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Samstag, 5. September 2026

05.09.2026: Torlauf Dachstein - Erlebnisbericht

Back to back: Im letzten Jahr stand ich zum ersten Mal an der Startlinie des Torlaufs Dachstein. Ich hatte ernsthafte Zweifel, ob ich für die punktuell technisch sehr anspruchsvollen Streckenabschnitte bereit bin. Insbesondere der Abstieg von der Edelgrießhöhe über seilversicherte Abhänge und über den Klettersteig sind für jemanden, der ein klein wenig an Höhenangst leidet, mental doch recht fordernd. Aber durch die Teilnahme am Großglockner Ultra Trail habe ich auf technisch exponierten Abschnitten reichlich Erfahrung sammeln können und so fühlte ich mich für den Lauf in der wunderschönen Ramsau am Dachstein letztendlich gut vorbereitet. Heuer reise ich zwar wieder mit gehörigem Respekt in der Laufweste, aber auch mit einer großen Vorfreude in die Ramsau. Denn bereits am Heimweg meiner letztjährigen Teilnahme habe ich den Entschluss gefasst, diese karge, bizarre, aber so wunderschöne Landschaft auf weit über 2.000 Meter Seehöhe noch einmal sehen und belaufen zu wollen.

Fast hätte ich es vergessen! HAPPY BIRTHDAY TORLAUF DACHSTEIN! Heute wird die 10. Ausgabe dieses außergewöhnlichen Events gefeiert. Zum Jubiläum werden zwei neue Strecken angeboten. Zum einen das Skyrace direkt hinauf zum Dachstein-Gletscher und zum anderen eine 72 Kilometer lange Ultra-Strecke. Neu ist auch die umfangreichere Pflichtausrüstung, was hier im alpinen Gelände absolut Sinn macht. Wobei ich am Berg auch ohne Verpflichtung durch den Veranstalter immer zumindest ein Erste-Hilfe-Set, eine Regenjacke, eine Haube und Handschuhe mit dabei habe.

Der Start ist für 8 Uhr geplant. Da mir zwei Stunden Anreise bevorstehen, ist die Nacht kurz. Nach zwei Tassen Kaffee fahre ich voller Vorfreude in die Obersteiermark.

Der Start- und Zielbereich ist im WM-Stadion eingerichtet. Im Jahr 1999 hat hier die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattgefunden. Die Skisprunganlage und das Stadion sind nach wie vor in Betrieb. So finden hier regelmäßig Weltcup-Veranstaltungen der Nordischen Kombination statt. Eine geplante Bewerbung für eine neuerliche Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Jahr 2031 scheitert wie so oft an den notwendigen finanziellen Mittel.

Ein Parkplatz ist rasch gefunden und auch die Abholung der Startunterlagen dauert nur ein paar Minuten. Ich zeige den vor einigen Tagen übermittelten QR-Code vor und erhalte neben ein paar Goodies (u.a. einen Essens-Bon für die Labe danach) die Startnummer 113 sowie einen GPS-Tracker. Mit Hilfe des Trackers ist unsere Position jederzeit abrufbar und dient unserer Sicherheit. 

Einige Schreckminuten habe ich bereits vor dem Start zu verdauen. Denn als ich mit meinen Startunterlagen wieder zum geparkten Auto zurückkehre, lässt sich dieses mit dem Funkschlüssel nicht mehr öffnen. Ich drücke und drücke am Funkschlüssel herum, klopfe auf den Schlüssel, schüttle ihn, drücke und drücke nochmals, fester, sanfter, ganz fest, aber das Auto bleibt fest verschlossen. In mir startet der Panik-Modus. Ich draußen, Pflichtausrüstung und Laufschuhe im Wagen! Und noch 45 Minuten bis zum Start! Ich fühle mich zwar in der Lage, eine technisch anspruchsvolle Laufstrecke zu meistern. Was Autos angeht, bin ich jedoch nicht allzu technisch versiert. Spontan wähle ich die Nummer des ÖAMTC. Ich bin in der Warteschleife. Nach ein paar Minuten lege ich auf und suche im Web nach einer Anleitung, um die Abdeckung des Funkschlüssels zu öffnen. Ich will die Batterie neu einsetzen. Vielleicht funktioniert´s dann ja wieder. Versehentlich öffne ich die falsche Seite und siehe da, ein mechanischer Not-Schlüssel lacht mich an. Was für ein Glück! Ich kann damit die Fahrertüre öffnen und auch wieder abschließen. Soviel sei verraten: Nach dem Lauf funktioniert der Funkschlüssel wieder einwandfrei. Eventuell waren es Funkinterferenzen, die durch den GPS-Tracker ausgelöst wurden.

Mein Puls senkt sich wieder, als ich mit Laufschuhen an den Füßen und mit der Laufweste am Rücken pünktlich an der Startlinie stehe. Der Moderator sorgt für eine gute Stimmung und dann erfolgt auch schon der Countdown. Start! Ich trabe los! Die ersten Kilometer hinaus aus dem WM-Stadion verlaufen auf schmalen Wegen recht flach und sind allesamt gut laufbar. Entsprechend hoch ist das eingeschlagene Tempo. Zu hoch für meinen Schnürsenkel. Er öffnet sich. Der gebundene Doppelknoten hält eigentlich immer. Ich bleibe am Wegrand stehen und binde meinen Schuh wieder zu. Ob es was mit meiner Startnummer 113 zu tun hat? Bei meiner Teilnahme am Großglockner Ultra Trail hatte ich die Startnummer 13. Der Lauf wurde nach etwa 55 Kilometer wegen widrigster Wetterverhältnisse abgebrochen. Und heute mit der Nummer 113? Zuerst die Misere mit dem Funkschlüssel und nun öffnet sich der Doppelknoten. Wäre ich abergläubisch, würde ich mich jetzt flach auf den Boden legen und mich nicht mehr vom Fleck bewegen. Denn alle bösen Dinge sind bekanntlich 3. Also was folgt als nächstes? Genau, die Silberkarklamm! Die ist aber nicht böse, sondern ein wunderschönes Stück Landschaft. Über unzählige Holzstufen geht es die Klamm hoch. Unmittelbar daneben rauscht das Wasser zwischen große Felsen talwärts. Ein Überholen ist hier auf den Treppen kaum möglich und macht auch keinen Sinn. Aber ich habe meinen Platz im Teilnehmerfeld ohnehin gefunden und steige Meter um Meter zur Silberkarhütte hinauf.

Hier bei der Silberkarhütte ist die erste Labestelle positioniert. Auch eine Zwischenzeit wird genommen. Im Vorjahr bin ich nach 59:39 Minuten hier eingetroffen. Heuer brauche ich für diesen ersten Abschnitt nur ein paar Sekunden länger. Also quasi eine Punktlandung. Wobei die Zeit ohnehin nebensächlich ist. Klar möchte ich sportlich ambitioniert ins Ziel laufen. Mein primäres Ziel ist es jedoch, die landschaftliche Schönheit zu genießen und die technischen Abschnitte konzentriert und sicher hinter mich zu bringen. Immerhin ringt mir meine Familie das Versprechen ab, wieder heil nach Hause zu kommen. Und Zeit für Fotostopps muss sowieso sein.

Ab hier nehme ich die Trailrunning-Stöcke aus dem Köcher meiner Laufweste zu Hilfe. Sie werden mir auf den nächsten 10 steilen Kilometern von großem Nutzen sein. Auf meist engen und steinigen Serpentinen führt die Strecke immer weiter in die Höhe. Punktuell sind die Abschnitte derart technisch und felsig, dass ich die Hände zu Hilfe nehmen muss. Der Himmel ist wolkenverhangen und der Wind frischt auf. Etwas unangenehm ist, dass die Spitzenläufer des Skyrace aufgeschlossen haben und nun natürlich auf den engen Kehren möglichst rasch und ungehindert überholen möchten.

Nieselregen setzt ein. So ziehe ich bei der Labe am Guttenberg-Haus auf 2.146 Meter Seehöhe die Regenjacke über. Auch die Haube hole ich schon mal aus dem hinteren Fach der Laufweste hervor, damit ich sie griffbereit habe. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und Iso auf und lasse mir Tomaten mit Salz, Trockenwurst und Käse gut schmecken. Die Verpflegestellen sind hervorragend bestückt und werden von sehr freundlichen Helfern betreut.

Die höchste Stelle der Strecke ist allerdings noch nicht erreicht. Es geht weitere knapp 500 Höhenmeter aufwärts. Wir sind längst über der Baumgrenze. Die Landschaft nimmt bizarre Formen an. Die Strapazen des Aufstiegs werden hier heroben bei der Gruber-Scharte mit dem Anblick einer großartigen Geröll-Landschaft belohnt. Die Nebelschwaden liegen zum Glück ein paar Höhenmeter unter mir und die Sonne scheint. Genau so habe ich den Anblick der grauen Gesteinsoberfläche vom sogenannten Landfriedtal noch vom letzten Jahr im Gedächtnis und ich bin froh, dass ich heute noch einmal hier hochgestiegen bin.

Sturmböen setzen ein, während noch weitere 200 Höhenmeter entlang des Landfriedtals hinauf zur Edelgrießhöhe zu meistern sind. Ich spüre, wie der kalte, stürmische Wind meinen Augen zusetzt. Der Wind verursacht ein rasches Trocknen des Tränenfilms, sodass die Kontaktlinsen kaum noch haften. Ich setze rasch die Sonnenbrille auf. Das schafft Abhilfe und ich verliere - im Gegensatz zu meiner Teilnahme am Istria 100 by UTMB - hier oben glücklicherweise keine meiner Kontaktlinsen. Dafür fegt mir eine Sturmböe die Kappe vom Kopf. Sie fliegt einige Meter hinab und kommt vor einem großen Stein zu liegen. Ich steige die paar Höhenmeter tiefer und halte die Kappe mit meinen Stöcken fest. Gesichert! Die Kappe kommt in die Laufweste und dafür die Haube auf den Kopf.

