es traditionell erst im Ziel; hoffentlich gemeinsam mit der Finisher-Medaille.

Es herrscht nicht unbedingt meine Wohlfühl-Temperatur. Auch wenn es im Tagesverlauf meist sonnig sein wird, so klettern die Temperaturen kaum über 12, 13 Grad Celsius. Dazu weht oft ein kühler Wind. Für die meisten Teilnehmer wird es ein beinahe perfektes Laufwetter sein. Ich für meinen Teil bin ein Genussläufer und dazu zählt, dass die Sonne vom Himmel knallt und der Schweiß in Strömen fließt ;-).

In meiner Salomon-Laufweste führe ich 2 Softflasks mit Wasser, 6 Gels meines Vertrauens, einen Trinkbecher, ein Erste-Hilfe-Set und eine Regenjacke mit. Ersatz-Kontaktlinsen und ein Müllsack dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Ich nehme Startaufstellung. Einige Fotos werden gemacht und nach einem kurzen Race-briefing verabschiedet uns der Veranstalter auf die Strecke.

Zeit für ein gemütliches Warmlaufen gibt es hier nicht. Denn vom Start weg, zuerst auf einer gepflasterten Straße mit Stufen, später durch den Kurpark mit seinem alten Baumbestand, werden gleich mal einige Höhenmeter gesammelt. Meine Beine, von den letzten Trainingswochen schon reichlich vorermüdet, fühlen sich nicht sonderlich locker an. Aber damit habe ich gerechnet. Also abhaken und dem Müdigkeitsgrad der malträtierten  Gliedmaßen keine weitere Beachtung schenken.

Auf wunderbar zu laufenden Waldpfaden geht es hoch zum Jubiläumskreuz Bad Vöslau. Hier halte ich für einen ersten Foto-Stopp, bevor ich den Aufstieg zum Sooßer Lindkogel fortsetze. Die erste von vier markanten Erhebungen ist nach rund 7 Kilometer bezwungen. 

Auf den kommenden Kilometern wechseln sich technisch anspruchsvollere Singletrails mit "Waldautobahnen" ab. Die Strecke fällt moderat bis vereinzelt steil und lässt sich grundsätzlich großartig laufen. Achtsamkeit ist jedoch gefragt. Denn untern den Blättern lauern mit Wurzeln und teils großen Steinen potenzielle Stolperfallen. Ich habe meine Position im Läuferfeld gefunden und kann ungestört mein eigenes Tempo laufen. Nach rund 11,5 Kilometer führt die Strecke raus aus dem Wald und ich laufe entlang der Steinbruchgasse in Richtung Helenental zügig abwärts.

Nach einem schönen Teilstück parallel zur Schwechat steht mir der Anstieg zur Sina-Warte bzw. zum Schutzhaus Eisernes Tor bevor. Hier nehme ich meine Trailrunning-Stöcke zu Hilfe. Schritt für Schritt geht es aufwärts. Die Frühjahrsblüher bedecken hier den Waldboden mit einem wunderschönen grünen Teppich. Oben angekommen, mache ich ein paar Fotos und verstaue meine Stöcke wieder im Köcher meiner Laufweste, bevor es auf Schotterwegen moderat abschüssig hinab ins nächste Tal geht. Selten, dass mal ein paar hundert Meter auf Asphalt zu laufen sind. Uns Teilnehmern wird beim Lindkogeltrail wirklich eine tolle Strecke geboten!

Im Ort Maria Raisenmarkt ist der Talboden erreicht. Hier an der Labestation nehme ich ein weiteres Gel zu mir. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und Iso. So bin ich nun für die Schleife auf den Peilstein gewappnet. Zuerst geht es entlang des Groisbaches und später über einen tollen Singletrail einen Hohlweg empor. Über Waldpfade und zu guter Letzt über kräfteraubende, hohe Stufen steige ich dem Gipfelkreuz entgegen. Die Strapazen des Aufstieges werden mit toller Fernsicht entlohnt. Über mäßig fallende Waldwege geht es wieder zum Ort Maria Raisenmarkt hinunter. Polizisten regeln das gefahrlose Queren der Straße und sichern die Labestelle ab.

