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Samstag, 22. August 2026

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht

Das Koralm Trailrunning Event hatte im Jahr 2022 seine Geburtsstunde. In den ersten beiden Jahren konnte ich selbst nicht an der Startlinie stehen. Aber seit dem Jahr 2024 bin ich Dauergast im weststeirischen Deutschlandsberg. Und das aus gutem Grund. Zum einen lässt die Organisation durch den Koralm Trailrunning Club eigentlich keine Wünsche offen. Zum anderen stehen landschaftlich wunderschöne und anspruchsvolle Strecken zur Auswahl.

Drei Teilnahmen, drei verschiedene Strecken: Während ich im Jahr 2024 über die sogenannte "LONG-Distanz" mit Start und Ziel in Deutschlandsberg rund 58 Kilometer und 2.600 Höhenmeter zu laufen hatte, wurde diese längste der angebotenen Strecken im Jahr 2025 auf satte 68 Kilometer und 3.100 Höhenmeter verlängert. Start und Ziel waren ebenfalls in Deutschlandsberg. Diese "LONG-Distanz" steht heuer nicht mehr zur Auswahl. Ich kann es auch verstehen. Denn der Aufwand für die Planung, Beschilderung und Bestückung mit Labestellen ist für eine solch große Distanz enorm. Dem gegenüber standen im Vorjahr lediglich 30 Teilnehmer.

In diesem Jahr ist die längste zur Auswahl stehende Strecke die sogenannte "Marathon-Distanz", die in Wirklichkeit mit seinen 51 Kilometern und 2.800 positiven Höhenmetern ein waschechter Ultralauf ist. Spannend ist, dass der Start im benachbarten Bundesland Kärnten, konkret in Wolfsberg, erfolgt. Über die Koralpe und Weinebene führt die Streckenführung zurück in die Steiermark und ins Ziel nach Deutschlandsberg.

Eines aber bleibt immer gleich. Nämlich das frühe, erbarmungslose und schadenfrohe Klingeln des Weckers. In den Jahren davor erfolgte jeweils um 06:00 Uhr morgens der Startschuss zu den Laufbewerben. Heuer ist um diese Uhrzeit die Abfahrt der Busse geplant, die uns von Deutschlandsberg nach Wolfsberg bringen. Dieses Shuttle-Service konnte im Anmeldeprozess gebucht werden.

Nach zwei Tassen Kaffee sitze ich im Auto und erreiche nach rund 35 Minuten Fahrzeit die Stadtgemeinde Deutschlandsberg. Wenn ein Lauf so früh am Morgen startet, verzichte ich in der Regel auf ein Frühstück. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, einfach ein paar Minuten vor dem Start eines meiner bewährten Gels zu mir zu nehmen. Am Parkplatz der Koralmhalle herrscht schon reges Treiben. Eine Stimmung voller Vorfreude und Aufregung liegt in der Luft. Die Abfahrt der Busse erfolgt pünktlich. Ich habe keinen Sitznachbarn und so kann ich meine Füße ein wenig ausstrecken und es mich gemütlich machen. Eine Stunde später treffen wir in Wolfsberg ein.

Hier beim Schloss Wolfsberg wird vom Veranstalter kurzerhand ein Startbogen aufgeblasen und Tische für die Startnummernausgabe aufgestellt. Ich erhalte die Startnummer 3036 und den dazugehörigen GPS-Tracker. Sicherheit wird hier seitens des Veranstalters groß geschrieben und so sind wir alle in den kommenden Stunden per Satellitennavigation zu lokalisieren. Der Veranstalter begrüßt uns sehr herzlich und brieft uns hinsichtlich Pflichtausrüstung, Wettervorhersage, Schlusszeiten und Streckenmarkierung. Beim Zutritt zum Startbereich erfolgt die stichprobenartige Kontrolle der Pflichtausrüstung. Neben einer Regenjacke und einem Erste-Hilfe-Set inklusive Rettungsdecke ist vor allem ausreichend Flüssigkeit wichtig. Denn die Labestellen sind zwar ausgezeichnet bestückt. Allerdings sind die Distanzen zwischen den Checkpoints doch recht groß. Bedingt durch die vielen positiven Höhenmeter können es dann schon mal zwei Stunden Laufzeit sein, bis die Flüssigkeitsreserven wieder aufgefüllt werden können.

Pünktlich um 08:00 Uhr erfolgt der Start und ich nehme gemeinsam mit 90 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die selektive Strecke in Angriff. Und die ersten Kilometer haben es in sich. Mit wenigen Ausnahmen gut laufbarer Passagen führt die Strecke über das Raucheck und auf Trails parallel zur Koralpenstraße stetig aufwärts. Mal steil, mal moderater, aber aufwärts. Wie sollte es auch anders sein. Immerhin warten auf den ersten 14 Kilometern respekteinflößende 1.800 Höhenmeter auf uns.

Ich finde rasch meinen Platz im Teilnehmerfeld und kann von Beginn weg ungehindert mein eigenes Tempo laufen. Die erste Labestelle ist beim Koralmdorf nach rund 12 Kilometer erreicht. Alles Notwendige - und noch mehr - steht hier bereit. Betrieben werden die Checkpoints von Helferinnen und Helfer, die vor Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und guter Laune nur so strotzen. Ich brauche nicht viel. Immerhin habe ich erst vor zwei, drei Kilometer ein weiteres Gel zu mir genommen. Die Gels und Riegel sind entsprechend den Regularien mit der Startnummer zu beschriften. Damit soll gewährleistet sein, dass niemand seinen Müll auf der Strecke inmitten der Natur entsorgt. So fülle ich nur meine Flasks mit Wasser und Iso auf.

Nun folgen wir hier im Skigebiet der Koralpe knapp zwei Kilometer lang eine Lifttrasse Direttissima zum höchsten Punkt der Strecke, dem Gipfelkreuz des Großen Speikkogels. Während ich mich gradlinig die Steigung hochquäle, starren mich weidende Kühe mit ihren großen Augen beinahe mitleidsvoll an.

Ein leichter Regenschauer lässt mich überlegen, ob ich die Regenjacke aus der Laufweste nehmen soll. Aber der Wetterfrosch ist entgegen der Prognosen gnädig und der Niederschlag ist nicht von langer Dauer. Bald herrscht wieder kühles aber trockenes und beinahe perfektes Laufwetter.

Das Gipfelkreuz ist erreicht! Zwei Drittel der Höhenmeter des heutigen Tages habe ich hinter mich gebracht. Meine defensive Herangehensweise beim Aufstieg trägt Früchte. Ich fühle mich stark und bin für den weiteren Verlauf der Strecke guter Dinge. Auf ein Gipfelfoto verzichte ich allerdings. Zu viele Wanderer umlagern das Kreuz am höchsten Gipfel der Koralpe.

Die nächsten Kilometer verlaufen unmittelbar an der Grenze zwischen den Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der Abstieg von der Hühnerstütze (ungewöhnlicher Name für einen knapp 2.000 Meter hohen Berg) über loses Gestein und tiefen, verwachsenen und ausgetretenen Pfaden ist technisch anspruchsvoll und erfordert meine volle Aufmerksamkeit. Immerhin habe ich meiner Familie versprochen, wieder heil nach Hause zu kommen. 

Es folgt ein moderater Aufstieg zum Moschkogelkreuz, um dann auf fallenden Pfaden und Wegen zur Labestelle auf der Weinebene zu gelangen. Hier greife ich zu gekochten Kartoffeln mit reichlich Salz. Auch Tomaten und ein Stück Käse und Trockenwurst lasse ich mir schmecken. Wieder werden die Flüssigkeitsvorräte aufgefüllt, ich bedanke mich für den tollen Service und begebe mich in den Anstieg zur Handalm.

Der Windpark Handalm mit seinen insgesamt 13 Windrädern ist erreicht. Auch ein wichtiger mentaler Meilenstein kann verbucht werden: Es ist Halbzeit der Strecke! 26 Kilometer liegen hinter mir; 25 vermeintlich gut laufbare Kilometer stehen mir noch bevor. Die meisten Höhenmeter sind geschafft. Nun ist es an der Zeit, Tempo zu machen. Bei all der Euphorie über das Gefälle darf die Achtsamkeit nicht zu kurz kommen. Denn der Pfad ist steinig und verwurzelt. Es gilt konzentriert zu laufen, die Beine zu heben und vor allem die Streckenmarkierung nicht aus den Augen zu verlieren. Da ich noch genügend Körner im Tank habe, macht das Laufen richtig Spaß. Reminder: Streckenmarkierung nicht aus den Augen lassen! Ich zweige falsch ab. Bald bemerke ich jedoch den Fehler und trabe zurück zur Gabelung. In Summe sind es nicht mehr als 200, 300 Meter Umweg. Dennoch sollten sich die Extrameter in Grenzen halten. Mit ansprechenden Kilometerzeiten geht es weiter meist fallend zur Labestelle bis nach Trahütten.

Rund 15 Kilometer trennen mich noch vom Ziel. Auf einer Schotterstraße kann ich weiterhin das Tempo hochhalten und so laufe ich zügig talwärts. Die Strecke führt durch den historischen Kreuzsteinertunnel. Dieser etwa 35 Meter lange Waldbahn-Tunnel samt der früheren Bahntrasse wird nun als beliebter Wanderweg genutzt. 

Dann folge ich einem schmalen Pfad parallel zur Laßnitz, bevor der letzte Anstieg des Tages auf mich wartet. Aber auch hier leisten mir meine Trailrunning-Stöcke gute Dienste und ehe ich mich versehe, bin ich weitere 500 Höhenmeter empor zum Scheidsberg gestiegen. Nach einem kurzen Downhill erreiche ich die letzte Labestelle vor der Ziellinie. Lautstark werde ich willkommen geheißen. Auch hier greife ich zu Kartoffeln und Tomaten mit reichlich Salz. Ein wenig Iso und Wasser fülle ich für die finalen 6 Kilometer in meine Flasks. Ich bedanke mich für den Support und laufe einen steilen Single-Trail die Klause hinunter.