Mit dem Abstieg von der Edelgrießhöhe steht mir ein technisch sehr fordernder Abschnitt bevor. Vorher mache ich noch ein paar Fotos von dieser abstrakten, bizarren und ungewöhnlichen Landschaft. Die ersten Meter geht es seilversichert über den Abhang. Nun folgt ein rund 10 Meter hoher Klettersteig. Ich verstaue meine Stöcke im Köcher, um die Hände frei zu haben. Teilweise sind die Abstände zwischen den Metallklammern so groß, dass ich mich langsam am Fels hinuntergleiten lassen muss. Im Vorjahr war dieser Abschnitt für mich noch eine große Überwindung. Heute bin ich gelassen und ruhig. Mit dem Alter kommt offenbar auch die Routine. Dann habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Wobei fester Boden nicht ganz der Realität entspricht. Der Untergrund ist feinkörniges Geröll, auf dem kaum Halt zu finden ist. Es scheint, als würde man bei jedem Schritt mit einem Kubikmeter Schutt zu Tal rutschen. Ich nehme mir die Stöcke zu Hilfe und versuche mich abzustützen. Das funktioniert bedingt. 

Das Geröll weicht einem schmalen, stark verwurzelten Pfad. Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Auf diesem Streckenabschnitt zu stolpern oder gar zu stürzen, würde eine erhebliche Verletzungsgefahr darstellen. Schutt hat sich in meinen Schuh verirrt. Ich muss anhalten und die Steine entfernen. Bei dieser Gelegenheit ziehe ich die Regenjacke aus und verstaue sie gemeinsam mit der Haube in der Laufweste. Denn die Wolken machen der Sonne immer öfter Platz und es herrschen mittlerweile sehr angenehme Temperaturen.

Bei der nächsten Labestelle greife ich wieder zu Tomaten, Salz, Wurst und Käse. Unterwegs labe ich mich mit Gels. Die Verpackungen kommen natürlich in einem Müllbeutel mit ins Ziel und in die Tonne. Gut gestärkt hike ich rund 200 Höhenmeter hinauf zur Dachstein-Südwand-Hütte. Hier sitzen bei mittlerweile schönem Bergwetter viele Wanderer auf den Holzbänken und sorgen für eine gute Stimmung.

Es folgt ein recht steiler Abstieg. In Serpentinen geht es auf erdigem Terrain wieder viele Höhenmeter talwärts. Die technisch schwierigen Passagen habe ich hinter mir gelassen. Es folgt nun ein schön zu belaufender Trail über kupiertes Gelände. 

Ich bin bei der Verpflegestelle auf der Walcheralm angekommen. Das heutige Laufabenteuer nähert sich dem Ende. Die nächsten paar Kilometer sind auf einem moderat fallenden Schotterweg zu laufen. Auf diesem Abschnitt kann ich wie im Vorjahr das Tempo hochhalten. Obwohl ich im Talboden den Stadionsprecher schon hören kann, ist noch eine größere Schleife zu laufen. Aber auch diese Höhenmeter bringe ich noch gut hinter mich, bevor ich Richtung Stadion laufen darf und bereits vom Moderator angekündigt werde. Nach 6 Stunden und 50 Minuten bringe ich die 42 Kilometer mit 2.600 Höhenmeter in einer für mich abermals sehr zufriedenstellenden Zeit zu Ende. In meiner Altersklasse belege ich den 5. Rang.

Im Ziel erhalte ich die Finisher-Medaille um den Hals gehängt und das wohlverdiente Ziel-Bier gereicht. Nach einer Dusche im Schwimmbad löse ich den Essens-Bon ein und lasse mir ein sehr leckeres Nudelgericht gut schmecken. Dass ich bei der Startnummern-Lotterie wieder kein Glück habe, überrascht mich nicht. Vielleicht komme ich sogar ein drittes Mal zum Torlauf Dachstein in die Ramsau. Dann würde ich wohl die Ultra-Strecke in Angriff nehmen und endlich auch das "Tor" belaufen.

05.09.2026: Torlauf Dachstein - Erlebnisbericht


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Samstag, 22. August 2026

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht

Das Koralm Trailrunning Event hatte im Jahr 2022 seine Geburtsstunde. In den ersten beiden Jahren konnte ich selbst nicht an der Startlinie stehen. Aber seit dem Jahr 2024 bin ich Dauergast im weststeirischen Deutschlandsberg. Und das aus gutem Grund. Zum einen lässt die Organisation durch den Koralm Trailrunning Club eigentlich keine Wünsche offen. Zum anderen stehen landschaftlich wunderschöne und anspruchsvolle Strecken zur Auswahl.

Drei Teilnahmen, drei verschiedene Strecken: Während ich im Jahr 2024 über die sogenannte "LONG-Distanz" mit Start und Ziel in Deutschlandsberg rund 58 Kilometer und 2.600 Höhenmeter zu laufen hatte, wurde diese längste der angebotenen Strecken im Jahr 2025 auf satte 68 Kilometer und 3.100 Höhenmeter verlängert. Start und Ziel waren ebenfalls in Deutschlandsberg. Diese "LONG-Distanz" steht heuer nicht mehr zur Auswahl. Ich kann es auch verstehen. Denn der Aufwand für die Planung, Beschilderung und Bestückung mit Labestellen ist für eine solch große Distanz enorm. Dem gegenüber standen im Vorjahr lediglich 30 Teilnehmer.

In diesem Jahr ist die längste zur Auswahl stehende Strecke die sogenannte "Marathon-Distanz", die in Wirklichkeit mit seinen 51 Kilometern und 2.800 positiven Höhenmetern ein waschechter Ultralauf ist. Spannend ist, dass der Start im benachbarten Bundesland Kärnten, konkret in Wolfsberg, erfolgt. Über die Koralpe und Weinebene führt die Streckenführung zurück in die Steiermark und ins Ziel nach Deutschlandsberg.

Eines aber bleibt immer gleich. Nämlich das frühe, erbarmungslose und schadenfrohe Klingeln des Weckers. In den Jahren davor erfolgte jeweils um 06:00 Uhr morgens der Startschuss zu den Laufbewerben. Heuer ist um diese Uhrzeit die Abfahrt der Busse geplant, die uns von Deutschlandsberg nach Wolfsberg bringen. Dieses Shuttle-Service konnte im Anmeldeprozess gebucht werden.

Nach zwei Tassen Kaffee sitze ich im Auto und erreiche nach rund 35 Minuten Fahrzeit die Stadtgemeinde Deutschlandsberg. Wenn ein Lauf so früh am Morgen startet, verzichte ich in der Regel auf ein Frühstück. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, einfach ein paar Minuten vor dem Start eines meiner bewährten Gels zu mir zu nehmen. Am Parkplatz der Koralmhalle herrscht schon reges Treiben. Eine Stimmung voller Vorfreude und Aufregung liegt in der Luft. Die Abfahrt der Busse erfolgt pünktlich. Ich habe keinen Sitznachbarn und so kann ich meine Füße ein wenig ausstrecken und es mich gemütlich machen. Eine Stunde später treffen wir in Wolfsberg ein.

Hier beim Schloss Wolfsberg wird vom Veranstalter kurzerhand ein Startbogen aufgeblasen und Tische für die Startnummernausgabe aufgestellt. Ich erhalte die Startnummer 3036 und den dazugehörigen GPS-Tracker. Sicherheit wird hier seitens des Veranstalters groß geschrieben und so sind wir alle in den kommenden Stunden per Satellitennavigation zu lokalisieren. Der Veranstalter begrüßt uns sehr herzlich und brieft uns hinsichtlich Pflichtausrüstung, Wettervorhersage, Schlusszeiten und Streckenmarkierung. Beim Zutritt zum Startbereich erfolgt die stichprobenartige Kontrolle der Pflichtausrüstung. Neben einer Regenjacke und einem Erste-Hilfe-Set inklusive Rettungsdecke ist vor allem ausreichend Flüssigkeit wichtig. Denn die Labestellen sind zwar ausgezeichnet bestückt. Allerdings sind die Distanzen zwischen den Checkpoints doch recht groß. Bedingt durch die vielen positiven Höhenmeter können es dann schon mal zwei Stunden Laufzeit sein, bis die Flüssigkeitsreserven wieder aufgefüllt werden können.

Pünktlich um 08:00 Uhr erfolgt der Start und ich nehme gemeinsam mit 90 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die selektive Strecke in Angriff. Und die ersten Kilometer haben es in sich. Mit wenigen Ausnahmen gut laufbarer Passagen führt die Strecke über das Raucheck und auf Trails parallel zur Koralpenstraße stetig aufwärts. Mal steil, mal moderater, aber aufwärts. Wie sollte es auch anders sein. Immerhin warten auf den ersten 14 Kilometern respekteinflößende 1.800 Höhenmeter auf uns.

Ich finde rasch meinen Platz im Teilnehmerfeld und kann von Beginn weg ungehindert mein eigenes Tempo laufen. Die erste Labestelle ist beim Koralmdorf nach rund 12 Kilometer erreicht. Alles Notwendige - und noch mehr - steht hier bereit. Betrieben werden die Checkpoints von Helferinnen und Helfer, die vor Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und guter Laune nur so strotzen. Ich brauche nicht viel. Immerhin habe ich erst vor zwei, drei Kilometer ein weiteres Gel zu mir genommen. Die Gels und Riegel sind entsprechend den Regularien mit der Startnummer zu beschriften. Damit soll gewährleistet sein, dass niemand seinen Müll auf der Strecke inmitten der Natur entsorgt. So fülle ich nur meine Flasks mit Wasser und Iso auf.