Nach einer kurzen Trailpassage folgt ein längerer Abschnitt auf einer asphaltierten Gemeindestraße. Ein letzter nennenswerter Aufstieg wartet noch darauf, bezwungen zu werden. Kontinuierlich führt der Weg hoch. Die befestigte Straße weicht einem Schotterweg und letztendlich einem Pfad. Geschafft! Ab  Kilometer 40 geht es nun mehrheitlich fallend zurück nach Bad Vöslau.

Bergab wechseln sich Singletrails und Forststraßen ab. Mir geht es nach wie vor recht gut. Klar nörgeln die Muskeln und Gelenke. Aber das gehört dazu, wenn man sich an ultralange Strecken wagt. Und diese Wehwehchen sollte man in Kauf nehmen und sie nicht - wie leider häufig beobachtet - mit Schmerztabletten lindern.

Auf einem flachen Schotterweg trabe ich auf die letzte Verpflegestelle zu. Rund 5 Kilometer liegen noch vor mir, als ich mit Cola und einem weiteren Gel meine Energiereserven ein letztes Mal auffülle.

Inmitten von Weinhängen geht es die Merkensteiner Straße hoch. Die letzten 3 Kilometer führen auf Singlepfaden durch den Kurpark Bad Vöslau. Hier heißt es nochmal konzentriert zu laufen, um nicht - schon reichlich ermüdet - über eine der zahlreichen Wurzeln oder Steine zu stolpern. Ich höre bereits die Moderatorenstimme, als ich die letzten paar hundert Meter auf Pflastersteinen abwärts laufe.

Nach 6 Stunden und 42 Minuten ist es dann vollbracht. Ich überquere als insgesamt 68. von 195 Finishern die Ziellinie. In der Altersklassenwertung AK50 klassiere ich mich unter 37 Teilnehmern auf Platz 10. Mir wird die Finisher-Medaille um den Hals gehängt und das Goodie-Bag ausgefolgt.

Fazit: Die Strecke des Lindkogeltrails ist mit wenigen Ausnahmen technisch nicht sehr anspruchsvoll und großteils sehr gut laufbar. Mit einer Distanz von knapp 55 Kilometern und beinahe 2.400 Höhenmeter ist der Ultra Trail keinesfalls zu unterschätzen. Daher sollte schon eine gewisse Lauferfahrung über längere Strecken vorhanden sein. Entschädigt wird der Teilnehmer mit wunderbar zu laufenden Singletrails, Wald- und Schotterwegen sowie mit großartigen Aussichten von der Sina-Warte oder vom Peilstein. Die Verpflegestellen sind gut positioniert und ausreichend bestückt. Die zahlreichen Helfer sind sehr freundlich, die Streckenmarkierung lückenlos. Der Start-/Zielbereich im Bereich des Thermalbades Vöslau bietet eine gute Infrastruktur bei tollem Ambiente.

22.03.2026: Salomon Lindkogel Trail - Laufbericht


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Donnerstag, 1. Januar 2026

Jahresrückblick Kompakt: 2025

Das Jahr 2025 endet, wie es beginnt. Mit einer Infektionskrankheit, die mich zur Laufpause zwingt. Die für Anfang des Jahres geplante Teilnahme an der La Corsa della Bora rund um Triest fällt somit ins Wasser. Gut im Training ziehe ich mir Anfang März einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Somit kann ich auch am zweiten geplanten Wettkampf des Jahres, dem Lingkogeltrail, nicht teilnehmen.

Nach der ausgeheilten Muskelverletzung und sorgsamen Umfangsteigerungen nehme ich Anfang Mai am Welschlauf teil. Die Anstiege laufe ich mit Bedacht, um meine Wade nicht über Gebühr zu strapazieren. Nach 4 Stunden und 21 Minuten überquere ich die Ziellinie.