Die Klause, ein romantisches Fels-Tal im Westen von Deutschlandsberg, wird von der Laßnitz durchflossen. Die Klause wurde im Jahr 2006 zum Europaschutzgebiet ernannt und ist durch einen Fußweg erschlossen. Dieser schöne Weg unmittelbar am Gewässer lockt viele Naturliebhaber an. So auch heute. Eine Gruppe betagter Wanderer bremst mich ein. Aber ich habe es nicht eilig und so laufe ich sehr vorsichtig, verhalten und rücksichtsvoll an ihnen vorbei.

Ich habe wieder Asphalt unter den Füßen. Über Stadtwege, mal rechtsufrig, dann wieder linksufrig der Laßnitz, geht es weiterhin im flotten Laufschritt dem Zielgelände entgegen. 

Eine letzte Straßenquerung steht mir bevor. Ich höre den Helfer rufen: "Nach der Brücke rechts!" Unkonzentriert laufe ich jedoch nicht über die Brücke, sondern halte mich gleich rechts. Mir kommt es bald merkwürdig vor, denn ich weiß, dass sich das Zielgelände auf der anderen Gewässerseite befindet und auch die Moderatorenstimme ist schon zu hören. Entgegenkommende Passanten bestätigen, dass ich wohl vorhin die Laßnitz hätte queren müssen. Also zurück! In der Zwischenzeit werde ich von drei Teilnehmern überholt. Nicht schlimm, wenngleich sich Platz 27 von 91 Startern deutlich besser anhört als Rang 30. Aber egal! Ich laufe erneut am Streckenposten vorbei und frage ihn, warum er mich nicht abgehalten hat, den falschen Weg zu nehmen. Darauf der junge Mann trocken und cool: "Ich sagte doch, nach der Brücke rechts!" Ich muss innerlich schmunzeln. Klar hat er das gesagt. Aber mein Geist hat es falsch wahrgenommen. Ich laufe also über die Brücke und dann rechts, um kurz darauf nach 6 Stunden, 42 Minuten und 50 Sekunden die Ziellinie zu überqueren und die wohlverdiente Finisher-Medaille entgegen zu nehmen.

Ich gebe den Transponder ab und löse meinen Getränke-Bon ein. Im Festzelt sitzen bei guter Laune schon reichlich Finisher aller Bewerbe. Mir selbst steht noch eine Dusche mit kaltem Wasser bevor. Aber so ein Eisbad beschleunigt bekanntermaßen die Regeneration. Das ist vermutlich auch der Grund, dass ich tags darauf kaum Muskelkater verspüre und schon wieder am Tennisplatz stehe.

Ein paar Tage später werden vom Veranstalter unzählige entlang der Strecke gemachte Schnappschüsse unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Für dieses Service ein herzliches Danke!

Fazit: Auch in diesem Jahr durfte ich eine landschaftlich sehr schöne, abwechslungsreiche und durchaus anspruchsvolle Strecke belaufen. Das Organisationsteam weiß aus eigener geballter Lauf- und Ultralauferfahrung, was Läufer benötigen und stellen es zur Verfügung. Die Checkpoints sind mehr als ausreichend bestückt und die freundlichen, stets gut gelaunten und motivierenden Helferinnen und Helfer machen das Koralm Trailrunning Event letztendlich zu einer großartigen Veranstaltung. Wenn ich auf hohem Niveau ganz klein wenig jammern dürfte: Bei knapp hundert Startern wäre vielleicht neben der Allgemeinen Klasse zumindest eine Altersklasse Masters/Seniors zum andenken. Und die Finisher-Medaille der letzten Jahre hat mir persönlich besser gefallen als die heurige. Aber nochmal: Das ist jammern auf aller höchstem Niveau. Wir sehen uns hoffentlich im Jahr 2027!

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht


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Samstag, 23. Mai 2026

23.05.2026: mozart 100 by UTMB - Erlebnisbericht

Alles neu macht der Mai! Dieses Sprichwort geht auf das gleichnamige Frühlingsgedicht von Hermann Adam von Kamp zurück und ist ein Sinnbild für Aufbruchstimmung und Neuanfang. Ein Neuanfang, wie er heuer auch dem mozart 100 by UTMB bevorsteht. Denn Start und Ziel dieser Ultratrail-Veranstaltung liegen nicht mehr inmitten der altbewährten Mozartstadt Salzburg, sondern in Fuschl am See. Ich kann nur spekulieren, warum diese große infrastrukturelle Änderung notwendig wird. Es liegt - gestützt auf Online-Berichte - wohl an der fehlenden Zustimmung der Stadtregierung. Demnach sollen in der Altstadt von Salzburg die Veranstaltungen zum Wohle der Bewohner drastisch minimiert werden. Nur noch ausgewählte kulturelle Events sind weiterhin gern gesehen.

Ob in Fuschl am See dieses jährlich wachsende Ultratrail-Event organisatorisch gestemmt werden kann? Bereits kurz nach Bekanntgabe der örtlichen Veränderung sind sämtliche Zimmer in Fuschl ausgebucht. Der Veranstalter reagiert und bietet von den benachbarten Orten und von der Stadt Salzburg einen Shuttle-Service zum jeweiligen Start der Bewerbe an. Auch nach dem Zieleinlauf in Fuschl kann man dieses Service nutzen und wird wieder zu seinem Nächtigungsort retour gebracht.

Ich selbst ergattere für zwei Nächte ein kurzfristig frei gewordenes und recht kostengünstiges Zimmer am Ortsrand von Fuschl. Der Start- und Zielbereich ist von der kleinen Pension aus fußläufig in rund 10 Minuten erreichbar. Anreisen möchte ich eigentlich umweltschonend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber durch Baustellen entlang der Bahnstrecke winkt mir ein mehrmaliges Umsteigen inklusive Schienenersatzverkehr. So entschließe ich mich letztendlich, mit dem Auto in das Flachgau zu reisen.

Zum Glück rollt am Pfingstwochenende die Verkehrslawine Richtung Süden. Während die nach Strand und Meer Hungrigen im kilometerlangen Stau stehen, habe ich aus dem Umland von Graz über Liezen und dem Salzkammergut eine recht entspannte Anreise. Da ich bereits vorab online eingecheckt habe, liegen Zimmerschlüssel und Gästekarte schon bereit. Das Doppelzimmer bietet mir und meiner Ausrüstung genügend Platz. Vom Balkon habe ich einen schönen Blick auf den Fuschlsee und auch eine Gemeinschaftsküche mit Herd, Geschirrspüler, Kaffeemaschine und Mikrowelle steht vor Ort zur Verfügung. Soweit läuft alles bestens!

Das Eventgelände rund um das Fuschlseebad, mit seinem malerischen Naturbadestrand des glasklaren, türkisfarbenen Fuschlsees, ist ein echter Hingucker. Die Abholung der Startunterlagen erfolgt schnell und unkompliziert. Ich zeige den vor einigen Tagen per Mail erhaltenen QR-Code und einen Lichtbildausweis vor und erhalte die Startnummer 327 sowie einen Transponder, der am Laufrucksack angebracht werden muss. Über diesen Transponder sind wir via App live zu verfolgen. Schließlich soll ja auf der Strecke niemand verloren gehen. Auch ein Dropbag-Beutel wird an die Starter ausgegeben. Dieses Bag kann befüllt werden und ist kurz vor dem Start abzugeben. Dann wird es zum Checkpoint nach St. Gilgen (bei Kilometer 45) gebracht. Das Finisher-Shirt ist auf Grund internationaler Versandbeschränkungen leider nicht rechtzeitig beim Veranstalter eingelangt. Wir werden damit vertröstet, dass das Shirt in ein paar Wochen per Post nachgesendet wird. Ich schmökere noch ein wenig auf der Expo umher und gönne mir einen lässigen Hoodie, der auf der Rückseite kleingedruckt die Namen alle Teilnehmer stehen hat.

Ich gehe in die Unterkunft zurück und mache mir etwas Reis in der Mikrowelle warm. Während dem Essen verfolge ich via Livestream das Racebriefing.

Bevor ich mich ins Bett lege, richte ich meine Ausrüstung und bestücke die Laufweste und das Dropbag. Auch wenn ich den Inhalt des Dropbags kaum brauchen werde, befülle ich es mit einem Paar Laufschuhe, frischen Socken, einem Shirt und einigen Energie-Gels. Man weiß ja nie und wenn die Möglichkeit angeboten wird, sollte man diese auch in Anspruch nehmen.

Durch die offenen Fenster haben wohl zu viele Gräserpollen den Weg ins Zimmer gefunden. Meine Nase ist verstopft und ich finde kaum Schlaf. Völlig gerädert stehe ich um 03:45 Uhr auf. Ich mache mir einen Kaffee und treffe die letzten Vorkehrungen wie Kontaktlinsen rein, Wasserflaschen auffüllen ...

Dann mache ich mich auf den Weg zum Startgelände. Die Luft ist angenehm kühl und der Himmel wolkenlos. Ich gebe mein Dropbag ab und reihe mich schließlich im Startblock ein. Trotz der frühen Uhrzeit liegt eine besondere Energie in der Luft. Genau diese Momente sind es, die den Reiz solcher Veranstaltungen ausmachen. Wochen und Monate der Vorbereitung sind Geschichte. Nun ist es an der Zeit, sich für hunderte Trainingskilometer zu belohnen.

Pünktlich um 5:00 Uhr früh erfolgt der Start des mozart 100 by UTMB. 119 Kilometer und knapp 6.000 Höhenmeter sind es bis zur Ziellinie. Mental sind Zwischenziele (Meilensteine) immens wichtig. So zerteile ich diese ultralangen Strecken in kleinere, überschaubare Happen. Für mich gilt es nun erstmal, bis nach Strobl zu laufen.

Die Beine fühlen sich recht gut an und der kurze, unzureichende Schlaf scheint vorerst keine Rolle zu spielen. Kilometer um Kilometer laufe ich durch die wunderschöne Landschaft des Salzkammerguts. Das rund 550 Teilnehmer umfassende Feld ist bereits in die Länge gezogen, sodass ich unbedrängt mein eigenes Tempo laufen kann. Und auch die ersten Höhenmeter lassen nicht lange auf sich warten. Immer wieder eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die Seen der Region. Der Wolfgangsee glitzert in der Morgensonne, dahinter ragen die Gipfel des Schafbergs und der umliegenden Berge empor. Genau für solche Momente nehme ich die Strapazen einer Ultratrail-Vorbereitung inklusive Organisation der Anreise und Nächtigung gerne in Kauf.