Nun folgen wir hier im Skigebiet der Koralpe knapp zwei Kilometer lang eine Lifttrasse Direttissima zum höchsten Punkt der Strecke, dem Gipfelkreuz des Großen Speikkogels. Während ich mich gradlinig die Steigung hochquäle, starren mich weidende Kühe mit ihren großen Augen beinahe mitleidsvoll an.

Ein leichter Regenschauer lässt mich überlegen, ob ich die Regenjacke aus der Laufweste nehmen soll. Aber der Wetterfrosch ist entgegen der Prognosen gnädig und der Niederschlag ist nicht von langer Dauer. Bald herrscht wieder kühles aber trockenes und beinahe perfektes Laufwetter.

Das Gipfelkreuz ist erreicht! Zwei Drittel der Höhenmeter des heutigen Tages habe ich hinter mich gebracht. Meine defensive Herangehensweise beim Aufstieg trägt Früchte. Ich fühle mich stark und bin für den weiteren Verlauf der Strecke guter Dinge. Auf ein Gipfelfoto verzichte ich allerdings. Zu viele Wanderer umlagern das Kreuz am höchsten Gipfel der Koralpe.

Die nächsten Kilometer verlaufen unmittelbar an der Grenze zwischen den Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der Abstieg von der Hühnerstütze (ungewöhnlicher Name für einen knapp 2.000 Meter hohen Berg) über loses Gestein und tiefen, verwachsenen und ausgetretenen Pfaden ist technisch anspruchsvoll und erfordert meine volle Aufmerksamkeit. Immerhin habe ich meiner Familie versprochen, wieder heil nach Hause zu kommen. 

Es folgt ein moderater Aufstieg zum Moschkogelkreuz, um dann auf fallenden Pfaden und Wegen zur Labestelle auf der Weinebene zu gelangen. Hier greife ich zu gekochten Kartoffeln mit reichlich Salz. Auch Tomaten und ein Stück Käse und Trockenwurst lasse ich mir schmecken. Wieder werden die Flüssigkeitsvorräte aufgefüllt, ich bedanke mich für den tollen Service und begebe mich in den Anstieg zur Handalm.

Der Windpark Handalm mit seinen insgesamt 13 Windrädern ist erreicht. Auch ein wichtiger mentaler Meilenstein kann verbucht werden: Es ist Halbzeit der Strecke! 26 Kilometer liegen hinter mir; 25 vermeintlich gut laufbare Kilometer stehen mir noch bevor. Die meisten Höhenmeter sind geschafft. Nun ist es an der Zeit, Tempo zu machen. Bei all der Euphorie über das Gefälle darf die Achtsamkeit nicht zu kurz kommen. Denn der Pfad ist steinig und verwurzelt. Es gilt konzentriert zu laufen, die Beine zu heben und vor allem die Streckenmarkierung nicht aus den Augen zu verlieren. Da ich noch genügend Körner im Tank habe, macht das Laufen richtig Spaß. Reminder: Streckenmarkierung nicht aus den Augen lassen! Ich zweige falsch ab. Bald bemerke ich jedoch den Fehler und trabe zurück zur Gabelung. In Summe sind es nicht mehr als 200, 300 Meter Umweg. Dennoch sollten sich die Extrameter in Grenzen halten. Mit ansprechenden Kilometerzeiten geht es weiter meist fallend zur Labestelle bis nach Trahütten.

Rund 15 Kilometer trennen mich noch vom Ziel. Auf einer Schotterstraße kann ich weiterhin das Tempo hochhalten und so laufe ich zügig talwärts. Die Strecke führt durch den historischen Kreuzsteinertunnel. Dieser etwa 35 Meter lange Waldbahn-Tunnel samt der früheren Bahntrasse wird nun als beliebter Wanderweg genutzt. 

Dann folge ich einem schmalen Pfad parallel zur Laßnitz, bevor der letzte Anstieg des Tages auf mich wartet. Aber auch hier leisten mir meine Trailrunning-Stöcke gute Dienste und ehe ich mich versehe, bin ich weitere 500 Höhenmeter empor zum Scheidsberg gestiegen. Nach einem kurzen Downhill erreiche ich die letzte Labestelle vor der Ziellinie. Lautstark werde ich willkommen geheißen. Auch hier greife ich zu Kartoffeln und Tomaten mit reichlich Salz. Ein wenig Iso und Wasser fülle ich für die finalen 6 Kilometer in meine Flasks. Ich bedanke mich für den Support und laufe einen steilen Single-Trail die Klause hinunter.

Die Klause, ein romantisches Fels-Tal im Westen von Deutschlandsberg, wird von der Laßnitz durchflossen. Die Klause wurde im Jahr 2006 zum Europaschutzgebiet ernannt und ist durch einen Fußweg erschlossen. Dieser schöne Weg unmittelbar am Gewässer lockt viele Naturliebhaber an. So auch heute. Eine Gruppe betagter Wanderer bremst mich ein. Aber ich habe es nicht eilig und so laufe ich sehr vorsichtig, verhalten und rücksichtsvoll an ihnen vorbei.

Ich habe wieder Asphalt unter den Füßen. Über Stadtwege, mal rechtsufrig, dann wieder linksufrig der Laßnitz, geht es weiterhin im flotten Laufschritt dem Zielgelände entgegen. 

Eine letzte Straßenquerung steht mir bevor. Ich höre den Helfer rufen: "Nach der Brücke rechts!" Unkonzentriert laufe ich jedoch nicht über die Brücke, sondern halte mich gleich rechts. Mir kommt es bald merkwürdig vor, denn ich weiß, dass sich das Zielgelände auf der anderen Gewässerseite befindet und auch die Moderatorenstimme ist schon zu hören. Entgegenkommende Passanten bestätigen, dass ich wohl vorhin die Laßnitz hätte queren müssen. Also zurück! In der Zwischenzeit werde ich von drei Teilnehmern überholt. Nicht schlimm, wenngleich sich Platz 27 von 91 Startern deutlich besser anhört als Rang 30. Aber egal! Ich laufe erneut am Streckenposten vorbei und frage ihn, warum er mich nicht abgehalten hat, den falschen Weg zu nehmen. Darauf der junge Mann trocken und cool: "Ich sagte doch, nach der Brücke rechts!" Ich muss innerlich schmunzeln. Klar hat er das gesagt. Aber mein Geist hat es falsch wahrgenommen. Ich laufe also über die Brücke und dann rechts, um kurz darauf nach 6 Stunden, 42 Minuten und 50 Sekunden die Ziellinie zu überqueren und die wohlverdiente Finisher-Medaille entgegen zu nehmen.

Ich gebe den Transponder ab und löse meinen Getränke-Bon ein. Im Festzelt sitzen bei guter Laune schon reichlich Finisher aller Bewerbe. Mir selbst steht noch eine Dusche mit kaltem Wasser bevor. Aber so ein Eisbad beschleunigt bekanntermaßen die Regeneration. Das ist vermutlich auch der Grund, dass ich tags darauf kaum Muskelkater verspüre und schon wieder am Tennisplatz stehe.

Ein paar Tage später werden vom Veranstalter unzählige entlang der Strecke gemachte Schnappschüsse unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Für dieses Service ein herzliches Danke!

Fazit: Auch in diesem Jahr durfte ich eine landschaftlich sehr schöne, abwechslungsreiche und durchaus anspruchsvolle Strecke belaufen. Das Organisationsteam weiß aus eigener geballter Lauf- und Ultralauferfahrung, was Läufer benötigen und stellen es zur Verfügung. Die Checkpoints sind mehr als ausreichend bestückt und die freundlichen, stets gut gelaunten und motivierenden Helferinnen und Helfer machen das Koralm Trailrunning Event letztendlich zu einer großartigen Veranstaltung. Wenn ich auf hohem Niveau ganz klein wenig jammern dürfte: Bei knapp hundert Startern wäre vielleicht neben der Allgemeinen Klasse zumindest eine Altersklasse Masters/Seniors zum andenken. Und die Finisher-Medaille der letzten Jahre hat mir persönlich besser gefallen als die heurige. Aber nochmal: Das ist jammern auf aller höchstem Niveau. Wir sehen uns hoffentlich im Jahr 2027!

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht


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Samstag, 6. September 2025

06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht

Torlauf Dachstein - Ultraläufer Wolfgang Kölli
"Manchmal muss man sich zum Glück zwingen!", heißt es in einem Sprichwort. Das trifft für meine Teilnahme am Torlauf Dachstein recht gut zu. Die Fotos und Streckenvideos von vergangenen Veranstaltungen haben mein Interesse sofort geweckt. Allerdings ist der Torlauf Dachstein punktuell auch sehr technisch. Insbesondere der Abstieg von der Edelgrießhöhe (inklusive Klettersteig und teilweiser Seilversicherung) hat es für jemanden, der ein klitzekleinwenig an Höhenangst leidet, in sich.

Aber durch meine heurige Teilnahme am Großglockner Ultra Trail habe ich auf technisch exponierten Abschnitten reichlich Erfahrung sammeln können und so fühle ich mich für den Lauf in der wunderschönen Ramsau am Dachstein letztendlich gut vorbereitet.

Der Start ist für 8 Uhr geplant. Da mir zwei Stunden Anreise bevorstehen, ist die Nacht kurz. Nach zwei Tassen Kaffee fahre ich voller Vorfreude in die Obersteiermark.