Völlig ermüdet von der Tennismeisterschaft fahre ich widerwillig zum 6-Stunden-Trailrun im Rahmen des Semmering Adventure Run. Die anspruchsvolle 8 Kilometer lange Runde mit 700 Höhenmeter rund um Maria Schütz verlangt mir alles ab. Rückblickend ist es eine wertige Trainingseinheit auf dem Weg zum eigentlichen Saisonhighlight, dem Großglockner Ultra Trail.

Beim Fernitzer Wald- und Wiesenlauf und beim Airport Run Graz sind kürzere Distanzen zu absolvieren. Diese flotten Einheiten sind eine willkommene Abwechslung und steigern die Grundgeschwindigkeit. Dass es heuer beim Airport Run Graz erstmalig keine eigene Siegerehrung für die Altersklassen gibt, finde ich sehr schade. Denn die Teilnehmerzahl ist hoch und so habe ich es unter 62 Teilnehmern der Altersklasse auf den 3. Rang geschafft. Somit bleibt mir heuer bislang eine offizielle Siegerehrung verwehrt.

Besondere Eindrücke darf ich als Sweeper beim Mozart 100 erleben. Als Schlussläufer einer Teilstrecke rund um das Salzburger Land ist es meine Aufgabe, zeitlich an der Cut-off-Grenze zu laufen und die Streckenmarkierung zu entfernen. 

Der Veitscher Grenzstaffellauf hält nicht ganz, was er verspricht. Denn statt der angekündigten 54 Kilometer ist die Strecke bloß knapp 50 Kilometer lang. Nichts desto trotz bietet der Lauf tolle landschaftliche Eindrücke und der Aufstieg über den Teufelssteig zum Graf-Meran-Haus ist das i-Tüpfelchen des sehr gut organisierten Laufevents.

Der Großglockner Ultra Trail hält auf 110 Kilometer Distanz stolze 6500 Höhenmeter bereit. Mit Start und Ziel in Kaprun fällt am späten Abend der Startschuss. Das Wetter ist seit Tagen schlecht und so bleibt es auch. Es regnet die ganze Nacht durch. In Kombination mit der Kälte verlangt die Witterung den Teilnehmern alles ab. Viele unterschätzen die Anforderungen dieses hochalpinen Ultratrails und steigen bereits bei den ersten beiden Checkpoints aus. Zudem erschwert Nebel die Sicht im Kegel der Stirnlampe. Die Auf- und Abstiege sind technisch sehr anspruchsvoll. Dennoch komme ich gut durch die Nacht. In Kals steht mein Drop-Bag bereit. Ich ziehe mir trockene Klamotten an, labe mich und fühle mich für den zweiten Streckenabschnitt bereit. Auf dem Anstieg zum Lugner-Haus erhalte ich die Information, dass die Rennleitung den Großglockner Ultra Trail abgebrochen hat. Ich muss zurück nach Kals laufen und werde mit dem Bus nach langer Wartezeit endlich nach Kaprun zurück gebracht. Im Nachhinein erfährt man, dass in hohen Lagen leichter Schneefall eingesetzt hat und schlecht ausgestattete Teilnehmer den Abbruch provoziert haben. Völlig unterkühlt konnten sie die Checkpoints und Schutzhütten nicht mehr verlassen, sodass die Veranstalter keinen anderen Ausweg als den Abbruch sahen. Mir wird das erste Finish meiner Laufkarriere genommen. Zudem fehlt mir nun ein Qualifikationslauf für die Startplatzlotterie des Western States 100 Endurance Run.

Eine ganz klare Teilnahmeempfehlung spreche ich hingegen für das Koralm Trailrunning Event aus. Die Organisation ist top und die Strecke gespickt mit unzähligen landschaftlichen Highlights. Ein paar Kilometer vor dem Ziel werde ich von einer Hornisse in das Knie gestochen. Zum Glück reagiere ich nicht allergisch und kann den knapp 70 Kilometer langen Lauf erfolgreich zu Ende bringen.