Nach der Verpflegungsstation in Strobl beginnt der anspruchsvollste Abschnitt des gesamten Laufes. Was auf dem Streckenprofil bereits respekteinflößend aussieht, entpuppt sich in der Realität als echter Härtetest. Hinauf zum Schafberggipfel sind auf wenigen Kilometern weit mehr als tausend Höhenmeter zu bewältigen. Mit zunehmender Höhe wird der Weg steiniger und rauer. Ausgesetzte Stellen sind seilgesichert und teilweise liegen noch Schneereste auf den Pfaden. Es ist punktuell sehr technisch. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier heroben ein absolutes Muss. Bergretter sichern exponierte Stellen. Endlich steige ich durch die sogenannte Himmelspforte hoch und der vermeintlich härteste Anstieg des heutigen Tages ist geschafft.

Ein kurzer Blick auf das Panorama und auf den Wolfgangsee belohnt für die Mühen des kräftezehrenden Aufstiegs. Die Schafbergbahn fährt gerade hinab ins Tal. Und auch auf mich wartet diese Herausforderung. Die mühsam gewonnenen Höhenmeter müssen nämlich wieder nach unten gelaufen werden. Der Downhill bis in die Talsohle nach St. Gilgen wird nur kurz durch den Checkpoint Schafbergalm unterbrochen.

Meine Ernährungsstrategie sieht vor, dass ich zwischen den Checkpoints gerne auf Gels zurückgreife. An den Checkpoints selbst labe ich mich mit Tomaten und Salz, gerne auch mal mit einem Stück Schwarzbrot, Wurst und Käse. Auch ein Schluck vom alkoholfreien Bier ist eine willkommene Abwechslung. Die Labestationen sind allesamt gut ausgestattet und überall warten überaus freundliche Helfer auf uns Läufer.

Auch hier auf der Schafbergalm esse ich wieder einige Tomaten mit Salz und trinke ausgiebig Wasser und ein isotonisches Getränk. Ich fülle meine Flasks voll und laufe weitere hunderte Höhenmeter abwärts. Vorsicht ist angebracht, denn die Singletrails sind mancherorts stark verwurzelt und teils steinig. Es ist zu steil und zu technisch, um es einfach rollen zu lassen. Daher haben die vorderen Oberschenkelmuskel ganze Arbeit zu leisten, denn große Aufprallkräfte wirken auf sie ein. Diese exzentrische Muskelarbeit, also diese abbremsende Kraft, beansprucht den Quadrizeps und die Quadrizepssehne enorm. Mikrorisse in den Muskelfasern und im Bindegewebe sind die Folge. Diese kleinen Verletzungen verursachen Entzündungsreize und lassen einem dann diesen typischen Muskelkaterschmerz verspüren. Und dieser Schmerz ist bei mir gerade sehr ausgeprägt, als ich im Tal ankomme und die zwei flachen Kilometer am Ufer des wunderschönen Wolfgangsees nach in St. Gilgen laufe.

Bei meiner Ankunft am Checkpoint St. Gilgen habe ich über 3 Stunden Puffer auf die Cut-off-Zeit. Für 65 Teilnehmer läuft es nicht so gut und sie müssen oder wollen hier in St. Gilgen bereits den Lauf beenden. Aus dem Dropbag nehme ich mir nur ein paar Gels und stecke sie mir in die Laufweste. Der Rest wird vom Organisationsteam wieder zurück nach Fuschl gebracht. Der lange Abstieg vom Schafberg hat bei meiner Muskulatur deutliche Spuren hinterlassen. Dabei liegt mit dem Zwölferhorn noch ein weiterer markanter Anstieg vor mir. 

Die Temperaturen sind mittlerweile deutlich angestiegen und jeder Höhenmeter scheint doppelt so viel Kraft zu kosten wie noch am Morgen. Der Weg führt teilweise Direttissima dem Gipfel des Zwölferhorns entgegen. Anfangs versuche ich noch, mit kraftvollem Einsatz meiner Stöcke zügig zu marschieren. Doch meine Oberschenkel denken nicht mehr daran, kooperativ zu sein. Jeder Schritt wird zur Willensprüfung. Höhenmeter um Höhenmeter quäle ich mich empor, während über mir die Gondel der Zwölferhorn-Bergbahn mühelos hoch und runter fährt.

Kurz vor dem Gipfelkreuz lasse ich mich ins Gras fallen. Ich bin platt. Für einige Minuten liege ich einfach da und starre in den wolkenlosen Himmel. Ein paar Läufer hiken an mir vorbei. Manche fragen, ob alles in Ordnung sei. Ich nicke.

In Wahrheit bin ich mir in diesem Moment nicht ganz sicher, wie es weitergehen soll. Die Oberschenkelmuskulatur streikt in einem noch nie erlebten Ausmaß. Und es liegen noch schier unüberwindbare 60 Kilometer vor mir. Es ist einer jener Momente, die man in keiner Ergebnisliste und auf keinem Finisher-Foto sieht. Momente, in denen ein Ultratrail weniger ein sportlicher Wettkampf ist, sondern vielmehr eine riesengroße mentale Herausforderung wird. 

Zu gerne würde ich hier und jetzt den mozart 100 by UTMB beenden. Der Gedanke, mit der Gondel ist Tal zu fahren und in einen der Shuttlebusse zu steigen, der mich bequem zurück nach Fuschl fährt, erscheint äußerst verlockend. Keine weiteren An- bzw. Abstiege, keine schmerzenden Oberschenkel, keine endlosen Kilometer mehr. Einfach nur sitzen, die Beine ausstrecken und den Tag abhaken. Doch kaum ist dieser Gedanke ausgesprochen, folgt auch schon die Gegenfrage: Würde ich mir das morgen verzeihen können? Die Antwort kommt schnell. Nein, ich würde mich dafür hassen, es nicht weiter versucht zu haben. Schließlich habe ich viel investiert, um hier am Start zu sein. Dazu kommt, dass die Zielankunft hier beim mozart 100 by UTMB zugleich die Eintrittskarte ist, um ein weiteres Mal bei der Startplatzlotterie des Western States 100 Endurance Run im Lostopf zu sein. Die Beine sind zwar schwer, die Muskulatur angeschlagen und mein ursprüngliches Zeitziel außer Reichweite. Aber im Grunde sind das heute auch keine größeren Probleme, wie ich sie in den letzten 10 Jahren nicht schon mehrfach gelöst bekommen habe. Es ist keine Verletzung, die mich ausbremst. Es liegen keine gravierenden gesundheitlichen Beschwerden vor. Eigentlich bin ich nur müde und erschöpft. Also aufstehen, Krone richten und den nächsten Checkpoint als weiteres mentales Zwischenziel definieren.

Ich beginne zu rechnen. Selbst wenn ich pro Stunde nur mehr 4 bis 5 Kilometer weit kommen sollte, wird mich der Sweeper (Schlussläufer, Besenwagen) nicht einholen. Nachdem das Zwölferhorn überschritten ist, folgt ein schmaler Pfad hinab zur Schafbachalm. Bei diesem Checkpoint werden am heutigen Tag weitere 75 Teilnehmer die Herausforderung mozart 100 by UTMB vorzeitig beenden.

Von Laufen kann mittlerweile keine Rede mehr sein. Aus dem Ultratrail ist längst ein Ultraweitwandern geworden. Die Uhr zeigt unmissverständlich, dass ich zwei oder vielleicht sogar drei Stunden langsamer sein werde als erhofft. Aber das stört mich inzwischen kaum noch. Dafür ist keine Energie vorhanden. In dieser Phase geht es längst nicht mehr um Bestzeiten oder Platzierungen. Es geht mir nur noch darum, die Ziellinie aus eigener Kraft zu erreichen.

Ein beruhigender Faktor bleibt dabei stets im Hinterkopf: Die Cut-off-Zeiten sind nämlich weiterhin keine Bedrohung. Trotz aller Schwierigkeiten verfüge ich noch über ausreichend Puffer. Solange nichts Unvorhergesehenes passiert, werde ich also vor der Schlusszeit ins Ziel kommen. So marschiere ich weiter. Schritt für Schritt. Kilometer für Kilometer. Nicht schnell, nicht elegant und schon gar nicht leichtfüßig. Aber immer noch vorwärts. Und genau das zählt an Tagen wie diesen.

Ich nähere mich der Ziellinie. Hier fehlt mir der bisherige finale Streckenabschnitt über den Kapuzinerberg und durch die Altstadt von Salzburg dann doch. Denn diese letzten Kilometer inmitten von Touristen haben in den letzten Jahren dem langen Tag auf den Trails die Krone aufgesetzt. Nun hike ich am Ufer des Fuschlsees entlang. Ich weiß, wie schön es hier bei Tageslicht ist. Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht. Die Dunkelheit hat die Landschaft längst verschluckt und die Stirnlampe wirft nur noch einen schmalen Lichtkegel auf den Trail vor mir. Eigentlich bin ich im Moment ganz froh darüber, niemanden zu sehen und auch selbst nicht gesehen zu werden.  

Das Ziel ist greifbar nahe. Die letzten hundert Meter möchte ich nicht gehend absolvieren. Also zwinge ich meinen Körper ein letztes Mal in den Laufschritt. Jeder Schritt schmerzt, die Muskulatur protestiert lautstark und von der Leichtigkeit der ersten Stunden ist längst nichts mehr übrig. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Einige Zuschauer und Helfer harren trotz der späten Stunde aus und applaudieren mir.