Ein wenig länger hätte ich schlafen können. Denn bald nach meiner Ankunft erfolgt seitens des Veranstalters die Durchsage, dass der Start um eine Stunde nach hinten verschoben wird. In der Nacht hat es am Berg leicht geschneit und es wird zugewartet, bis die Kraft der Sonnenstrahlen diese paar Flocken zum schmelzen bringt.

Der Start- und Zielbereich ist im WM-Stadion eingerichtet. Im Jahr 1999 hat hier die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattgefunden. Die Skisprunganlage und das Stadion sind nach wie vor in Betrieb. So finden hier regelmäßig Weltcup-Veranstaltungen der Nordischen Kombination statt. Eine geplante Bewerbung für eine neuerliche Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Jahr 2031 scheitert wie so oft an den notwendigen finanziellen Mittel.

Edelgrießhöhe Dachstein
Vor dem Start erhalten wir neben der Startnummer und einem Essens-Bon auch einen GPS-Tracker. So ist unsere Position jederzeit abrufbar und dient der Sicherheit aller Teilnehmer. Und schon geht es los. Die ersten Kilometer hinaus aus dem WM-Stadion verlaufen auf schmalen Wegen recht flach und sind gut laufbar. Entsprechend hoch ist das eingeschlagene Tempo. Nach gut 8 Kilometer ist der Einstieg zur Silberkarklamm erreicht. Über unzählige Holzstufen geht es die Klamm hoch. Unmittelbar daneben rauscht das Wasser zwischen große Felsen zu Tal. Ein Überholen ist hier auf den Treppen kaum möglich. Aber ich habe meinen Platz im Teilnehmerfeld ohnehin gefunden und steige Meter um Meter zur Silberkarhütte hinauf.

Hier bei der Silberkarhütte ist auch die erste Labestelle positioniert. Es ist ein kleiner Tisch mit Getränken aufgebaut und das Gedränge herum ist recht groß. Ich fülle hastig meine Wasserflasche auf und mache für die Nächsten Platz.

Die Trailrunning-Stöcke habe ich aus dem Köcher der Laufweste genommen. Sie werden mir auf den kommenden steilen 10 Kilometern eine große Hilfe sein. Auf meist engen und steinigen Serpentinen führt uns die Strecke immer weiter in die Höhe. Punktuell sind die Abschnitte derart technisch und felsig, dass ich die Hände zu Hilfe nehmen muss.

Bei der Labe am Guttenberg-Haus auf 2.146 Meter Seehöhe versorge ich meine Speicher mit Nachschub. Ich nehme ein weiteres Gel zu mir und fülle die beiden Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk auf. Die höchste Stelle der Strecke ist allerdings noch nicht erreicht. Es geht weitere knapp 500 Höhenmeter aufwärts. Wir sind längst über der Baumgrenze. Die Landschaft nimmt bizarre Formen an. Ein Läufer tritt ein paar Serpentinen oberhalb einen kleinen Steinschlag los. Zum Glück kann ich den herabfallenden Schotterstücken aus dem Weg gehen.

Die Strapazen des Aufstiegs werden hier heroben mit einer großartigen Geröll-Landschaft belohnt. Ich bin vom ungewöhnlichen Anblick der grauen Gesteinsoberfläche hin und weg. "Gut, dass du heute hier an den Start gegangen bist!", bestätige ich mir selbst meine kluge Entscheidung.

Guttenberg-Haus
Der Abstieg von der Edelgrießhöhe steht unmittelbar bevor. Vorher mache ich jedoch noch ein paar Fotos dieser - ich wiederhole mich - abstrakten, bizarren, atemberaubend schönen und ungewöhnlichen Landschaft. Die ersten Meter geht es seilversichert abwärts. Nun folgt ein rund 10 Meter hoher Klettersteig. Ich verstaue meine Stöcke im Köcher, um die Hände frei zu haben. Unter mir steigt ein Teilnehmer sehr zaghaft die senkrechten, in den Fels gehauenen Metallbügel hinunter. Dann herrscht plötzlich Stillstand. Der Kollege ist wohl am Limit. Bock habe ich keinen, hier noch lange auf den Metallzargen stehend auszuharren. Ich will auch runter! Endlich geht es weiter. Teils sind die Abstände zwischen den Klammern so groß, dass ich mich langsam am Fels hinuntergleiten lasse. Dann habe ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Wobei fester Boden nicht ganz der Realität entspricht. Der Untergrund ist feinkörniger Schotter, auf dem kaum Halt zu finden ist. Es scheint, als würde man bei jedem Schritt mit einem Kubikmeter Schotter zu Tal rutschen. Die Stöcke wieder zu Hilfe zu nehmen, wäre schlau gewesen.

Zweimal leere ich auf dem Downhill meine Schuhe aus. Der feine Kies würde mir in den folgenden Stunden wohl die Haut aufscheuern und unnötige Probleme verursachen. Gamaschen hätten das Eindringen der feinen Steine in den Schuh verhindert. Aber man kann nicht an alles denken. Und so ein kleiner Schuh-Boxenstopp ist jetzt kein großes Ding.

Das feine Geröll weicht einem schmalen, stark verwurzelten Pfad. Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Auf diesem Streckenabschnitt zu stolpern und zu stürzen, würde gar keinen Spaß machen.

Bei der nächsten Labestelle greife ich zu Obst und Salzgebäck. Gut gestärkt trabe ich rund 200 Höhenmeter hinauf zur Dachstein-Südwand-Hütte. Hier sitzen bei herrlichem Wetter viele Wanderer auf den Holzbänken und sorgen für eine gute Stimmung.

Finisher-Medaille Torlauf Dachstein
Es folgt ein recht steiler Abstieg. In Serpentinen geht es auf rutschig erdigem Terrain wieder viele Höhenmeter talwärts. Es folgt ein schön zu belaufender Trail über kupiertes Gelände. Bei der nächsten Labestelle auf der Walcheralm nehme ich bloß ein Stück Banane zu mir und fülle die Flasks mit Wasser auf. Ich jauchze innerlich. Die Landschaft, die Trails, das Wetter, mein Wohlbefinden, all das könnte nicht besser sein.

Das heutige Laufabenteuer nähert sich dem Ende. Die nächsten paar Kilometer sind auf einem moderat fallenden Schotterweg zu laufen. Auf diesem Abschnitt überhole ich noch einige Mitbewerber. Obwohl ich im Talboden den Stadionsprecher schon hören kann, ist noch eine größere Schleife zu laufen. Aber auch diese Höhenmeter bringe ich noch gut hinter mich, bevor ich Richtung Station laufen darf. Nach 6 Stunden und 41 Minuten bringe ich die 42 Kilometer mit 2.600 Höhenmeter in einer für mich sehr zufriedenstellenden Zeit zu Ende. In meiner Altersklasse belege ich unter 28 Teilnehmern den 5. Rang.

Im Ziel wird mir die Finisher-Medaille und das wohlverdiente Ziel-Bier gereicht. Nach einer Dusche im Schwimmbad löse ich den Essens-Bon ein und genieße ein sehr leckeres Nudelgericht. Bloß bei der Startnummern-Lotterie habe ich kein Glück. Aber das ist nun wirklich keine große Überraschung.

Am Heimweg lasse ich die letzten Stunden Revue passieren. Der Torlauf Dachstein hat es mir angetan. Trotz des technischen Abstiegs von der Edelgrießhöhe möchte ich diese außergewöhnliche Landschaft noch einmal zu Gesicht bekommen. So melde ich mich ein paar Tage später tatsächlich für den Torlauf Dachstein 2026 an.

06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht


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Samstag, 28. Juni 2025

28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht

Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht Wolfgang Kölli
In wenigen Minuten erfolgt der Start des 37. Veitscher Grenzstaffellaufes. Seit jeher wird die Strecke mit 54 Kilometer Länge und 2040 Höhenmeter beworben. Einige erforderliche Streckenanpassungen in den letzten beiden Jahrzehnten haben jedoch dazu geführt, dass die aktuelle Strecke mit rund 50 Kilometer etwas kürzer ist, dafür aber rund 2200 Höhenmeter aufweist. 

Meine Laufweste ist mit allem Notwendigen bestückt. Ein Erste-Hilfe-Set habe ich so wie eine Regenjacke in den Bergen immer mit dabei. Zwei Flasks mit Wasser, einige Gels meines Vertrauens und die Stöcke im Salomon Custom Quiver runden meine Ausstattung ab.

Ich bin voller Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden auf den Trails entlang der Gemeindegrenze der Ortschaft Veitsch. Der Start befindet sich hier vor dem JUFA-Hotel auf rund 670 Meter Seehöhe und der höchste Punkt der Strecke im Bereich des Graf-Meran-Hauses liegt auf etwa 1860 Meter Seehöhe.

Meine körperliche Verfassung könnte etwas besser sein, denn es stecken doch schon wieder einige Wochen-Trainingskilometer in den Beinen. Nüchtern betrachtet ist der heutige lange Lauf ein weiterer Meilenstein in der Vorbereitung für meine Teilnahme am Großglockner Ultra-Trail. Es ist also nicht der Tag, an dem Bestzeiten erzielt werden sollen.

Ich stehe nach 2023 zum zweiten Mal hier in St. Barbara im Mürztal an der Startlinie. Vor zwei Jahren musste die Streckenführung auf Grund des starken Sturms und der tiefen Temperaturen am Gipfel der Hohen Veitsch angepasst werden. Was soviel heißt wie dass die sogenannte Schlechtwetterroute gelaufen wurde. Ich fand es damals sehr schade, nicht auf der Originalstrecke laufen zu können. Denn zu allem Überfluss hieß es, dass die Veranstaltung zum letzten Mal stattfände. Zum Glück hat sich der Veranstalter entschieden, dieses tolle Event fortzuführen.