Die Bilder von der Edelgrießhöhe lassen mich im Vorfeld zweifeln, ob der Torlauf Dachstein nicht doch punktuell zu technisch ist. Aber nachdem ich beim Großglockner Ultra Trail auch schon einige hochalpine technische Passagen gut hinter mich gebracht habe, starte ich letztendlich auch hier in der Ramsau zuversichtlich in den Tag. Ich bin von der beinahe mondähnlichen, abstrakten Landschaft so angetan, dass ich im kommenden Jahr wieder an der Startlinie stehen werde.

Mit einer Spende für den Tierschutzverein Arche Noah erhält man Zutritt zum virtuellen Tierschutzlauf. Ich entscheide mich, die 10 Kilometer lange Strecke entlang der Mur zu laufen. Die Zielzeit ist mit 43:34 Minuten recht passabel.

Beim Kleine Zeitung Graz Marathon laufe ich etwas unerwartet eine neue persönliche Bestzeit. Ich bewältige die 42,195 Kilometer lange Strecke in 3 Stunden und 27 Minuten. Bei meiner ersten offiziellen Siegerehrung der Laufsaison 2026 erhalte ich als Steirischer Meister im Marathon der Altersklasse M50 die Goldmedaille um den Hals gehängt.

Ich bin voller Vorfreude auf das, was mir das Jahr 2026 für Erlebnisse in Laufschuhen bringt.

Jahresrückblick Kompakt: 2025


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Jahrbuch 2025

Der Jahresbericht 2025 ist fertig gestellt und freut sich auf viele Leserinnen und Leser!




Mein Jahresbericht für das Jahr 2025 ist im pdf-Format abgespeichert und kann unter nachfolgendem Link aufgerufen werden:


    Viel Vergnügen beim Lesen!


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    Sonntag, 12. Oktober 2025

    12.10.2025: 32. Kleine Zeitung Graz Marathon - Erlebnisbericht

    Eigentlich wollte ich heuer beim Kleine Zeitung Graz Marathon nicht an den Start gehen. Denn für mich ist ein flacher Straßenmarathon körperlich und mental deutlich anstrengender als ein Lauf auf Trails mit einigen Höhenmetern. Mein Körper ist einfach nicht darauf trainiert, im Idealfall zweiundvierzig ähnlich gleichmäßige Kilometerzeiten in den Asphalt zu stampfen.

    Vor ein paar Wochen machte mich Instagramm auf ein Gewinnspiel der Steiermärkischen Sparkasse aufmerksam. Hier wurden 200 Startplätze für den Kleine Zeitung Graz Marathon verlost. Ich nahm am Gewinnspiel teil und siehe da, ich habe einen Startplatz für den Bewerb meiner Wahl gewonnen. Ergänzend dazu bekam ich ein Laufshirt per Post zugesandt. Am Lauftag selbst wird dann sogar ein eigener Bereich zur Verfügung stehen, in dem wir vor und nach dem Lauf verpflegt werden.

    Im Zuge des Graz Marathon werden heuer auch die Steirischen Meisterschaften über die klassische Marathon-Distanz ausgetragen. Da ich nun einen kostenlosen Startplatz inne hatte, bat ich meinen Laufclub, mich für diese Meisterschaften zu nennen. Ein großes Danke dem MT-Hausmannstätten, der mir zum wiederholten Mal die Möglichkeit gibt, an Meisterschaftsläufen teilzunehmen.

    Bei der Abholung der Startunterlagen im Citypark Graz erhalte ich eine Startnummer mit dem Aufdruck ELITE. Wir Teilnehmer an den Steirischen Meisterschaften dürfen noch vor Block 1 gemeinsam mit den wirklich sehr, sehr schnellen Favoriten auf den Sieg über die 42,195 Kilometer auf die Strecke gehen. Ob mir dieser Aufdruck peinlich ist? Nein, eigentlich nicht. Auch wenn ich natürlich weit weg von läuferischer ELITE bin. Ich mache mir weiter keine Gedanken darüber.

