Samstag, 6. September 2025

06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht

Torlauf Dachstein - Ultraläufer Wolfgang Kölli
"Manchmal muss man sich zum Glück zwingen!", heißt es in einem Sprichwort. Das trifft für meine Teilnahme am Torlauf Dachstein recht gut zu. Die Fotos und Streckenvideos von vergangenen Veranstaltungen haben mein Interesse sofort geweckt. Allerdings ist der Torlauf Dachstein punktuell auch sehr technisch. Insbesondere der Abstieg von der Edelgrießhöhe (inklusive Klettersteig und teilweiser Seilversicherung) hat es für jemanden, der ein klitzekleinwenig an Höhenangst leidet, in sich.

Aber durch meine heurige Teilnahme am Großglockner Ultra Trail habe ich auf technisch exponierten Abschnitten reichlich Erfahrung sammeln können und so fühle ich mich für den Lauf in der wunderschönen Ramsau am Dachstein letztendlich gut vorbereitet.

Der Start ist für 8 Uhr geplant. Da mir zwei Stunden Anreise bevorstehen, ist die Nacht kurz. Nach zwei Tassen Kaffee fahre ich voller Vorfreude in die Obersteiermark.

Ein wenig länger hätte ich schlafen können. Denn bald nach meiner Ankunft erfolgt seitens des Veranstalters die Durchsage, dass der Start um eine Stunde nach hinten verschoben wird. In der Nacht hat es am Berg leicht geschneit und es wird zugewartet, bis die Kraft der Sonnenstrahlen diese paar Flocken zum schmelzen bringt.

Der Start- und Zielbereich ist im WM-Stadion eingerichtet. Im Jahr 1999 hat hier die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattgefunden. Die Skisprunganlage und das Stadion sind nach wie vor in Betrieb. So finden hier regelmäßig Weltcup-Veranstaltungen der Nordischen Kombination statt. Eine geplante Bewerbung für eine neuerliche Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Jahr 2031 scheitert wie so oft an den notwendigen finanziellen Mittel.

Edelgrießhöhe Dachstein
Vor dem Start erhalten wir neben der Startnummer und einem Essens-Bon auch einen GPS-Tracker. So ist unsere Position jederzeit abrufbar und dient der Sicherheit aller Teilnehmer. Und schon geht es los. Die ersten Kilometer hinaus aus dem WM-Stadion verlaufen auf schmalen Wegen recht flach und sind gut laufbar. Entsprechend hoch ist das eingeschlagene Tempo. Nach gut 8 Kilometer ist der Einstieg zur Silberkarklamm erreicht. Über unzählige Holzstufen geht es die Klamm hoch. Unmittelbar daneben rauscht das Wasser zwischen große Felsen zu Tal. Ein Überholen ist hier auf den Treppen kaum möglich. Aber ich habe meinen Platz im Teilnehmerfeld ohnehin gefunden und steige Meter um Meter zur Silberkarhütte hinauf.

Hier bei der Silberkarhütte ist auch die erste Labestelle positioniert. Es ist ein kleiner Tisch mit Getränken aufgebaut und das Gedränge herum ist recht groß. Ich fülle hastig meine Wasserflasche auf und mache für die Nächsten Platz.

Die Trailrunning-Stöcke habe ich aus dem Köcher der Laufweste genommen. Sie werden mir auf den kommenden steilen 10 Kilometern eine große Hilfe sein. Auf meist engen und steinigen Serpentinen führt uns die Strecke immer weiter in die Höhe. Punktuell sind die Abschnitte derart technisch und felsig, dass ich die Hände zu Hilfe nehmen muss.

Bei der Labe am Guttenberg-Haus auf 2.146 Meter Seehöhe versorge ich meine Speicher mit Nachschub. Ich nehme ein weiteres Gel zu mir und fülle die beiden Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk auf. Die höchste Stelle der Strecke ist allerdings noch nicht erreicht. Es geht weitere knapp 500 Höhenmeter aufwärts. Wir sind längst über der Baumgrenze. Die Landschaft nimmt bizarre Formen an. Ein Läufer tritt ein paar Serpentinen oberhalb einen kleinen Steinschlag los. Zum Glück kann ich den herabfallenden Schotterstücken aus dem Weg gehen.

Die Strapazen des Aufstiegs werden hier heroben mit einer großartigen Geröll-Landschaft belohnt. Ich bin vom ungewöhnlichen Anblick der grauen Gesteinsoberfläche hin und weg. "Gut, dass du heute hier an den Start gegangen bist!", bestätige ich mir selbst meine kluge Entscheidung.