Grenzstaffellauf Veitsch - Teufelssteig - Laufbericht Wolfgang KölliAuch heute sorgt eine Durchsage vor dem Start kurzzeitig für Ungewissheit. Denn man müsse mit der Bergrettung abklären, ob heute die Originalstrecke gelaufen werden könne. Am Berg käme starker Wind auf. Aber bald gibt es Entwarnung. Heute wird die Originalstrecke belaufen. 

Ich bin glücklich darüber, heute den Teufelssteig hoch zum Graf-Meran-Haus laufen bzw. hiken zu dürfen. Das Wetter ist bei leicht bewölktem Himmel für diese Laufveranstaltung beinahe optimal. Auch die Stimmung unter den Teilnehmern und Zuschauern ist sehr gut. Alle Zutaten für einen erlebnisreichen und schönen Lauf sind somit im Kochtopf!

Mein Focus ist auf eine gute Einteilung der verbliebenen Kräfte gerichtet und zudem ermahne ich mich, konzentriert zu laufen. Schließlich liegt man beim Trail-Lauf wegen einer Unachtsamkeit schneller auf allen Vieren, als einem lieb ist.

Vom Start weg geht es leicht fallend hinaus aus dem Ortskern in Richtung Süden. Nach einem guten Kilometer wartet auch schon der erste Anstieg. Das erste Drittel der Strecke verläuft mal mehr, mal weniger steigend überwiegend auf Forststraßen. Die Streckenmarkierung ist lückenlos. Auch die Verpflegestellen sind gut positioniert und mehr als ausreichend bestückt. Auch an vielen freundlichen Helfern mangelt es nicht. Insbesondere an den beiden Wechselzonen für die Staffelläufer herrscht ausgelassene Stimmung und man wird mit tosendem Applaus willkommen geheißen.

Das erwartete Highlight ist auf jeden Fall der Aufsteig über den sogenannten Teufelssteig. Auf einer Länge von rund 2 Kilometer sind hier 350 Höhenmeter zu überwinden. Ich nehme die Herausforderung recht defensiv in Angriff und erklimme ohne nennenswerte Schwierigkeiten die steilen Serpentinen. Nach einer kurzen Labe beim Graf-Meran-Haus geht es noch einige Höhenmeter aufwärts und es wartet ein etwas technischer, aber wunderbarer Streckenabschnitt entlang des Kammes. Aufkommende Windböen trüben die Lauffreude kaum.

Grenzstaffellauf Veitsch - Finisher Wolfgang KölliÜber einen technisch mäßig fordernden Abstieg geht es von nun an stetig Richtung Tal. Schmale, zum Teil durch hohe Gräser und bodennahes Strauchwerk zugewachsene Pfade erfordern ein hochkonzentriertes Laufen. Denn die Pfade sind mit Steinen, Wurzeln und einigen Unebenheiten gesäumt. Diese Stolperfallen sieht man jedoch kaum oder nur im aller letzten Moment. 

Ich habe wider Erwarten noch einige letzte Kraftreserven im Tank und so kann ich auch  die letzten Kilometer im Downhill genießen und in einem guten Tempo Richtung Ziel laufen. Mit einer Endzeit von 6 Stunden und 18 Minuten klassiere ich mich auf Platz 8 meiner Altersklasse und in der Gesamtwertung nehme ich von insgesamt 85 Teilnehmern den 41. Rang ein.

Die - wie ich finde - sehr gut gelungene Finisher-Medaille wird mir um den Hals gehängt und ich genieße mit dem sogenannten Ziel-Bier noch einige Zeit das tolle Ambiente rund um den Veitscher Grenzstaffellauf.

Ein Lob dem Veranstalter: Der Teilnehmer findet hier beim Veitscher Grenzstaffellauf eine sehr gut organisierte Veranstaltung samt lückenloser Streckenmarkierung, reichlich Labestellen, einem abwechslungsreichen Laufuntergrund, ein Ziel-Fest mit Speis' und Trank, freundliche Helfer, Duschmöglichkeiten beim Jufa und noch einiges mehr vor!


28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht


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Samstag, 24. August 2024

24.08.2024: Koralm Trailrunning Event - Laufbericht

Seine Premiere feierte das Koralm Trailrunning Event im Jahr 2022. Schon damals machte die Streckenbeschreibungen der drei zur Auswahl stehenden Distanzen in der Weststeiermark Lust auf eine Teilnahme. Ich stand sogar auf der Startliste. Aber nach meinem Finish beim Western States 100 war der Körper doch einige Wochen erschöpft, sodass ich letztendlich kurzfristig auf den Start in Deutschlandsberg verzichtete.

Aber heuer ist es soweit. Ich bin für die sogenannte "LONG"-Distanz gemeldet. Auf uns warten 58 Kilometer feinster Trailrun-Spaß, garniert mit 2.660 Höhenmeter. Organisiert wird das Lauf-Fest vom Koralm Trailrunning Club aus Deutschlandsberg. Und der Veranstalter lässt sich nicht lumpen und präsentiert alles, was das Herz eines Trailrunners höherschlagen lässt.

Es ist noch dunkel, als ich in Deutschlandsberg eintreffe. Parkplätze stehen in den angrenzenden Straßen genügend zur Verfügung. Die Abholung der Startnummer ist rasch erfolgt. An der Laufweste wird zudem ein Tracker montiert. Die Sicherheit der Teilnehmer wird hier groß geschrieben.

Die Stimmung ist trotz der frühen Zeit ausgelassen und fröhlich. Beim Zutritt zum Startbereich erfolgt die Kontrolle der Pflichtausrüstung. Neben einer Regenjacke und einem Erste-Hilfe-Set inklusive Rettungsdecke ist vor allem ausreichend Flüssigkeit wichtig. Denn die Labestellen sind zwar ausgezeichnet bestückt. Allerdings sind die Distanzen zwischen den Checkpoints doch recht groß. Bedingt durch die vielen positiven Höhenmeter können es dann schon mal weit über zwei Stunden Laufzeit sein, bis die Flüssigkeitsreserven wieder aufgefüllt werden können.

Um 6 Uhr erfolgt der Start und gemeinsam mit 33 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern nehme ich die selektive Strecke in Angriff. Ich bin voller Vorfreude, während ich nach dem Start im Rathauspark über die Stadtallee hin zum Klauseneingang laufe. Von hier folgen wir dem ÖAV-Weg Nummer 13 Richtung Trahütten. So werden zu Beginn gleich ordentlich Höhenmeter gemacht. Ich fühle mich prächtig und achte vor lauter Übermut zu wenig auf die Streckenmarkierung. Zum Glück sieht das ein hinter mir Laufender und ruft mir nach. Danke dafür! Deutlich konzentrierter laufe ich weiter.

Die erste Labestelle ist erreicht. Alles Notwendige - und noch mehr - liegt bereit. Betrieben werden die Checkpoints von Helferinnen und Helfer, die vor Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und guter Laune nur so strotzen. Auch Fotos werden an vielen Stellen gemacht, die im Anschluss kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Ein wirklich sehr professioneller Film wird ebenfalls produziert. Chapeau!

Es geht stetig aufwärts. Nach vielen, vielen Höhenmetern sehe ich den Windpark auf der Handalm vor mir. Das ohnehin schon großartige Panorama wird von grasenden Pferden auf den saftig grünen Weiden ergänzt. Ich greife nach meinem Smartphone und möchte diese Szene auf Bild festhalten. "Aus Sicherheitsgründen für weitere 48 Minuten gesperrt", lese ich am Display. Zu viele Male hätte ich den PIN falsch eingegeben. Nur Notrufe seien möglich. Wie ist das passiert? Ich teste heute eine neue Schutzhülle für mein Handy. Damit soll es vor Staub und Feuchtigkeit besser geschützt sein. Offensichtlich löste die eng anliegende Schutzhülle wohl die eine oder andere PIN-Eingabe aus. Leider kann ich kein Foto machen. Selbst ein Restart behebt die zeitliche Sperre nicht. Diese Hülle ist für den weiteren Einsatz disqualifiziert.

Leider macht sich mein rechtes Knie bemerkbar. Ein schon vor mehreren Jahren diagnostizierter Knorpelschaden hat die letzten Jahre überraschend wenige Probleme verursacht. Seit ein paar Wochen treten die Beschwerden jedoch häufiger auf. Auch heute spüre ich die Folgen des Knorpelschadens; nämlich eine leichte Flüssigkeitsansammlung in der Kniekehle und die beeinträchtigte Fähigkeit, schmerzfrei zu laufen 😬. Während ich einige Minuten in den Gehschritt verfalle, machen sich Gedanken breit, wie lange für mich mein geliebtes (Ultra)Trailrunning noch möglich sein wird. Diese Leidenschaft hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Wehmut überkommt mir. Aber jetzt ist keine Zeit, Trübsal zu blasen. Immerhin liegen noch fast 40 anspruchsvolle Kilometer vor mir.

Bergab steige ich dem nächsten Checkpoint auf der Weinebene entgegen. Ich fülle meine Flasks mit Wasser auf und labe mich mit Kartoffeln und Tomaten, zusammen mit etwas Salz. Was für eine köstliche Zwischenmahlzeit und willkommene Abwechslung zu den Gels, die ich ansonsten auf der Strecke zu mir nehme.