    Race-Day! Ich fahre völlig stressfrei mit dem Regionalbus von meiner Wohnsitzgemeinde in die Landeshauptstadt Graz. Die Haltestelle ist fußläufig keine 5 Minuten vom Start- und Zielbereich entfernt. Bequemer geht es kaum. Da das Zelt der Steiermärkischen Sparkasse bereits geöffnet ist, gönne ich mir einen Espresso. Dann wird es auch schon Zeit, mich umzuziehen. Ich stecke drei Gels in meine Hosentasche, gebe mein Hab und Gut bei der Gepäckverwahrung ab und laufe mich ein wenig warm. Dann begebe ich mich in den ELITE-Startblock, wo sich schon einige bekannte Gesichter tummeln.

    Meine Strategie ist klar. Ich starte wiederholt den Selbstversuch, ohne adäquates Tempotraining die Kilometer mit knapp unter 5 Minuten zu laufen. Das würde eine Endzeit von 3 Stunden und 30 Minuten bedeuten. Es ist jedoch unrealistisch, es mit diesen Kilometerzeiten bis ins Ziel zu schaffen. Die Erfahrung der letzten Jahre sagt mir voraus, dass ich nach rund 30, 32 Kilometer, spätestens nach 34 Kilometer, spürbar langsamer werde und es dann wieder ein sehr beschwerlicher letzter Rennabschnitt sein wird.

    No risk, no pain ;-). Startschuss! Und was soll ich sagen, ich mache meiner Startnummer alle Ehre und laufe tatsächlich die angepeilten Kilometerzeiten bis zur Ziellinie. Mein offizielles Endergebnis mit 3 Stunden, 26 Minuten und 42 Sekunden ist nicht nur persönliche Bestzeit, sondern reicht auch für den Steirischen Meistertitel in meiner Altersklasse M50.

    Was zwischen Start- und Ziellinie passiert? Bei traumhaftem Herbstwetter ist die Strecke von unglaublich vielen Zusehern gesäumt, die richtig tolle Stimmung machen. Die Labestellen sind gut platziert und mit Iso, Wasser, Bananen, Gel etc. auch sehr gut ausgestattet. Bereits bei Halbzeit merke ich, dass sich die Kilometer heute noch deutlich leichter laufen als ich das bei meinen bisherigen Teilnahmen hier in Graz in Erinnerung habe. So tritt auch der befürchtete Einbruch zu Beginn des letzten Rennviertels nicht ein und ich kann die letzten Kilometer durch die Sackstraße, Neutorgasse, Schmiedgasse, Herrengasse und über den Opernring zurück zum Ziel in vollen Zügen genießen.

    Graz, es war mir eine Ehre!

    12.10.2025: 32. Kleine Zeitung Graz Marathon - Erlebnisbericht


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    Samstag, 6. September 2025

    06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht

    Torlauf Dachstein - Ultraläufer Wolfgang Kölli
    "Manchmal muss man sich zum Glück zwingen!", heißt es in einem Sprichwort. Das trifft für meine Teilnahme am Torlauf Dachstein recht gut zu. Die Fotos und Streckenvideos von vergangenen Veranstaltungen haben mein Interesse sofort geweckt. Allerdings ist der Torlauf Dachstein punktuell auch sehr technisch. Insbesondere der Abstieg von der Edelgrießhöhe (inklusive Klettersteig und teilweiser Seilversicherung) hat es für jemanden, der ein klitzekleinwenig an Höhenangst leidet, in sich.

    Aber durch meine heurige Teilnahme am Großglockner Ultra Trail habe ich auf technisch exponierten Abschnitten reichlich Erfahrung sammeln können und so fühle ich mich für den Lauf in der wunderschönen Ramsau am Dachstein letztendlich gut vorbereitet.