Guttenberg-Haus
Der Abstieg von der Edelgrießhöhe steht unmittelbar bevor. Vorher mache ich jedoch noch ein paar Fotos dieser - ich wiederhole mich - abstrakten, bizarren, atemberaubend schönen und ungewöhnlichen Landschaft. Die ersten Meter geht es seilversichert abwärts. Nun folgt ein rund 10 Meter hoher Klettersteig. Ich verstaue meine Stöcke im Köcher, um die Hände frei zu haben. Unter mir steigt ein Teilnehmer sehr zaghaft die senkrechten, in den Fels gehauenen Metallbügel hinunter. Dann herrscht plötzlich Stillstand. Der Kollege ist wohl am Limit. Bock habe ich keinen, hier noch lange auf den Metallzargen stehend auszuharren. Ich will auch runter! Endlich geht es weiter. Teils sind die Abstände zwischen den Klammern so groß, dass ich mich langsam am Fels hinuntergleiten lasse. Dann habe ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Wobei fester Boden nicht ganz der Realität entspricht. Der Untergrund ist feinkörniger Schotter, auf dem kaum Halt zu finden ist. Es scheint, als würde man bei jedem Schritt mit einem Kubikmeter Schotter zu Tal rutschen. Die Stöcke wieder zu Hilfe zu nehmen, wäre schlau gewesen.

Zweimal leere ich auf dem Downhill meine Schuhe aus. Der feine Kies würde mir in den folgenden Stunden wohl die Haut aufscheuern und unnötige Probleme verursachen. Gamaschen hätten das Eindringen der feinen Steine in den Schuh verhindert. Aber man kann nicht an alles denken. Und so ein kleiner Schuh-Boxenstopp ist jetzt kein großes Ding.

Das feine Geröll weicht einem schmalen, stark verwurzelten Pfad. Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Auf diesem Streckenabschnitt zu stolpern und zu stürzen, würde gar keinen Spaß machen.

Bei der nächsten Labestelle greife ich zu Obst und Salzgebäck. Gut gestärkt trabe ich rund 200 Höhenmeter hinauf zur Dachstein-Südwand-Hütte. Hier sitzen bei herrlichem Wetter viele Wanderer auf den Holzbänken und sorgen für eine gute Stimmung.

Finisher-Medaille Torlauf Dachstein
Es folgt ein recht steiler Abstieg. In Serpentinen geht es auf rutschig erdigem Terrain wieder viele Höhenmeter talwärts. Es folgt ein schön zu belaufender Trail über kupiertes Gelände. Bei der nächsten Labestelle auf der Walcheralm nehme ich bloß ein Stück Banane zu mir und fülle die Flasks mit Wasser auf. Ich jauchze innerlich. Die Landschaft, die Trails, das Wetter, mein Wohlbefinden, all das könnte nicht besser sein.

Das heutige Laufabenteuer nähert sich dem Ende. Die nächsten paar Kilometer sind auf einem moderat fallenden Schotterweg zu laufen. Auf diesem Abschnitt überhole ich noch einige Mitbewerber. Obwohl ich im Talboden den Stadionsprecher schon hören kann, ist noch eine größere Schleife zu laufen. Aber auch diese Höhenmeter bringe ich noch gut hinter mich, bevor ich Richtung Station laufen darf. Nach 6 Stunden und 41 Minuten bringe ich die 42 Kilometer mit 2.600 Höhenmeter in einer für mich sehr zufriedenstellenden Zeit zu Ende. In meiner Altersklasse belege ich unter 28 Teilnehmern den 5. Rang.

Im Ziel wird mir die Finisher-Medaille und das wohlverdiente Ziel-Bier gereicht. Nach einer Dusche im Schwimmbad löse ich den Essens-Bon ein und genieße ein sehr leckeres Nudelgericht. Bloß bei der Startnummern-Lotterie habe ich kein Glück. Aber das ist nun wirklich keine große Überraschung.

Am Heimweg lasse ich die letzten Stunden Revue passieren. Der Torlauf Dachstein hat es mir angetan. Trotz des technischen Abstiegs von der Edelgrießhöhe möchte ich diese außergewöhnliche Landschaft noch einmal zu Gesicht bekommen. So melde ich mich ein paar Tage später tatsächlich für den Torlauf Dachstein 2026 an.

06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht


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