Der Aufstieg zum höchsten Punkt der Strecke steht mir bevor. Respektvoll steige ich temporeduziert Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Eine atemberaubende Aussicht belohnt am Gipfel des Großen Speikkogels auf 2.139 Meter Seehöhe für die Strapazen des Aufstiegs. Hier nach rund 32 Kilometer sind 2.500 der insgesamt 2.700 Höhenmeter auf der Haben-Seite! Ich habe bei der Tempowahl alles richtig gemacht und fühle mich weiterhin gut. Auf schmalen Single-Trails, vorbei am Steinernen Mandel, verläuft die Strecke weiter Richtung Grünangerhütte.

Ich beschreibe nicht jeden Schritt der Strecke. Aber soviel sei gesagt. Lässt mein Körper weiterhin die Teilnahme an Läufen jenseits der Marathondistanz zu, werde ich hier in der Weststeiermark bestimmt wieder an der Startlinie stehen. Die Strecke ich großartig und die Organisation lässt keine Wünsche offen. Zudem stünden Unterdistanzen, genannt "MIDDLE" oder "SHORT", zur Auswahl.

Eine nennenswerte Steigung erwartet mich noch. Aber auch den finalen Aufstieg zur Wolfgangi Kirche bringe ich gut hinter mich. An einem der schönsten Aussichtspunkte der Region kann ich hinunter nach Deutschlandsberg blicken. Das Ziel ist zum Greifen nahe. Bevor ich hinunter ins Tal laufe, mache ich mich hier am letzten Checkpoint noch ein wenig frisch und bedanke mich bei den wertschätzenden und freundlichen Helferinnen und Helfer, die auch hier seit Stunden ausharren, um uns einen schönen Tag zu bereiten.

Kurze Zeit später überquere ich die Ziellinie. Die After-Run-Party hier am Hauptplatz Deutschlandsberg ist schon voll im Gang. Mega Stimmung inkludiert! Mit offiziellen 9 Stunden, 8 Minuten und 24 Sekunden klassiere ich mich auf Rang 13 der 34 gestarteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Mir wird eine schöne Finisher-Medaille um den Hals gehängt. Ich gönne meinen Füßen einige Minuten im kühlen Wasser des Springbrunnens. Nach einer erfrischenden Dusche gönne ich mir noch ein Hopfengetränk bzw. einen Teller voll leckerem Spätzle, ebenfalls im Startgeld inkludiert.

Wie sagte schon Paulchen Panther: "Heute ist nicht alle Tage; ich komme wieder, keine Frage!"

24.08.2024: Koralm Trailrunning Event - Laufbericht


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Samstag, 24. Juni 2023

24.06.2023: 35. Veitscher Grenzstaffellauf - Laufbericht

Den Veitscher Grenzstaffellauf habe ich schon längere Zeit am Radar. Bislang passte es terminlich allerdings nicht, in St. Barbara im Mürztal an den Start zu gehen. Nun drängt es aber, denn der Veranstalter verkündet wenige Tage vor dem Start, dass der Veitscher Grenzstaffellauf im heurigen Jahr nicht nur zum 35. Mal, sondern auch zum letzten Mal ausgetragen wird.

Laut Veranstalter hat der Grenzstaffellauf eine Länge von 54 Kilometer inklusive 2.300 positive Höhenmeter. Nach dem Studium der Ergebnislisten der Vorjahre bin ich zum Schluss gekommen, dass die Strecke irrsinnig schnell sein muss (was ob der Höhenmeter nicht schlüssig scheint), oder die Angabe der Distanz stimmt nicht so ganz. Nach dem Lauf habe ich Gewissheit, dass die Strecke deutlich kürzer ist als angegeben.

Die Anreise aus dem Süden von Graz ist in einer guten Stunde erledigt. Auch die Abholung der Startunterlagen geht rasch vonstatten. Ich bringe eines meiner handsignierten Bücher für die Warenpreisverlosung mit.

Leider muss die Streckenführung geringfügig abgeändert werden. Der Gipfel der Hohen Veitsch kann heute nicht belaufen werden. Windspitzen bis zu 100 km/h und tiefe Temperaturen veranlassen den Veranstalter, eine Schlechtwettervariante zu laufen. Die Strecke sei nun in etwa 2 Kilometer kürzer, weise jedoch immer noch äußerst selektive 1.900 Höhenmeter auf. Soweit die letzten Infos des Veranstalters.

Ich möchte mir heute einen Genusslauf gönnen und laufe die Strecke im Wohlfühltempo. Es gelingt mir eine hervorragende Einteilung meiner Kraftreserven. So kann ich auch noch die letzten Kilometer genießen und klassiere mich mit einer Laufzeit von 5 Stunden und 37 Minuten auf Platz 5 meiner Altersklasse. Stöcke und Sonnenbrille habe ich zwar in der Laufweste mit dabei. Beides wird aber nicht benötigt. Letztendlich hat der Veitscher Grenzstaffellauf eine Distanz von rund 46 Kilometer.

Ein Lob dem Veranstalter: Der Teilnehmer findet hier beim Veitscher Grenzstaffellauf eine sehr gut organisierte Veranstaltung samt lückenloser Streckenmarkierung, reichlich Verpflegestellen, einem abwechslungsreichen Laufuntergrund, ein Zielfest mit Speis' und Trank, freundliche Helfer:innen, Duschmöglichkeiten beim Jufa und noch einiges mehr. Ich hoffe, dass dieser Lauf doch nicht das letzte Mal stattgefunden hat.

24.06.2023: Veitscher Grenzstaffellauf - Laufbericht


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Sonntag, 26. März 2023

26.03.2023: 7. Lindkogeltrail - Laufbericht

Der Wecker klingelt mich um 04:15 Uhr aus dem Bett. Als ob diese frühe Uhrzeit nicht so schon schlimm genug wäre, hat auch noch die Umstellung auf die Sommerzeit eine zusätzliche Stunde Schlaf geraubt. Schlaftrunken wanke ich zur Kaffeemaschine und erledige nach zwei Tassen Kaffee die letzten Handgriffe, bevor ich mich auf den Weg nach Bad Vöslau mache, wo um 07:30 Uhr der Startschuss zum Lindkogeltrail fällt. Ich bin für den sogenannten Ultra Trail genannt. 54,5 Kilometer mit rund 2.400 Höhenmeter stehen mir bevor.

Neben dem Ultra Trail stehen drei weitere Unterdistanzen mit Längen von 10 bis 34 Kilometer zur Auswahl. Der heuer zum 7. Mal stattfindende Lindkogeltrail wird von der Fairsport Events e.U. organisiert. Das Nenngeld beträgt je nach Anmeldezeitpunkt zwischen 50 und 65 Euro, bzw. 70 Euro bei Nachnennung vor Ort. Die Zeitnehmung erfolgt mittels Transponder auf der Rückseite der Startnummer durch Race-Result. Die Firma Event-Gucker zeichnet sich für das Fotoservice verantwortlich. Apropos Fotos: Das Service von Event-Gucker ist grundsätzlich kostenpflichtig. Es wird kurz vor dem Start jedoch angekündigt, dass jeder Teilnehmer ein Foto vom Zieleinlauf kostenlos erhalten wird. 

Allerdings wird dieses Versprechen nicht eingelöst. Denn von mir wird es kein Gratis-Foto geben. Da habe ich beim Zieleinlauf wohl die Mindesterfordernisse für ein gelungenes Finisher-Foto nicht erfüllt. Schade! Und die Flatrate für die übrigen Fotos ist mir definitiv zu teuer.

Ich parke in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort. Hier am Vorplatz des Thermalbades Vöslau sind bereits alle Vorkehrungen getroffen, um ein gelungenes Trailrunning-Fest zu feiern. So sind der Start- und Zielbogen samt Matten für die Zeitnehmung aufgebaut. Die Kleiderabgabe und Startnummernausgabe sind eingerichtet. Tische und Bänke für das gemütliche Beisammensitzen nach dem Zieleinlauf sind aufgestellt. Dass es bei meiner Ziel-Ankunft kein Bier mehr geben wird, ist eine andere Geschichte.

Vor der Startnummernausgabe hat sich eine kleine Warteschlange gebildet, aber nur wenige Minuten später wird mir die Startnummer 26 ausgehändigt.

Es hat aktuell 8 Grad. Prognostiziert sind Höchstwerte von rund 15 Grad bei vorerst sonnigem Wetter. Ab den Mittagsstunden soll laut Wetterfrosch der Wind auffrischen und die Bewölkung zunehmen. Ich entscheide mich für ein longsleeve. Ich mag es, wenn mir an den Armen warm ist. Dazu trage ich meine Lieblings-Shorts von Salomon und meine favorisierten Trailrunning-Schuhe Inov8 Trailtalon 290. Eine Cap und die Sonnenbrille fehlen ebenfalls nicht.

In meiner Salomon-Laufweste führe ich 2 Softflasks mit Wasser, 6 Gels meines Vertrauens von GU-Energy, einen Trinkbecher und die Regenjacke mit. Ersatz-Kontaktlinsen, ein Müllsack sowie ein Notgroschen gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Diesmal habe ich auch die Trailrunning-Stöcke mit am Start. Aber derweilen müssen sie noch im Köcher, praktischerweise an der Laufweste montiert, auf ihren Einsatz warten.

Der Moderator ruft zum "race-briefing". Es wird nochmals auf die Pflichtausrüstung bzw. auf die Streckenmarkierung hingewiesen. Ich nehme Startaufstellung. Einige Fotos werden gemacht und schon verabschiedet uns der Veranstalter auf die Strecke. 