    Der Start ist für 8 Uhr geplant. Da mir zwei Stunden Anreise bevorstehen, ist die Nacht kurz. Nach zwei Tassen Kaffee fahre ich voller Vorfreude in die Obersteiermark.

    Ein wenig länger hätte ich schlafen können. Denn bald nach meiner Ankunft erfolgt seitens des Veranstalters die Durchsage, dass der Start um eine Stunde nach hinten verschoben wird. In der Nacht hat es am Berg leicht geschneit und es wird zugewartet, bis die Kraft der Sonnenstrahlen diese paar Flocken zum schmelzen bringt.

    Der Start- und Zielbereich ist im WM-Stadion eingerichtet. Im Jahr 1999 hat hier die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattgefunden. Die Skisprunganlage und das Stadion sind nach wie vor in Betrieb. So finden hier regelmäßig Weltcup-Veranstaltungen der Nordischen Kombination statt. Eine geplante Bewerbung für eine neuerliche Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Jahr 2031 scheitert wie so oft an den notwendigen finanziellen Mittel.

    Edelgrießhöhe Dachstein
    Vor dem Start erhalten wir neben der Startnummer und einem Essens-Bon auch einen GPS-Tracker. So ist unsere Position jederzeit abrufbar und dient der Sicherheit aller Teilnehmer. Und schon geht es los. Die ersten Kilometer hinaus aus dem WM-Stadion verlaufen auf schmalen Wegen recht flach und sind gut laufbar. Entsprechend hoch ist das eingeschlagene Tempo. Nach gut 8 Kilometer ist der Einstieg zur Silberkarklamm erreicht. Über unzählige Holzstufen geht es die Klamm hoch. Unmittelbar daneben rauscht das Wasser zwischen große Felsen zu Tal. Ein Überholen ist hier auf den Treppen kaum möglich. Aber ich habe meinen Platz im Teilnehmerfeld ohnehin gefunden und steige Meter um Meter zur Silberkarhütte hinauf.

    Hier bei der Silberkarhütte ist auch die erste Labestelle positioniert. Es ist ein kleiner Tisch mit Getränken aufgebaut und das Gedränge herum ist recht groß. Ich fülle hastig meine Wasserflasche auf und mache für die Nächsten Platz.

    Die Trailrunning-Stöcke habe ich aus dem Köcher der Laufweste genommen. Sie werden mir auf den kommenden steilen 10 Kilometern eine große Hilfe sein. Auf meist engen und steinigen Serpentinen führt uns die Strecke immer weiter in die Höhe. Punktuell sind die Abschnitte derart technisch und felsig, dass ich die Hände zu Hilfe nehmen muss.

    Bei der Labe am Guttenberg-Haus auf 2.146 Meter Seehöhe versorge ich meine Speicher mit Nachschub. Ich nehme ein weiteres Gel zu mir und fülle die beiden Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk auf. Die höchste Stelle der Strecke ist allerdings noch nicht erreicht. Es geht weitere knapp 500 Höhenmeter aufwärts. Wir sind längst über der Baumgrenze. Die Landschaft nimmt bizarre Formen an. Ein Läufer tritt ein paar Serpentinen oberhalb einen kleinen Steinschlag los. Zum Glück kann ich den herabfallenden Schotterstücken aus dem Weg gehen.

    Die Strapazen des Aufstiegs werden hier heroben mit einer großartigen Geröll-Landschaft belohnt. Ich bin vom ungewöhnlichen Anblick der grauen Gesteinsoberfläche hin und weg. "Gut, dass du heute hier an den Start gegangen bist!", bestätige ich mir selbst meine kluge Entscheidung.