Geschafft. Finish. Ich überquere die Ziellinie und bleibe zunächst einige Sekunden stehen. Nach knapp 21 Stunden voller Höhen und Tiefen, grandioser Ausblicke, schmerzhafter An- und Abstiege und zäher Krisen ist das Abenteuer mozart 100 by UTMB beendet. Eine Helferin hängt mir die wunderschöne und hart erkämpfte Finisher-Medaille um den Hals. Während ich die Medaille betrachte, wird mir bewusst, dass dieser Lauf nicht wegen einer persönlichen Bestzeit oder einer guten Platzierung in Erinnerung bleiben wird. Im Gegenteil. Es war einer jener Tage, an denen nicht die Beine, sondern der Kopf darüber entscheidet, wo und wie der Lauf zu Ende geht. Ein Tag, an dem Aufgeben mehrfach verlockend erschien und Weitermachen dennoch die für mich bessere Entscheidung war. Genugtuung und Stolz bleibt jedenfalls aus. Vielleicht bin ich einfach zu müde, um mich zu freuen. Oder mein Geist signalisiert, dass das bloße Ertragen dieses langen Tages keine lobenswerte Leistung ist. Immerhin wollte ich laufen und nicht gehen, wollte viel früher die Ziellinie überqueren. Ich denke, es braucht ein paar Tage Zeit, um einen klaren Blick auf meine diesjährige Teilnahme am mozart 100 by UTMB zu kriegen.

Ein wenig Statistik: 545 wagemutige Ultraläufer machten sich am frühen Morgen auf dem Weg. 329 erreichten in der vorgegebenen maximalen Zeit von 23 Stunden die Ziellinie. 216 Teilnehmer, das sind beinahe 40 Prozent, mussten den mozart 100 by UTMB vorzeitig beenden. Ich wünsche allen eine gute Regeneration und noch viele erlebnisreiche Laufabenteuer. Und mir wünsche ich, dass dieses hart erkämpfte Finish die Eintrittskarte ist, um noch einmal beim Western States 100, dem wohl geschichtsträchtigsten Ultratrail, am Start stehen zu dürfen.

23.05.2026: mozart 100 by UTMB - Erlebnisbericht


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Freitag, 10. April 2026

10.04.2026: Istria 100 by UTMB - Erlebnisbericht

Die letzten Wochen waren ein einziges Gedanken-Tohuwabohu. Die vernünftige Stimme in meinem Kopf sagte mir vehement, ich solle meine Teilnahme an den 100 Meilen von Istrien, einem Ultratrail vom Labin bis nach Umag, stornieren. Ich fühlte mich einfach nicht entsprechend seriös vorbereitet. Denn bedingt durch den starken Schneefall und später durch den Windbruch, war einige Wochen lang ein adäquates Training auf den Trails meines Hausberges nicht möglich. Stattdessen lief ich die Kilometer alternativ auf Asphalt, was letztendlich kein wettkampfspezifisches Training war. Ein Downgrade auf die 100 Kilometer lange Distanz wäre aus sportlicher Sicht das Sinnvollste gewesen. Leider war die Veranstaltung ausverkauft, sodass diese Option nicht zur Verfügung stand. 

Letztendlich fällt die Entscheidung gegen ein DNS, also gegen ein "did not start". Ich möchte es auf jeden Fall versuchen. Und ich kenne mich. Wenn ich einmal auf der Strecke bin, dann kämpfe ich mich bis zur Ziellinie durch. Es ist der dritte Anlauf, die gesamte Streckendistanz von 168 Kilometer zu laufen. Im Jahr 2018 wollte ich den ersten Versuch starten. Da stoppte ein Knochenmarködem im Sprungbein meine Vorbereitung. Statt Istrien gab es damals eine dreimonatige Laufpause. Im Jahr 2022 stand ich ebenfalls auf der Startliste. Da war mir jedoch die Glücksfee hold und bescherte mir einen Startplatz beim Western States 100 Endurance Run in Kalifornien. Ich bin dennoch nach Umag gefahren, wählte ein Downgrade auf die 68 Kilometer lange Distanz und nutzte das Event als langen Trainingslauf.

Nach vier Stunden Fahrzeit bin ich in Umag angekommen. Mein erster Weg führt mich zur Sports Hall Umag, wo die EXPO und auch Startnummernausgabe stattfindet. Ich erhalte die Startnummer 433 und ein Band um das Handgelenk gebunden. Für den Transport zum Start nach Labin kaufe ich mir einen Bus-Voucher. 

Ich checke in einem der promoteten Partnerhotels ein. Das Zimmer ist in die Jahre gekommen und die Aussicht in den trostlosen Park ist ebenfalls nicht berauschend. Dass eine grölende Touristengruppe unter meinem Balkon ein Besäufnis zelebriert, steigert meinen Wohlfühlfaktor auch nicht übermäßig. Ein tolles Service ist allerdings, dass ein kostenloser Shuttle-Transfer eingerichtet ist, der die Läufer und Begleitpersonen im Halbstundentakt zur Sports Hall Umag und retour bringt.

Gegen einen Aufpreis von stolzen 31 Euro darf man sich am Abendbuffet bedienen. Die Saucen sehen "ritsch" aus und nach Fisch ist mir auch nicht zumute. So beschränke ich die Nahrungsaufnahme auf Kartoffeln, Reis und Nudeln sowie auf zwei Stück Pizza mit ordentlich Käse. 

Nach ein paar Schritten am Meer und einem Telefonat mit meiner Familie gehe ich zu Bett. Ich schlafe recht gut. Mein Frühstück besteht aus Toast mit Marmelade und Pancakes. Der Kaffee schmeckt leider nicht sonderlich gut. Nach dem ausgiebigen Frühstück versuche ich noch ein wenig zu schlafen.

Gegen Mittag packe ich die Laufweste und mein Drop-Bag. Die Pflichtausrüstung ist sehr umfangreich. Kleidungsstücke verpacke ich in Druckverschlussbeutel, damit sie bei Schlechtwetter nicht feucht werden. Auf welchen Streckenabschnitten ich was tragen werde, ist auf Basis der Wetterprognosen und des Streckenprofils in meinem Kopf abgespeichert und erweist sich in der ersten Nachthälfte als absolut praxistauglich. Auch die LiveTrail-App gehört zur Pflichtausrüstung und bietet unterwegs nützliche Informationen. Basierend auf meinen aktuellen UTMB-Index wird eine mehr oder weniger realistische Laufzeit errechnet. Demnach werde ich voraussichtlich 31 Stunden unterwegs sein. Mal sehen, ob die App recht behält. 

Der Bus-Transfer von Umag nach Labin ist gut organisiert. Ich denke, es sind insgesamt 6 oder 7 Busse, die für die Teilnehmer zur Verfügung stehen. Mein Sitznachbar hat leider argen Schweißgeruch und so wird die Fahrt für meinen Geruchssinn zum Stresstest. In Labin herrscht bereits reges Treiben. Der Startbogen ist aufgebaut und eine Band sorgt für tolle Stimmung. Ich treffe die letzten Vorkehrungen. Will heißen, ich gehe noch auf die Toilette und schlucke unmittelbar vor dem Start eines meiner bewährten Gels.

Der Veranstalter macht noch einige Fotos und dann geht es endlich los. 

Es läuft gut. Die Strecke ist wie erwartet landschaftlich schön. Istrien halt! Deswegen bin ich hier. Wegern der Schotterwege, wegen der schmalen Pfade, wegen der Blicke auf das Meer, wegen der Steinhäuser.

Der erste Checkpoint ist nach knapp 16 Kilometer bei Plomin Luka erreicht. Ich wechsle mein kurzes Oberteil gegen ein Langarm-Shirt. Die Dämmerung setzt bald ein und auf den Bergen wird es ohnehin kühler sein. Bergauf kann ich mit Hilfe meiner Trailrunning-Stöcke gut Höhenmeter machen und flache und abfallende Passagen lassen sich bislang sehr gut laufen. Ich liege hervorragend in der Zeit und bin für die Nachtstunden guter Dinge.

In Moscenicka Draga ist der zweite Checkpoint eingerichtet. 35 Kilometer liegen hinter mir. Ich fülle meine Flasks an und esse ein paar Bissen. Der anspruchsvollste Anstieg der gesamten 100 Meilen steht mir nun bevor. Schritt für Schritt steige ich das Ucka-Gebirge hoch. Die Luft ist kühl und die Dunkelheit bringt Stille. Wind kommt auf, als ich dem Gipfel des Vojak näher komme. Alles läuft wie geschmiert. Ein paar Kilometer später muss ich völlig überraschend zur Kenntnis nehmen, dass ein Lauf nicht immer erst an der Ziellinie endet. 

Seit einiger Zeit habe ich beim Blinzeln ein unangenehmes, trockenes Gefühl im linken Auge. Es wirkt, als säße meine Kontaktlinse nicht mehr richtig. Eigentlich schwimmt die Kontaktlinse auf einem dünnen Tränenfilm. Der Wind und die niedrige Luftfeuchtigkeit lassen die schützende Tränenflüssigkeit auf dem Auge verdunsten und das Auge und die Linse werden trocken. Fehlt diese Tränenflüssigkeit, haftet die Linse nicht mehr stabil. Dann passiert es. Eine Kontaktlinse verliert den Halt und fällt raus. Ich bin konsterniert! Über 30.000 Kilometer bin ich bislang gelaufen. Aber so etwas ist mir in all den Jahren noch nicht passiert. Ich habe noch nie während dem Laufen eine meiner Kontaktlinsen verloren. Der Versuch, nur mit einer Linse im Auge weiterzulaufen, scheitert. Immer wieder stolpere ich, da ich die Bodenbeschaffenheit nicht richtig wahrnehmen kann. Mit etwas über 6 Dioptrien macht das in der Dunkelheit und auf steinigen und verwurzelten Pfaden einfach keinen Sinn.

Mir fällt ein, dass ich seit Jahren im Erste-Hilfe-Set zwei Stück Ersatzlinsen dabei habe. Aber es ist mittlerweile stockfinster, es ist windig und meine Hände sind nicht sauber. Außerdem habe ich noch nie ohne Spiegel die Kontaktlinse eingesetzt. Ich reinige meine Hände provisorisch mit dem Wasser aus meiner Flasks, öffne die Verpackung der Tages-Kontaktlinse und setze die Linse auf meine Fingerkuppe. Tatsächlich gelingt es mir, die Linse ins Auge zu befördern. Ich trabe weiter. Aber die Kontaktlinse sitzt nicht so gut und ein paar Minuten später fällt mir auch diese Sehhilfe aus dem Auge. Ich schaffe es, auch die zweite Ersatzlinse ins Auge zu befördern. Aber es fühlt sich an, als sei Staub oder Schmutz auf der Oberfläche. Auch diese Kontaktlinse sitzt nicht gut und außerdem reibt sie und reizt mein Auge. Ich bin perplex. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich auch diese Linse verliere. Und wenn nicht, ist eine Bindehautentzündung vorprogrammiert. Immerhin sind es bis zum Ziel noch weit über 100 Kilometer. Ersatzbrille habe ich leider keine in der Laufweste. Ein solches Problem habe ich bis dato einfach nicht kommen sehen. Nun ist guter Rat teuer. Letztendlich scheint es die einzig mögliche und sinnvolle Option zu sein, beim nächsten Checkpoint den Lauf zu beenden.