Es geht vom Start weg aufwärts. Durch den Kurpark mit seinem alten Baumbestand werden zu Beginn der Strecke gleich einige Höhenmeter gesammelt. Ich bin unachtsam, stolpere über einen Stein und verletze beim Sturz nach vorne zwei Finger der linken Hand. Autsch, das tut richtig weh! Die Wunde ist nicht groß, trotzdem blutet sie recht stark. Ich wickle einen Schlauchschal um die beiden in Mitleidenschaft gezogenen Finger und trabe etwas konsterniert weiter. Denn obwohl ich bereits weit über 25.000 Kilometer auf zum Teil sehr unwegsamen Trails zurückgelegt habe, kann ich Stürze an einer Hand abzählen. Die Wunde schmerzt und es pocht in den Fingern. Dass die Hände kalt sind, macht die Sache nicht angenehmer. Zu blöd, dass ich die Handschuhe im Auto gelassen habe, obwohl in der Laufweste genügend Stauraum vorhanden ist. Einfach nur dumm!

Ich lenke meine Gedanken auf das Wesentliche. Und das ist im Augenblick das Laufen des Lindkogeltrails. Es gilt, sich zu konzentrieren und die Füße mit Bedacht zu setzen und vor allem entsprechend anzuheben, damit sich ein Sturz nicht wiederholt.

Auf noch mit Herbstlauf bedeckten, wunderbar zu laufenden Waldpfaden geht es zum Jubiläumskreuz Bad Vöslau hoch. Hier halte ich für einen ersten Foto-Stopp, bevor ich den Aufstieg bis hinauf zum Sooßer Lindkogel fortsetze. Die erste von vier markanten Erhebungen ist nach rund 7 Kilometer bezwungen. Der Schlauchschal ist mittlerweile voller Blutflecken. Gut, dass das gute Teil aus rotem Stoff gefertigt ist. So sieht die Sache nicht ganz so dramatisch aus. 

Auf den folgenden Kilometern wechseln sich zum Teil recht technisch anspruchsvolle Singletrails mit Waldautobahnen ab. Die Strecke fällt moderat bis vereinzelt steil und lässt sich großartig laufen. Achtsamkeit ist jedoch gefragt. Denn unter der Blätterauflage lauern mit Wurzeln, großen Steinen und tiefen Erdlöchern unzählige potenzielle Stolperfallen.

Ich habe meine Position im Läuferfeld gefunden und kann ungestört mein eigenes Tempo laufen. Nach rund 10 Kilometer führt die Strecke raus aus dem Wald und ich laufe entlang der Steinbruchgasse zügig talwärts.

Auch der folgende rund 4 Kilometer lange Aufstieg zur Sina-Warte bzw. zum Schutzhaus Eisernes Tor ist für mich gut zu bewältigen. Ich nehme hier meine Trailrunning-Stöcke zu Hilfe. Oben angekommen, mache ich ein paar Fotos, bevor es auf Schotterwegen moderat abschüssig ins Tal geht. Selten, dass mal ein paar hundert Meter auf Asphalt zu laufen sind. Ich finde die Streckenführung hier rund um Bad Vöslau sehr gelungen!

Im Ort Maria Raisenmarkt ist der Talboden erreicht. Hier an der Labestation nehme ich ein Gel zu mir. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk. Auch Schnitten, Salzgebäck und Obst werden von freundlichen Helfern kredenzt.

Es folgt nun eine Schleife auf den Peilstein. Zuerst geht es entlang des Groisbaches Richtung dem beschaulichen Ort Holzschlag. Hier auf schmalen Feldwegen missachtet tatsächlich ein Traktor mit Anhänger die Rechtsregel und bremst mich regelrecht aus.

Ich könnte eine mit nicht einmal 10 km/h fahrende Zugmaschine natürlich überholen, aber das würde nur viel Kraft kosten. So gehe ich rund 50 Meter hinter dem Traktor her. Dann zweigt die Laufstrecke auf einen schmalen Pfad ab und ich kann wieder ungestört mein Tempo laufen.

Ich muss kurz schmunzeln, denn ich denke an eine Situation zurück, die ich vor ein paar Jahren erlebt habe. Auf dem Weg zum Murberg hinauf habe ich einen Radfahrer überholt. Ganz grimmig hat er mich angesehen, als ich an ihm vorbeigelaufen bin. Auf dem darauffolgenden Bergab-Stück hat mich der Radfahrer dann überholt und das mit dem Zuruf "Jetzt schaust bled! Gell?" kommentiert.

Zurück zum Lindkogeltrail: Die Strecke wird ein wenig technischer. Ein Singletrail voller Steine und Wurzeln erfordert Konzentration. Aus dem Augenwinkel erkenne ich ein paar Adrenalin-Junkies, die über einen Klettersteig den Peilstein erklimmen.

Für den Klettersteig fehlt mir die Schwindelfreiheit. Ich steige über verwurzelte Pfade und zu guter Letzt über hohe, kräfteraubende Stufen dem Gipfelkreuz entgegen. Die Strapazen des Aufstieges werden mit toller Fernsicht entlohnt. Ich mache hier oben ein Selfie, bevor es über mäßig fallende Waldwege wieder zum Ort Maria Raisenmarkt hinunter geht. Der Schlussabstieg ist steil und führt in engen Serpentinen talwärts. Ich zweige etwas zu früh ab, bemerke aber schnell, dass die Streckenmarkierung einen geringfügig anderen Verlauf verlangt. Ich steige die paar Höhenmeter wieder hoch und folge exakt der Markierung. Ich fände es unsportlich, eine - wenn auch nur minimale - Abkürzung der offiziellen Laufstrecke vorzunehmen.

Wieder in Maria Raisenmarkt angekommen, labe ich mich für den letzten nennenswerten Aufstieg. Ein kurzes Update zur verletzten Hand: Der linke Ringfinger ist mittlerweile recht stark geschwollen. Es ist zu spät, um den Ring vom Finger zu nehmen. Ich kann nur hoffen, dass sich die Schwellung einbremst, bevor das Tragen des Ringes richtig unangenehm wird. Den Schlauchschal habe ich verstaut und mit Wasser die Wunden ein wenig gereinigt. Den Job als Fingernagel-Modell kann ich in den nächsten Wochen jedenfalls vergessen. Aber so ein kleiner Kollateralschaden wird mich nicht davon abhalten, mir die Finisher-Medaille zu holen.

Nach einer weiteren tollen Trail-Passage folgt ein längerer Abschnitt auf einer asphaltierten Gemeindestraße. Kontinuierlich führt der Weg hoch. Ich verfalle immer wieder in den Gehschritt. Mit dem Setzen von Mini-Zwischenzielen wie "bis zum nächsten Straßenpflock", "bis zum nächsten Baum" oder "bis zum nächsten Schlagloch" zu traben, überliste ich meinen Geist. Die Stöcke sind zwar weiterhin eine gute Unterstützung, aber nun spüre ich die Strapazen dieser umfangreichen Trainingswoche deutlich. Selbst bergab fällt mir das Laufen zunehmend schwer und erfordert große Überwindung.

Die befestigte Straße weicht auf Höhe des Steinbruchs Rohrbach einem Schotterweg. Moderat aber stetig geht es noch einmal aufwärts. Punktuell wird der Weg richtig steil, aber dann habe ich endlich Kilometermarke 40 erreicht. Von nun an geht es zu einem großen Teil fallend zurück zum Ziel nach Bad Vöslau.

Im ausgeruhten Zustand würde ich dieses leichte Gefälle lieben und es ließen sich schnelle Kilometerzeiten laufen. Aber ich bin platt. Und es sich noch weit über 10 Kilometer bis zur Ziel-Linie. Ich bin frustriert. "Wie soll ich im April in der Toskana doppelt so weit laufen?", frage ich mich. Diese Höhen und Tiefen auf ultralangen Strecken sind eben Part of the Game. Es braucht dann eine Strategie, wie man mit diesen Tiefs umgeht, damit man nicht das Handtuch wirft und aufgibt. Ich bin auf meine "Null-Prozent-Did-not-Finish-Quote" sehr stolz. Nicht immer war es klug, einmal sogar richtig dumm, trotz großer gesundheitlicher Probleme am Trail zu bleiben. Aber ich habe die Befürchtung, dass die Hemmschwelle, einen Lauf vorzeitig zu beenden, sinkt, wenn man es einmal getan hat. Aber diese Entscheidungen muss jeder für sich treffen. 

Ich muss mir auch vor Augen halten, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, ob man sich für einen Bewerb gezielt vorbereitet und vor dem Rennen sich entsprechend schont, oder ob ein Wettkampf am Ende einer bereits sehr anstrengenden Trainingswoche gelaufen wird. Im Grunde muss ich sehr zufrieden sein, wie es heute läuft. Und es wird letztendlich eine ausgezeichnete Trainingseinheit auf dem Weg zur Tuscany Crossing sein.

Talwärts benötige ich meine Stöcke nicht mehr und verstaue sie daher im Köcher meiner Laufweste. Mit einem weiteren Gel versuche ich meinem Körper die notwendige Energie für die letzten Kilometer zu verabreichen. Die kurzen Gegenanstiege sind sehr willkommen, denn in diesen Passagen kann ich ohne schlechtes Gewissen in den Gehschritt wechseln.

Einige Zeit später trabe ich auf einem flachen Schotterweg auf die letzte Verpflegestelle zu. Rund 5 Kilometer liegen noch vor mir, als ich mich mit Cola und Schnitten ausgiebig labe. Damit wir Läufer eine recht stark befahrende Bundesstraße gefahrlos queren können, regelt ein Polizist den Verkehr. Ich biete dem Beamten mit erschöpfter Miene an, gerne den Fahrzeugen den Vortritt zu lassen. Mein Wunsch wird nicht erfüllt und ehe ich mich versehe, ist das herannahende Auto angehalten und ich muss mich in Bewegung setzen.