    Guttenberg-Haus
    Der Abstieg von der Edelgrießhöhe steht unmittelbar bevor. Vorher mache ich jedoch noch ein paar Fotos dieser - ich wiederhole mich - abstrakten, bizarren, atemberaubend schönen und ungewöhnlichen Landschaft. Die ersten Meter geht es seilversichert abwärts. Nun folgt ein rund 10 Meter hoher Klettersteig. Ich verstaue meine Stöcke im Köcher, um die Hände frei zu haben. Unter mir steigt ein Teilnehmer sehr zaghaft die senkrechten, in den Fels gehauenen Metallbügel hinunter. Dann herrscht plötzlich Stillstand. Der Kollege ist wohl am Limit. Bock habe ich keinen, hier noch lange auf den Metallzargen stehend auszuharren. Ich will auch runter! Endlich geht es weiter. Teils sind die Abstände zwischen den Klammern so groß, dass ich mich langsam am Fels hinuntergleiten lasse. Dann habe ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Wobei fester Boden nicht ganz der Realität entspricht. Der Untergrund ist feinkörniger Schotter, auf dem kaum Halt zu finden ist. Es scheint, als würde man bei jedem Schritt mit einem Kubikmeter Schotter zu Tal rutschen. Die Stöcke wieder zu Hilfe zu nehmen, wäre schlau gewesen.

    Zweimal leere ich auf dem Downhill meine Schuhe aus. Der feine Kies würde mir in den folgenden Stunden wohl die Haut aufscheuern und unnötige Probleme verursachen. Gamaschen hätten das Eindringen der feinen Steine in den Schuh verhindert. Aber man kann nicht an alles denken. Und so ein kleiner Schuh-Boxenstopp ist jetzt kein großes Ding.

    Das feine Geröll weicht einem schmalen, stark verwurzelten Pfad. Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Auf diesem Streckenabschnitt zu stolpern und zu stürzen, würde gar keinen Spaß machen.

    Bei der nächsten Labestelle greife ich zu Obst und Salzgebäck. Gut gestärkt trabe ich rund 200 Höhenmeter hinauf zur Dachstein-Südwand-Hütte. Hier sitzen bei herrlichem Wetter viele Wanderer auf den Holzbänken und sorgen für eine gute Stimmung.

    Finisher-Medaille Torlauf Dachstein
    Es folgt ein recht steiler Abstieg. In Serpentinen geht es auf rutschig erdigem Terrain wieder viele Höhenmeter talwärts. Es folgt ein schön zu belaufender Trail über kupiertes Gelände. Bei der nächsten Labestelle auf der Walcheralm nehme ich bloß ein Stück Banane zu mir und fülle die Flasks mit Wasser auf. Ich jauchze innerlich. Die Landschaft, die Trails, das Wetter, mein Wohlbefinden, all das könnte nicht besser sein.

    Das heutige Laufabenteuer nähert sich dem Ende. Die nächsten paar Kilometer sind auf einem moderat fallenden Schotterweg zu laufen. Auf diesem Abschnitt überhole ich noch einige Mitbewerber. Obwohl ich im Talboden den Stadionsprecher schon hören kann, ist noch eine größere Schleife zu laufen. Aber auch diese Höhenmeter bringe ich noch gut hinter mich, bevor ich Richtung Station laufen darf. Nach 6 Stunden und 41 Minuten bringe ich die 42 Kilometer mit 2.600 Höhenmeter in einer für mich sehr zufriedenstellenden Zeit zu Ende. In meiner Altersklasse belege ich unter 28 Teilnehmern den 5. Rang.

    Im Ziel wird mir die Finisher-Medaille und das wohlverdiente Ziel-Bier gereicht. Nach einer Dusche im Schwimmbad löse ich den Essens-Bon ein und genieße ein sehr leckeres Nudelgericht. Bloß bei der Startnummern-Lotterie habe ich kein Glück. Aber das ist nun wirklich keine große Überraschung.

    Am Heimweg lasse ich die letzten Stunden Revue passieren. Der Torlauf Dachstein hat es mir angetan. Trotz des technischen Abstiegs von der Edelgrießhöhe möchte ich diese außergewöhnliche Landschaft noch einmal zu Gesicht bekommen. So melde ich mich ein paar Tage später tatsächlich für den Torlauf Dachstein 2026 an.

    06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht


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