So bestätige ich der Rennleitung beim Checkpoint Poklon, dass die Startnummer 433 hier und jetzt den Lauf beenden wird. Rund 52 Kilometer bin ich gelaufen und habe dabei 3.000 Höhenmeter bezwungen. Mir wird angeboten, entweder nach Buzet oder nach Umag gebracht zu werden. Ich möchte zurück nach Umag! Aber ich muss wohl eine Zeit lang auf meinen Rücktransport warten. Denn bis zum Cut-Off sind es noch viele Stunden und bislang bin ich augenscheinlich der Einzige, der nicht weiterlaufen kann. Erst wenn der Van gefüllt ist, erfolgt die Fahrt. Letztendlich warte ich lange zwei Stunden auf die Abfahrt. Ich sitze im beheizten Van und versuche meine Gedanken zu ordnen. Nach weiteren 90 Minuten Fahrzeit über kurvenreiche Straßen inklusive zweier Vollbremsungen für ein Reh und eine Katze bin ich früh am Morgen zurück in Umag. Das Shuttle zum Hotel fährt um diese Zeit nicht. Auf ein Taxi habe ich keine Lust. So jogge ich die knapp 4 Kilometer zurück ins Hotel. Endlich kann ich die Kontaktlinse aus dem Auge nehmen. Das Auge ist stark gerötet, erholt sich aber in den kommenden Stunden rasch. Ich bin kaum müde, sondern aufgewühlt und maßlos enttäuscht. Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, dass das hier mein erstes echtes "did not finish" ist. Erst einmal konnte bzw. durfte ich die Ziellinie nicht überqueren. Das war im letzten Jahr beim Großglockner Ultra Trail. Da erfolgte der Rennabbruch durch den Veranstalter. Diesmal ist es anders. Erstmalig bin ich aus eigener Entscheidung aus einem Wettkampf ausgestiegen. Dann finde ich doch zwei Stunden Schlaf. Ich frühstücke eine Kleinigkeit und möchte mein Drop-Bag abholen. Es ist zum Glück tatsächlich schon nach Umag in die Sports Hall gebracht worden. Ich danke dem Veranstalter für dieses tolle Service, so wie generell die Organisation der Veranstaltung lobend erwähnt werden muss.

An der Hotelrezeption teile ich mit, dass ich abreise. Ich will einfach nur noch nach Hause und von meiner Familie in den Arm genommen werden.

Istrien wird mich wieder an der Startlinie sehen. Voraussichtlich schon im kommenden Jahr. Und ja, ich werde eine Ersatzbrille in der Laufweste mit dabei haben.

10.04.2026: Istria 100 by UTMB - Erlebnisbericht


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Sonntag, 22. März 2026

22.03.2026: Salomon Lindkogel Trail - Laufbericht

Zum 10. Mal wird der Salomon Lindkogel Trail ausgetragen und zum bereits 5. Mal stehe ich selbst an der Startlinie. Zum wiederholten Mal bin ich für den Ultra Trail gemeldet. Die Strecke ist 54,5 Kilometer lang und weist 2.370 Höhenmeter auf.

Wenn bloß das frühe Aufstehen nicht wäre. Denn um bereits 04:15 Uhr reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, um zwei Tassen Kaffee später im Auto auf dem Weg nach Bad Vöslau zu sitzen, wo um 07:30 Uhr der Startschuss fällt. 

Am Vorplatz des Thermalbades Vöslau sind bereits alle Vorkehrungen getroffen, um ein gelungenes Trailrunning-Fest zu feiern. So sind hier eine Moderatorenbühne sowie der Start- und Zielbogen aufgebaut, die Kleiderabgabe und Startnummernausgabe eingerichtet, WC-Anlagen stehen ebenso wie Tische und Bänke für die Labung nach dem Zieleinlauf bereit. Eigentlich fehlt es nur an einer Duschmöglichkeit.

Die Temperatur liegt nur wenige Grad Celsius über dem Gefrierpunkt, als ich dick eingemummt zur Startnummernausgabe gehe. Mir wird die Startnummer 3 zugeteilt. Das Goodie-Bag gibt es traditionell erst im Ziel; hoffentlich gemeinsam mit der Finisher-Medaille.

Es herrscht nicht unbedingt meine Wohlfühl-Temperatur. Auch wenn es im Tagesverlauf meist sonnig sein wird, so klettern die Temperaturen kaum über 12, 13 Grad Celsius. Dazu weht oft ein kühler Wind. Für die meisten Teilnehmer wird es ein beinahe perfektes Laufwetter sein. Ich für meinen Teil bin ein Genussläufer und dazu zählt, dass die Sonne vom Himmel knallt und der Schweiß in Strömen fließt ;-).

In meiner Salomon-Laufweste führe ich 2 Softflasks mit Wasser, 6 Gels meines Vertrauens, einen Trinkbecher, ein Erste-Hilfe-Set und eine Regenjacke mit. Ersatz-Kontaktlinsen und ein Müllsack dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Ich nehme Startaufstellung. Einige Fotos werden gemacht und nach einem kurzen Race-briefing verabschiedet uns der Veranstalter auf die Strecke.

Zeit für ein gemütliches Warmlaufen gibt es hier nicht. Denn vom Start weg, zuerst auf einer gepflasterten Straße mit Stufen, später durch den Kurpark mit seinem alten Baumbestand, werden gleich mal einige Höhenmeter gesammelt. Meine Beine, von den letzten Trainingswochen schon reichlich vorermüdet, fühlen sich nicht sonderlich locker an. Aber damit habe ich gerechnet. Also abhaken und dem Müdigkeitsgrad der malträtierten  Gliedmaßen keine weitere Beachtung schenken.

Auf wunderbar zu laufenden Waldpfaden geht es hoch zum Jubiläumskreuz Bad Vöslau. Hier halte ich für einen ersten Foto-Stopp, bevor ich den Aufstieg zum Sooßer Lindkogel fortsetze. Die erste von vier markanten Erhebungen ist nach rund 7 Kilometer bezwungen. 

Auf den kommenden Kilometern wechseln sich technisch anspruchsvollere Singletrails mit "Waldautobahnen" ab. Die Strecke fällt moderat bis vereinzelt steil und lässt sich grundsätzlich großartig laufen. Achtsamkeit ist jedoch gefragt. Denn untern den Blättern lauern mit Wurzeln und teils großen Steinen potenzielle Stolperfallen. Ich habe meine Position im Läuferfeld gefunden und kann ungestört mein eigenes Tempo laufen. Nach rund 11,5 Kilometer führt die Strecke raus aus dem Wald und ich laufe entlang der Steinbruchgasse in Richtung Helenental zügig abwärts.

Nach einem schönen Teilstück parallel zur Schwechat steht mir der Anstieg zur Sina-Warte bzw. zum Schutzhaus Eisernes Tor bevor. Hier nehme ich meine Trailrunning-Stöcke zu Hilfe. Schritt für Schritt geht es aufwärts. Die Frühjahrsblüher bedecken hier den Waldboden mit einem wunderschönen grünen Teppich. Oben angekommen, mache ich ein paar Fotos und verstaue meine Stöcke wieder im Köcher meiner Laufweste, bevor es auf Schotterwegen moderat abschüssig hinab ins nächste Tal geht. Selten, dass mal ein paar hundert Meter auf Asphalt zu laufen sind. Uns Teilnehmern wird beim Lindkogeltrail wirklich eine tolle Strecke geboten!

Im Ort Maria Raisenmarkt ist der Talboden erreicht. Hier an der Labestation nehme ich ein weiteres Gel zu mir. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und Iso. So bin ich nun für die Schleife auf den Peilstein gewappnet. Zuerst geht es entlang des Groisbaches und später über einen tollen Singletrail einen Hohlweg empor. Über Waldpfade und zu guter Letzt über kräfteraubende, hohe Stufen steige ich dem Gipfelkreuz entgegen. Die Strapazen des Aufstieges werden mit toller Fernsicht entlohnt. Über mäßig fallende Waldwege geht es wieder zum Ort Maria Raisenmarkt hinunter. Polizisten regeln das gefahrlose Queren der Straße und sichern die Labestelle ab.

Nach einer kurzen Trailpassage folgt ein längerer Abschnitt auf einer asphaltierten Gemeindestraße. Ein letzter nennenswerter Aufstieg wartet noch darauf, bezwungen zu werden. Kontinuierlich führt der Weg hoch. Die befestigte Straße weicht einem Schotterweg und letztendlich einem Pfad. Geschafft! Ab  Kilometer 40 geht es nun mehrheitlich fallend zurück nach Bad Vöslau.

Bergab wechseln sich Singletrails und Forststraßen ab. Mir geht es nach wie vor recht gut. Klar nörgeln die Muskeln und Gelenke. Aber das gehört dazu, wenn man sich an ultralange Strecken wagt. Und diese Wehwehchen sollte man in Kauf nehmen und sie nicht - wie leider häufig beobachtet - mit Schmerztabletten lindern.

Auf einem flachen Schotterweg trabe ich auf die letzte Verpflegestelle zu. Rund 5 Kilometer liegen noch vor mir, als ich mit Cola und einem weiteren Gel meine Energiereserven ein letztes Mal auffülle.

Inmitten von Weinhängen geht es die Merkensteiner Straße hoch. Die letzten 3 Kilometer führen auf Singlepfaden durch den Kurpark Bad Vöslau. Hier heißt es nochmal konzentriert zu laufen, um nicht - schon reichlich ermüdet - über eine der zahlreichen Wurzeln oder Steine zu stolpern. Ich höre bereits die Moderatorenstimme, als ich die letzten paar hundert Meter auf Pflastersteinen abwärts laufe.