Inmitten von Weinhängen geht es die Merkensteiner Straße hoch. 50 Kilometer liegen hinter mir. Mittlerweile zwickt es in den Waden und Oberschenkel doch recht heftig. Beifall spendende Spaziergänger motivieren jedoch, im Laufschritt zu bleiben.

Die letzten 3 Kilometer führen auf schmalen Pfaden durch den Kurpark Bad Vöslau, vorbei am idyllisch gelegenen Waldtennis-Club und einem Pavillon, Richtung Ziel. Ich höre bereits die Moderatorenstimme, als ich die letzten paar hundert Meter auf Pflastersteinen abwärts laufe.

Nach 6 Stunden und 46 Minuten ist es dann vollbracht. Ich überquere als insgesamt 61. von 170 Teilnehmern die Ziellinie.

Mir wird die Finisher-Medaille überreicht und das Goodie-Bag ausgefolgt. Ich nehme mir ein Weckerl und trinke eine Flasche Wasser. Ich möchte meine Wunde versorgen lassen. Obwohl der Start- und Zielbogen unmittelbar vor der Therme Bad Vöslau aufgebaut ist, stehen keine Duschen zur Verfügung. Zum Glück gibt es in der öffentlichen Toilette fließendes Wasser, wo ich mir die Hände halbwegs sauer waschen kann. Von einem Sanitäter lasse ich die verletzten Stellen desinfizieren und verbinden und mache mich anschließend auf dem Heimweg.

Fazit: Die Strecke des Lindkogeltrails ist mit wenigen Ausnahmen technisch nicht sehr anspruchsvoll. Mit einer Distanz von knapp 55 Kilometern und beinahe 2500 Höhenmeter ist der Ultra Trail jedoch marathonerfahrenen Trail-Läufern vorbehalten. Entschädigt wird der Teilnehmer mit wunderbar zu laufenden Singletrails, Wald- und Schotterwegen sowie mit großartigen Aussichten von der Sina-Warte oder vom Peilstein. Die Verpflegestellen sind gut positioniert und ausreichend bestückt. Die zahlreichen Helfer sind allesamt freundlich und die Streckenmarkierung lückenlos. Der Start-/Zielbereich im Bereich des Thermalbades Vöslau bietet eine gute Infrastruktur bei tollem Ambiente.

Dass keine Duschmöglichkeit vorhanden ist, finde ich persönlich ein großes Manko. Zumal die Siegerehrung recht spät stattfindet und man so gezwungen ist, verschwitzt zu verharren. Auch die kleine, unscheinbare, aus Holz gefertigte Finisher-Medaille passt optisch einfach nicht zu einem 55 Kilometer langen Ultratrail. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Im Grunde kann ich diesen Lauf hier rund um Bad Vöslau vorbehaltlos weiterempfehlen.

26.03.2023: Lindkogeltrail - Laufbericht


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Sonntag, 31. Juli 2022

31.07.2022: 32. Int. Kainacher Bergmarathon mit steirischen und österreichischen Meisterschaften im Bergmarathon - Laufbericht

Pünktlich um 09:00 Uhr erfolgt der Startschuss zum 32. Internationalen Kainacher Bergmarathon im Bezirk Voitsberg / Steiermark. Auf uns Teilnehmer wartet eine selektive Strecke mit 44 Kilometer und 1800 Höhenmeter. Im Zuge dieser Veranstaltung werden auch die steirischen Meisterschaften und österreichischen Staatsmeisterschaften im Bergmarathon ausgetragen. Ich selbst bin bereits zum 6. Mal hier in Kainach am Start. Meine bisherige Bestzeit liegt bei 5 Stunden. Vor 5 Wochen habe ich in Kalifornien den Western States 100 gefinished. Ich tue mir daher mit Prognosen schwer, was ich heute auf der Laufstrecke zu leisten im Stande bin. Eine Zeit um die 4 Stunden und 50 Minuten oder schneller wäre wohl für eine Medaille bei den österreichischen Meisterschaften notwendig ...

Die Abholung der Startunterlagen findet in wie alljährlich im Turnsaal der Volksschule Kainach statt. Hier stehen auch Duschen und Umkleidemöglichkeiten bereit. Im Startpaket ist ein Bergmarathon-Laufshirt, lesenswertes Informationsmaterial über die Lipizzanerheimat, eine ermäßigte Eintrittskarte für die Therme Nova in Köflach und Getränkeproben enthalten. Die Zeitnehmung erfolgt mittels Chip von hightech-timing. Ich kann mich mit dieser Chipkarte, die seitlich auf Hüfthöhe anzubringen ist, einfach nicht anfreunden. Dabei wäre es ein Leichtes, den Zeitchip in die Startnummer zu integrieren.

Nach der Begrüßung durch den Moderator und dem priesterliche Segen durch den ortsansässigen Pfarrer geht es auch schon los.

Kainacher Bergmarathon
Die ersten zwei Kilometer führen auf Asphalt Richtung Norden noch sehr moderat ansteigend aus dem Ort Kainach und verleitet immer wieder, zu schnell zu starten. Aber auch die ersten steileren Anstiege lassen nicht lange auf sich warten. Zuerst geht es auf einem Wiesenpfad, später auf Wald- und Schotterwegen kontinuierlich empor.

Nach rund 5,5 Kilometer ist die erste Labe erreicht. Ich schlucke ein Gel und spüle mit zwei Becher Wasser nach.

Am Steinbruch vorbei geht es weiter aufwärts. Muss es auch, denn auf den ersten 17 Kilometern sind zwei Drittel aller Höhenmeter zu erklimmen. Die Sonne lacht vom Himmel und die Temperaturen steigen so wie die Strecke kontinuierlich. Wenngleich ich noch ganz gut in der Zeit liege, tue ich mir heute mental schwer, das "letzte Hemd" zu geben. Der größte Fehler war im Vorfeld wohl, diesen heutigen 44 Kilometer mit 1800 Höhenmeter nicht die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Ich darf bloß nicht den Fehler begehen, nun alles im Verhältnis zu den 100 Meilen beim Western States 100 zu sehen. Auch 44 Kilometer sind lang und hart. Auch ein Halbmarathon ist anspruchsvoll und selbst eine am Anschlag gelaufene Meile kann ein Horror-Trip sein. 

Bevor es zur ersten Wechselzone der Staffelläufer hoch geht, folgt eine kurze Downhill-Passage. Kühe versperren das Gatter und ich muss mich an den vierbeinigen Wiederkäuern vorbeidrängeln.

Nach 14 Kilometer ist die Zeissmann Hütte erreicht. Gut 1000 Höhenmeter sind auf der Haben-Seite verbucht. Die Speicher werden wieder mit Wasser und einem Gel aufgefüllt. Während Sturmböen das Laufen zeitweilig zusätzlich erschweren, geht es dem höchsten Punkt der Strecke entgegen.

Nach dem steilen Aufstieg zum Roßbachkogel folgen nun auf rund 1700 Meter Seehöhe ein paar technische Kilometer. Auch beim Abstieg zum Gleinalm-Schutzhaus sind die Schritte mit Bedacht zu setzen.



Ein verwurzelter Waldweg führt uns Läufer auf die sogenannte Lipizzanerweide. Die Strecke fällt nun leicht und ich kann auf diesem Abschnitt recht flotte Kilometer laufen. Kurze, knackige Gegenanstiege vermiesen den Laufspaß dann wieder. Wie schon erwähnt, habe ich heute mentale Defizite. Vielleicht bin ich diese Strecke auch schon zu oft gelaufen. Die Runde hier in der Weststeiermark ist zweifelsohne eine tolle Trailstrecke, aber irgend wie scheine ich mich sattgelaufen zu sein.

Beim Alpengasthof Krautwasch ist die zweite Wechselstation eingerichtet, bevor es auf das letzte Drittel der Strecke geht. Moderat fallende Wald- und Schotterwege wechseln sich weiterhin mit steilen Gegenanstiegen ab. Bergauf verfalle ich zunehmend in den Gehschritt. Ich kriege es heute einfach nicht gebacken, mich zu quälen und sehe ein, dass eine Zielankunft unter 5 Stunden längst nicht mehr realistisch ist. 

Ich habe Kilometer 35 erreicht. Trails sind einer asphaltierten Straße gewichen. Stetig fallend geht es dem Ort Kainach und somit dem Ziel entgegen. Ich laufe die Kilometer nun wieder deutlich unter 5 Minuten.

Im Talboden angekommen wartet die letzte Labestelle vor dem Zieleinlauf. Ich brauche nichts mehr. Ich möchte es einfach nur zu Ende bringen. Hinter mir ist weit und breit kein Konkurrent zu sehen. So nehme ich auch die letzte Steigung im Gehschritt und trabe letztendlich nach 5 Stunden und 11 Minuten ins Ziel.

In den Ergebnislisten finde ich mich auf Rang 6 der Altersklasse wieder. Bei den steirischen Meisterschaften reicht es für die Bronze-Medaille und bei den österreichischen Bergmarathon-Meisterschaften klassiere ich mich auf Rang 5 der Altersklasse M50. Wie vermutet, war heute eine Zeit um 4 Stunden und 50 Minuten für den Gewinn einer Altersklassen-Medaille bei den österreichischen Meisterschaften notwendig.

Danke dem Veranstalter für die Bereitstellung der Fotos!

31.07.2022: 32. Int. Kainacher Bergmarathon mit steirischen und österreichischen Meisterschaften im Bergmarathon - Laufbericht


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