Nach 6 Stunden und 42 Minuten ist es dann vollbracht. Ich überquere als insgesamt 68. von 195 Finishern die Ziellinie. In der Altersklassenwertung AK50 klassiere ich mich unter 37 Teilnehmern auf Platz 10. Mir wird die Finisher-Medaille um den Hals gehängt und das Goodie-Bag ausgefolgt.

Fazit: Die Strecke des Lindkogeltrails ist mit wenigen Ausnahmen technisch nicht sehr anspruchsvoll und großteils sehr gut laufbar. Mit einer Distanz von knapp 55 Kilometern und beinahe 2.400 Höhenmeter ist der Ultra Trail keinesfalls zu unterschätzen. Daher sollte schon eine gewisse Lauferfahrung über längere Strecken vorhanden sein. Entschädigt wird der Teilnehmer mit wunderbar zu laufenden Singletrails, Wald- und Schotterwegen sowie mit großartigen Aussichten von der Sina-Warte oder vom Peilstein. Die Verpflegestellen sind gut positioniert und ausreichend bestückt. Die zahlreichen Helfer sind sehr freundlich, die Streckenmarkierung lückenlos. Der Start-/Zielbereich im Bereich des Thermalbades Vöslau bietet eine gute Infrastruktur bei tollem Ambiente.

22.03.2026: Salomon Lindkogel Trail - Laufbericht


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Samstag, 26. Juli 2025

25.07. - 26.07.2025: Großglockner Ultra-Trail - DNF (Durfte nicht finishen)

Großglockner Ultra-Trail - Wolfgang Kölli
Ich sitze mit nassen Klamotten im vollbesetzten Bus und werde von Kals zurück ins Start- und Zielgelände nach Kaprun gebracht. Die kurvenreiche Fahrt wird knapp eineinhalb Stunden dauern. Zeit genug, in frustrierte, nachdenkliche, teils auch in erleichterte Gesichter zu blicken und über Sitzreihen hinweg heftige Diskussionen über das gerade Geschehene zu belauschen. Ich beginne zu frieren. Zu lange stand ich auf der Straße und wartete auf den Bus. Aus Sorge, ich könnte auch in diesem Bus keinen Platz finden, habe ich meine Position in der ersten Wartereihe nicht auf´s Spiel gesetzt, um mich umzuziehen. Nun krame ich endlich ein trockenes Langarmshirt, eine Haube und Handschuhe aus meiner Laufweste. Bald ist es mir wieder wärmer.

Auf der Strecke war mir trotz Dauerregen nicht kalt. Da war ungeachtet der sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen alles im Lot. Ich war mental und körperlich perfekt eingestellt und meine Ausrüstung hatte ich im Hinblick auf das prognostizierte Schlechtwetter mit großer Sorgfalt gewählt. Aber leider haben es nicht alle geschafft, sich warm zu halten. Einige Läufer haben die Warnungen der Meteorologen ignoriert und sind mit minimalistischer Pflichtausrüstung auf die Strecke gegangen. Stark unterkühlt wollten und konnten dann einige Teilnehmer die Checkpoints Luckner-Haus und Glorer Hütte nicht mehr verlassen und haben durch ihr verantwortungsloses Handeln den Rennabbruch des Großglockner Ultra-Trail zumindest mitzuverantworten. Denn dem Veranstalter blieb ob dieser Entwicklung wohl keine andere Wahl und so wurde der Großglockner Ultra-Trail für vorzeitig beendet erklärt. Mit dieser Entscheidung wurde mir mein Finish genommen. Es ist mein erstes DNF. Noch nie musste ich einen Lauf vor dem Erreichen der Ziellinie abbrechen. Heute durfte ich nicht weiterlaufen. Nun habe ich ein DNF, ein wie ich es nenne DURFTE NICHT FINISHEN, in meiner Laufstatistik stehen.

Aber von vorne: Vom Veranstalter wird der Großglockner Ultra-Trail als einer der härtesten Ultraläufe beworben. Und die imposanten Parameter unterstreichen diese Aussage. Auf 110 Kilometer Distanz warten 6.500 positive Höhenmeter auf die Teilnehmer. Vier Pässe auf über 2500 Meter Seehöhe sind zu überqueren und mehr als die Hälfte der Strecke verläuft auf über 2.000 Meter Höhe. Das Panorama ist zweifelsfrei atemberaubend. Immerhin verläuft die Strecke rund um Österreichs höchsten Berg, den 3.798 Meter hohen Großglockner. Das vielfach sehr technische und schwierige Terrain stellt eine extreme Herausforderung dar. Erfahrung mit Langstreckenrennen in den Bergen und starke körperliche und psychische Belastbarkeit sollten Grundvoraussetzung sein. Leider sind im heurigen Jahr sehr viele diesen technischen Anforderungen in Kombination mit dem schlechten Wetter nicht gewachsen.

GGUT 110 - Auf dem Weg nach Kals - Ultraläufer Wolfgang Kölli
Der Großglockner Ultra-Trail ist zudem einer von zwei in Österreich stattfindenden Ultra-Trails, die als Qualifikationslauf für den Western States 100 Endurance Run gültig sind. Ich bin ein bekennender Fan dieses geschichtsträchtigen Ultratrails durch die kalifornische Wildnis und durfte im Jahr 2022 den 161 Kilometer langen Lauf auch erfolgreich finishen und mir somit meinen sportlichen Lebenstraum erfüllen. Dass ich dennoch bislang noch nie an der Startlinie dieses Laufes mit Start und Ziel in Kaprun gestanden bin und mir hier meine Qualifikationszulassung für die Western States 100 - Startplatzlotterie geholt habe, liegt in erster Linie an den Wetterkapriolen, die fast jährlich negativen Einfluss auf die Austragung dieses Events nehmen. Und auch technisch ist dieser Ultra-Trail auf einem ganz anderen Level, als die Strecken, die ich bislang gelaufen bin. Dem nicht genug, ist auch die späte Startzeit um 22:00 Uhr Neuland und eine zusätzliche Herausforderung. Daher ist mein Respekt groß und ich gehe mit entsprechender Demut in die wettkampfspezifische Vorbereitung.

Ich reise am Tage vor dem Start mit meiner Familie nach Kaprun. Wir beziehen ein schönes und geräumiges Appartement im Nahbereich des Start- und Zielgeländes. Am späten Nachmittag schlendern wir zum Eventbereich. Der Himmel ist wolkenverhangen und die Temperaturen sind alles andere als sommerlich warm. Das kommt allerdings nicht unerwartet. Seit Tagen sind sich die Meteorologen einig und versprechen kalte Temperaturen und ausgiebigen Niederschlag. Bevor wir in unsere Unterkunft zurückkehren, gönnen wir uns ein schmackhaftes Abendessen und lauschen im Anschluss im Musikpavillon den Klängen einer Blasmusikkapelle.

Mein Vorhaben, möglichst lange zu schlafen, will nicht so recht klappen. Was hilft´s. Schlaf kann man nicht erzwingen. Ich nehme mir vor, es am späten Nachmittag mit einem Powernap zu versuchen. Nach dem Frühstück führt uns unser Weg zum Race-Office. Bevor ich meine Startnummer 13 erhalte, wird die Pflichtausrüstung kontrolliert. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass die Pflichtausrüstung nur die Minimal-Ausstattung sein kann und wir Teilnehmer uns ob der schlechten Wetterprognose adäquat ausrüsten sollen. Wie sich in den kommenden Stunden zeigen wird, ist Eigenverantwortung allerdings nicht jedermanns und jederfrau Sache. Nachhaltiger wäre es gewesen, die Pflichtausrüstung um ein Schlechtwetter-Kit zu erweitern (wie es mittlerweile auf ultralangen Strecken in Europa üblich ist) und so von offizieller Seite wärmere und wasserdichte Kleidung zu fordern. Denn dass beispielsweise die geforderte zweite trockene Langarm-Schicht alternativ auch ein Kurzarm-Shirt mit Armlingen sein darf, ist ob der prognostizierten Null Grad Celsius auf rund 2.500 Meter Seehöhe eine Farce.

Durch die Startzeit spät abends ist auch die Verpflegung tagsüber für mich Neuland. Ich entscheide mich, am frühen Nachmittag (rund 7 Stunden vor dem Start) eine Pizza zu essen. Rückblickend war die Entscheidung goldrichtig. Zurück im Apartment kann ich wider Erwarten tatsächlich rund 90 Minuten schlafen. Die Zeit bis zum Start verstreicht dennoch gefühlt in Zeitlupe. Aber irgendwann ist es dann doch soweit, sich bereit zu machen Ich ziehe mir die Laufklamotten an, nehme meine Laufweste und mein Drop-Bag und verlasse die Wohnung gemeinsam mit meiner Familie in Richtung Startbereich.

Es nieselt. Die Temperatur liegt bei rund 10 Grad Celsius. Daher habe ich mich vorerst für Shorts entschieden. Am Oberkörper trage ich ein Longsleeve. Darüber habe ich mir meine Regenjacke gezogen. Die Falte am Rücken meiner Regenjacke sorgt dafür, dass ich die Jacke über meine Laufweste tragen kann und diese einigermaßen trocken bleibt. Ich gebe mein Drop-Bag ab. Auf dieses Bag werde ich nach rund 48 Kilometer in Kals zugreifen können. Im Drop-Bag habe ich einige trockene Kleidungsstücke, ein paar Gels sowie ein Paar trockene Laufschuhe verstaut.

Der Startbereich füllt sich. Ich werde mit rund 400 weiteren Teilnehmern die 110 Kilometer lange Runde rund um Österreichs höchsten Berg in Angriff nehmen. Die Größe mancher Rucksäcke löst bei mir doch einige Verwunderung aus. Sehr viele haben - so wie ich - eine gut gefüllte Laufweste am Rücken. Denn das heutige Regenwetter verlangt nach entsprechender Ausrüstung. Hinzu kommen zwei Stirnlampen mit Ersatzbatterien, ein Erste-Hilfe-Set, Energie-Gels und noch einiges mehr. Das alles hat ein gewisses Volumen. Doch einige Teilnehmer tragen einen wirklich auffallend kleinen Rucksack. Das lässt vermuten, dass nicht jeder die Wetterwarnung ernst genommen hat.

Pünktlich zum Start macht der Regen eine kurze Pause. Ich entschließe mich daher, die Regenjacke in der Laufweste zu verstauen. Ich verabschiede mich von meiner Familie und schon geht es los. Die vermeintlich größte sportliche Herausforderung des heurigen Jahres steht mir bevor. Aber ich bin zuversichtlich, körperlich gut vorbereitet und mental auf schwierige Stunden eingestellt.

Auf einer Asphaltstraße führt die Strecke hinaus aus Kaprun. Geteerte Abschnitte werden in den nächsten Stunden aber eher die Ausnahme sein. Stattdessen werden hochalpine Pfade zu belaufen sein. Wir laufen an der Sigmund Thum Klamm vorbei und entlang des beleuchteten Klammsees. Der Regen setzt wieder ein und wird rasch stärker. Erste Nebelschwaden liegen in der Luft. Die Waldpfade und Wiesenwege sind durchnässt und schlammig.

GGUT 110 - Rennabbruch Glorer Hütte - Wolfgang Kölli
Es geht in den ersten langen Aufstieg hinauf zum Mooserboden. Serpentine um Serpentine, Höhenmeter um Höhenmeter steige ich nach oben. Die Trailrunning-Stöcke leisten mir dabei eine große Hilfe. Mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln und die Temperatur ist merklich gesunken. Ich will nicht erst warten, bis ich friere. So trete an den Rand des Pfades und ziehe mir meine Regenjacke an. Einige hiken währenddessen in kurzen Shirts an mir vorbei. Jeder ist seines Glückes Schmied. Es fühlt sich gut an, geschützt durch die hochwertige Regenjacke der tristen Witterung zu trotzen.

Immer wieder sind senkrecht hinabtosende Sturzbäche zu überqueren. Die Dunkelheit verstärkt das imposante Geräusch des Wassers. Es hört sich bedrohlich an. Die mit Brettern gelegte Brücken erscheinen im Kegel der Stirnlampe nicht sonderlich breit. Ich klassifiziere diese Querungshilfen in dreibretterbreite und zweibretterbreite Brücken. Die lediglich zweibretterbreiten Stege, selbstredend ohne schützendes Geländer, mag ich nicht sonderlich und bin immer sehr froh, wenn ich rasch auf der anderen Seite angelangt bin. Nicht auszudenken, hier in stockfinsterer Nacht ins eiskalte Wasser zu stürzen. Es fühlt sich lebensgefährlich an. Aber ich bin mental auf solche Herausforderungen vorbereitet. Viele andere offensichtlich nicht. 

Insbesondere wird der stärker werdende Nebel immer mehr zum Spielverderber. Denn die winzigen Wassertropfen im Nebel reflektieren das Licht der Stirnlampe und erzeugen eine blendende Lichtwand. So habe ich oft zwei, drei Teilnehmer im Schlepptau. Denn jemandem hinterher zu laufen, macht die Sache deutlich einfacher. Im Konvoi geht es weiterhin aufwärts.

An besonders exponierten Stellen sind Stahlseile verbaut. Sich daran festhalten zu können, während man im steilen Gelände über nasse und rutschige Gesteinsbrocken klettern muss, gibt Sicherheit. An der Reaktion mancher Teilnehmer merkt man, dass mit solch technischen Abschnitten nicht gerechnet wurde. Manchen ist die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben und sie können sich kaum überwinden, diese Passagen zu meistern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits beim ersten Checkpoint einige einen Schlussstrich ziehen und den Großglockner Ultra-Trail frühzeitig beenden. Chapeau an dieser Stelle an alle, die ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und diese für sie bestimmt kluge Entscheidung treffen. Denn die wirklich schwierigen technischen Passagen liegen noch vor uns. Und es regnet weiterhin unaufhörlich.

Den Checkpoint Mooserboden erreiche ich nach 2 Stunden und 37 Minuten. Im Zwischenranking bin ich auf Platz 69 bzw. auf Rang 9 in meiner Altersklasse klassiert. Ich gönne mir in trockener Umgebung ein Gel und fülle die Flasks auf. Lange halte ich mich nicht auf. Es geht nach wenigen Minuten wieder hinaus in die finstere und verregnete Nacht. Bei mir ist alles im Lot. Von Müdigkeit ist keine Spur, obwohl es mittlerweile weit nach Mitternacht ist.

Die Strecke führt über die Staumauer weiter in einen steilen und technischen Aufstieg. Schade, dass es dunkel ist und man die Umgebung nicht wahrnehmen kann. Weiterhin ist im Nebel der markierte Weg kaum auszumachen. Große Felsplatten und Gesteinsbrocken legen sich in den Weg. Dann ist es geschafft und das Kapruner Törl auf 2.639 Meter Seehöhe ist erreicht. Die Höhe spüre ich kaum. Vielleicht bin ich ein klein wenig mehr außer Atem als sonst. Aber alles im grünen Bereich.

Es folgt ein steiler Abstieg über schroffe, steinige und rutschige Pfade. Höchste Konzentration ist gefragt. Jeder Schritt hat Potenzial zur Stolperfalle. Und ein Sturz hätte voraussichtlich schmerzhafte Konsequenzen. Daher laufe ich besonders vorsichtig hinab Richtung Stausee Tauernmoos. Immerhin habe ich meiner Familie versprochen, heil anzukommen. In diesem Abschnitt verliere ich einige Plätze im Klassement. Die jungen Wilden sind risikofreudiger und bergab deutlich schneller als ich. Aber für mich gilt: Safety first; Platzierung eher nebensächlich. Wieder geht es nach oben. Die Höhenmeter hinauf zur Rudolfshütte auf 2.315 Meter Seehöhe wollen bezwungen werden. Nach weiteren 3 Stunden und 17 Minuten, also nach insgesamt rund 6 Stunden Laufzeit, erreiche ich auf dem 88. Gesamtrang liegend den nächsten Checkpoint. Wieder labe ich mich mit einem meiner GU-Roctane-Gels der Geschmacksrichtung Salted Chocolate und knabbere einiges an Salzgebäck. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk voll und laufe wieder in die dunkle, verregnete Nacht hinaus. Auch hier entscheiden sich einige Teilnehmer, den Lauf nicht mehr fortzuführen.

Es steht mir der überaus technische und steile Aufstieg zum Kalser Tauern auf 2.515 Meter Seehöhe bevor. Auch auf diesem Abschnitt ist durch den Regen und den Nebelschwaden mancherorts die markierte Strecke über loses Gestein und großen Felsbrocken kaum auszumachen. Die Kletterei will kein Ende nehmen. Aber irgendwann ist auch dieser fordernde Uphill geschafft. Die technischen Schwierigkeiten bleiben allerdings. Denn auch der Downhill hinab ins Dorfertal verlangt einem alles ab. Die Felsen sind rutschig, die Pfade kurvenreich und schmal. Stolperfallen wohin man auch seinen Fuß setzt. Trotz der langen Nacht, trotz der widrigsten Bedingungen und der technisch anspruchsvollen Strecke bin ich weiterhin guter Dinge. Es zeigt sich wieder, wie wichtig nicht nur die körperliche Vorbereitung, sondern auch der mentale Zugang zu solch extremen Herausforderungen ist.

Mit Blick auf den Weißsee setzt die Morgendämmerung ein. Es tut gut, die Umgebung auch außerhalb des Lichtkegels der Stirnlampe wahrzunehmen. Die Schwierigkeiten der ersten Streckenhälfte habe ich hinter mich gebracht. Vor mir liegen nun einige leicht fallende Kilometer auf einem breiten Schotterweg. Das sind seit dem Start die ersten wirklich gut laufbaren Kilometer.

Großglockner Ultra-Trail Startnummer 13 von Ultraläufer Wolfgang Kölli
Nach 9 Stunden treffe ich in Kals ein. In meiner Altersklasse liege ich auf Rang 10 und im Gesamtklassement auf dem 92. Rang. Hier herrscht reger Betrieb. Denn in einer knappen Stunde startet hier der Großglockner Trail mit 57 Kilometer Distanz. Es ist die selbe Strecke zu belaufen, die auch uns Teilnehmern des Großglockner Ultra-Trail noch bevorsteht. Ich hole mir mein Drop-Bag und fülle meinen Gel-Vorrat auf. Ich ziehe mir ein trockenes Oberteil und trockene Socken an. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen mache ich mich wieder auf den Weg. Die Streckenhälfte erreicht zu haben, ist für mich immer ein wichtiger Meilenstein. Zuversichtlich verlasse ich den Checkpoint Kals, nichtsahnend bald wieder hierher zurücklaufen zu müssen.

Der Regen lässt etwas nach, als ich den kilometerlangen Anstieg hinauf zu den sogenannten Greiwiesen in Angriff nehme. Auf der Strecke wird es unruhig, denn die ersten Teilnehmer des Großglockner Trails laufen an mir vorbei. "Ausgeruht und mit frischen Beinen ist es leicht schnell zu sein!", murmle ich in mich hinein. Es ist nicht mehr weit bis zum nächsten Checkpoint Luckner-Haus. Doch in der Ferne scheint hektisches und aufgebrachtes Treiben zu herrschen. Gestikulierende Teilnehmer kommen wieder den Berg hinabgelaufen. Was passiert hier gerade? Läufer um Läufer gehen oder laufen an mir vorbei und teilen mir unmissverständlich mit, dass wir wohl nach Kals zurücklaufen müssten. Das Rennen sei abgebrochen worden und wir werden in Bussen zurück nach Kaprun gebracht. Ich stehe eine Weile verdutzt da und checke auf meinem Smartphone die Facebook-Seite des Veranstalters. Hier ist es bestätigt. Der Großglockner Ultra-Trail ist gecancelt. Auch meine Frau ruft an und will wissen, ob ich vom Abbruch erfahren habe. Denn im Live-Tracking würde ich weiterhin auf dem Weg zum Luckner-Haus sein. Merkwürdigerweise laufe ich tatsächlich als blinkender Punkt auf der virtuellen Streckenkarte eine hochgerechnete Zeit ins Ziel weiter.

Im wirklichen Leben trabe ich locker in den Talboden nach Kals zurück. Die ersten Busse sind voll und abgefahren. Zum einen mit Teilnehmer des Großglockner Ultra-Trail, die von Kals gleich gar nicht mehr weiterlaufen durften. Zum anderen mit den hunderten Teilnehmern des Großglockner Trails, die ebenfalls vor mir wieder zurück in Kals waren. So dauert es leider eine lange Zeit, bis ein weiterer Bus kommt und ich endlich darin einen Platz finde. 

Zurück in Kaprun gönne ich mir im Apartment erstmal eine heiße Dusche und ein paar Tassen Kaffee. Trotz Müdigkeit kann ich nicht schlafen. Zu aufgewühlt bin ich über mein erstes DNF. Wenn ich an die Startlinie gegangen bin, habe ich es in all den Jahren jedes mal ins Ziel geschafft. Und da hatte ich durchaus harte und schmerzhafte Stunden zu überstehen. Allen aufgetretenen Problemen trotzte ich und holte mir die verdienten Zielankünfte. Bloß heute nicht. Es fühlt sich sehr unbefriedigend an, dieses "did not finish", welches eigentlich ein "durfte nicht finishen" ist. 

Am Nachmittag holen wir mein Drop-Bag ab. Auch Finisher-Medaillen liegen zur freien Entnahme auf einem Tisch im Zielbereich. Warum ich mir eine mit nach Hause nehme? Ich weiß es nicht. Vermutlich, weil ich überzeugt bin, dass ich den Großglockner Ultra-Trail am heutigen Tag ins Ziel gebracht hätte. In diesem Augenblick laufen die beiden Sieger über die Ziellinie. Dass eine Handvoll (Elite-)Läufer das Rennen dennoch bis zum Ziel fortführen durften, hinterlässt bei mir einen weiteren fahlen Beigeschmack. Denn ein Abbruch sollte dann doch für alle Teilnehmer gelten.

Ein paar Tage später postet der Veranstalter auf seiner Website eine Stellungnahme. Viele der unterkühlten Läufer hätte die Hinweise aus dem Race-Briefing nicht beachtet und wären viel zu leicht bekleidet unterwegs gewesen. Diese Leichtsinnigkeit habe den Abbruch verursacht. Als offizielles Ergebnis wird meine Zwischenzeit von Kals hergenommen. Mit den Organisatoren des Western States 100 Endurance Run wird ein Deal vereinbart. Alle, die bis zur Glorer Hütte gelaufen sind, werden für die nächste Lotterie zugelassen werden. Da fehlen mir leider ein paar Kilometer. So werde ich nach vielen Jahren das erste Mal nicht im Lostopf sein. Aber ich will nicht länger Trübsal blasen, denn dieser schöne Sport hat mir schon so viele unglaublich erlebnisreiche und schöne Stunden auf den Trails dieser Welt beschert. Aufstehen, Krone richten und weiterlaufen!

Man kann nur hoffen, dass man seitens der Organisatoren daraus lernt und für die Zukunft eine ergänzende Mindestausrüstung bei Schlechtwetter verlangt bzw. diese Ausrüstung beim Zugang zum Startbereich kontrolliert. Vielleicht sollten auch die Zugangskriterien angepasst werden. Denn ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass viele Teilnehmer mit den technischen Rahmenbedingungen dieses hochalpinen Ultra-Trails überfordert waren. Wie Schönwetterfotos auf Facebook & Co. lassen nämlich nicht vermuten, wie schwierig dieser Lauf rund um den höchsten Berg Österreichs ist. Ob ich selbst nochmals in Kaprun an die Startlinie gehe? Vermutlich ja, denn es liegt in meiner DNA, Dinge zu Ende zu bringen.

25.07. - 26.07.2025: Großglockner Ultra-Trail - DNF (Durfte nicht finishen)


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Samstag, 28. Juni 2025

28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht

Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht Wolfgang Kölli
In wenigen Minuten erfolgt der Start des 37. Veitscher Grenzstaffellaufes. Seit jeher wird die Strecke mit 54 Kilometer Länge und 2040 Höhenmeter beworben. Einige erforderliche Streckenanpassungen in den letzten beiden Jahrzehnten haben jedoch dazu geführt, dass die aktuelle Strecke mit rund 50 Kilometer etwas kürzer ist, dafür aber rund 2200 Höhenmeter aufweist. 

Meine Laufweste ist mit allem Notwendigen bestückt. Ein Erste-Hilfe-Set habe ich so wie eine Regenjacke in den Bergen immer mit dabei. Zwei Flasks mit Wasser, einige Gels meines Vertrauens und die Stöcke im Salomon Custom Quiver runden meine Ausstattung ab.

Ich bin voller Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden auf den Trails entlang der Gemeindegrenze der Ortschaft Veitsch. Der Start befindet sich hier vor dem JUFA-Hotel auf rund 670 Meter Seehöhe und der höchste Punkt der Strecke im Bereich des Graf-Meran-Hauses liegt auf etwa 1860 Meter Seehöhe.

Meine körperliche Verfassung könnte etwas besser sein, denn es stecken doch schon wieder einige Wochen-Trainingskilometer in den Beinen. Nüchtern betrachtet ist der heutige lange Lauf ein weiterer Meilenstein in der Vorbereitung für meine Teilnahme am Großglockner Ultra-Trail. Es ist also nicht der Tag, an dem Bestzeiten erzielt werden sollen.

Ich stehe nach 2023 zum zweiten Mal hier in St. Barbara im Mürztal an der Startlinie. Vor zwei Jahren musste die Streckenführung auf Grund des starken Sturms und der tiefen Temperaturen am Gipfel der Hohen Veitsch angepasst werden. Was soviel heißt wie dass die sogenannte Schlechtwetterroute gelaufen wurde. Ich fand es damals sehr schade, nicht auf der Originalstrecke laufen zu können. Denn zu allem Überfluss hieß es, dass die Veranstaltung zum letzten Mal stattfände. Zum Glück hat sich der Veranstalter entschieden, dieses tolle Event fortzuführen.

Grenzstaffellauf Veitsch - Teufelssteig - Laufbericht Wolfgang KölliAuch heute sorgt eine Durchsage vor dem Start kurzzeitig für Ungewissheit. Denn man müsse mit der Bergrettung abklären, ob heute die Originalstrecke gelaufen werden könne. Am Berg käme starker Wind auf. Aber bald gibt es Entwarnung. Heute wird die Originalstrecke belaufen. 

Ich bin glücklich darüber, heute den Teufelssteig hoch zum Graf-Meran-Haus laufen bzw. hiken zu dürfen. Das Wetter ist bei leicht bewölktem Himmel für diese Laufveranstaltung beinahe optimal. Auch die Stimmung unter den Teilnehmern und Zuschauern ist sehr gut. Alle Zutaten für einen erlebnisreichen und schönen Lauf sind somit im Kochtopf!

Mein Focus ist auf eine gute Einteilung der verbliebenen Kräfte gerichtet und zudem ermahne ich mich, konzentriert zu laufen. Schließlich liegt man beim Trail-Lauf wegen einer Unachtsamkeit schneller auf allen Vieren, als einem lieb ist.

Vom Start weg geht es leicht fallend hinaus aus dem Ortskern in Richtung Süden. Nach einem guten Kilometer wartet auch schon der erste Anstieg. Das erste Drittel der Strecke verläuft mal mehr, mal weniger steigend überwiegend auf Forststraßen. Die Streckenmarkierung ist lückenlos. Auch die Verpflegestellen sind gut positioniert und mehr als ausreichend bestückt. Auch an vielen freundlichen Helfern mangelt es nicht. Insbesondere an den beiden Wechselzonen für die Staffelläufer herrscht ausgelassene Stimmung und man wird mit tosendem Applaus willkommen geheißen.

Das erwartete Highlight ist auf jeden Fall der Aufsteig über den sogenannten Teufelssteig. Auf einer Länge von rund 2 Kilometer sind hier 350 Höhenmeter zu überwinden. Ich nehme die Herausforderung recht defensiv in Angriff und erklimme ohne nennenswerte Schwierigkeiten die steilen Serpentinen. Nach einer kurzen Labe beim Graf-Meran-Haus geht es noch einige Höhenmeter aufwärts und es wartet ein etwas technischer, aber wunderbarer Streckenabschnitt entlang des Kammes. Aufkommende Windböen trüben die Lauffreude kaum.

Grenzstaffellauf Veitsch - Finisher Wolfgang KölliÜber einen technisch mäßig fordernden Abstieg geht es von nun an stetig Richtung Tal. Schmale, zum Teil durch hohe Gräser und bodennahes Strauchwerk zugewachsene Pfade erfordern ein hochkonzentriertes Laufen. Denn die Pfade sind mit Steinen, Wurzeln und einigen Unebenheiten gesäumt. Diese Stolperfallen sieht man jedoch kaum oder nur im aller letzten Moment. 

Ich habe wider Erwarten noch einige letzte Kraftreserven im Tank und so kann ich auch  die letzten Kilometer im Downhill genießen und in einem guten Tempo Richtung Ziel laufen. Mit einer Endzeit von 6 Stunden und 18 Minuten klassiere ich mich auf Platz 8 meiner Altersklasse und in der Gesamtwertung nehme ich von insgesamt 85 Teilnehmern den 41. Rang ein.

Die - wie ich finde - sehr gut gelungene Finisher-Medaille wird mir um den Hals gehängt und ich genieße mit dem sogenannten Ziel-Bier noch einige Zeit das tolle Ambiente rund um den Veitscher Grenzstaffellauf.

Ein Lob dem Veranstalter: Der Teilnehmer findet hier beim Veitscher Grenzstaffellauf eine sehr gut organisierte Veranstaltung samt lückenloser Streckenmarkierung, reichlich Labestellen, einem abwechslungsreichen Laufuntergrund, ein Ziel-Fest mit Speis' und Trank, freundliche Helfer, Duschmöglichkeiten beim Jufa und noch einiges mehr vor!


28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht


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