Samstag, 22. August 2026

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht

Das Koralm Trailrunning Event hatte im Jahr 2022 seine Geburtsstunde. In den ersten beiden Jahren konnte ich selbst nicht an der Startlinie stehen. Aber seit dem Jahr 2024 bin ich Dauergast im weststeirischen Deutschlandsberg. Und das aus gutem Grund. Zum einen lässt die Organisation durch den Koralm Trailrunning Club eigentlich keine Wünsche offen. Zum anderen stehen landschaftlich wunderschöne und anspruchsvolle Strecken zur Auswahl.

Drei Teilnahmen, drei verschiedene Strecken: Während ich im Jahr 2024 über die sogenannte "LONG-Distanz" mit Start und Ziel in Deutschlandsberg rund 58 Kilometer und 2.600 Höhenmeter zu laufen hatte, wurde diese längste der angebotenen Strecken im Jahr 2025 auf satte 68 Kilometer und 3.100 Höhenmeter verlängert. Start und Ziel waren ebenfalls in Deutschlandsberg. Diese "LONG-Distanz" steht heuer nicht mehr zur Auswahl. Ich kann es auch verstehen. Denn der Aufwand für die Planung, Beschilderung und Bestückung mit Labestellen ist für eine solch große Distanz enorm. Dem gegenüber standen im Vorjahr lediglich 30 Teilnehmer.

In diesem Jahr ist die längste zur Auswahl stehende Strecke die sogenannte "Marathon-Distanz", die in Wirklichkeit mit seinen 51 Kilometern und 2.800 positiven Höhenmetern ein waschechter Ultralauf ist. Spannend ist, dass der Start im benachbarten Bundesland Kärnten, konkret in Wolfsberg, erfolgt. Über die Koralpe und Weinebene führt die Streckenführung zurück in die Steiermark und ins Ziel nach Deutschlandsberg.

Eines aber bleibt immer gleich. Nämlich das frühe, erbarmungslose und schadenfrohe Klingeln des Weckers. In den Jahren davor erfolgte jeweils um 06:00 Uhr morgens der Startschuss zu den Laufbewerben. Heuer ist um diese Uhrzeit die Abfahrt der Busse geplant, die uns von Deutschlandsberg nach Wolfsberg bringen. Dieses Shuttle-Service konnte im Anmeldeprozess gebucht werden.

Nach zwei Tassen Kaffee sitze ich im Auto und erreiche nach rund 35 Minuten Fahrzeit die Stadtgemeinde Deutschlandsberg. Wenn ein Lauf so früh am Morgen startet, verzichte ich in der Regel auf ein Frühstück. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, einfach ein paar Minuten vor dem Start eines meiner bewährten Gels zu mir zu nehmen. Am Parkplatz der Koralmhalle herrscht schon reges Treiben. Eine Stimmung voller Vorfreude und Aufregung liegt in der Luft. Die Abfahrt der Busse erfolgt pünktlich. Ich habe keinen Sitznachbarn und so kann ich meine Füße ein wenig ausstrecken und es mich gemütlich machen. Eine Stunde später treffen wir in Wolfsberg ein.

Hier beim Schloss Wolfsberg wird vom Veranstalter kurzerhand ein Startbogen aufgeblasen und Tische für die Startnummernausgabe aufgestellt. Ich erhalte die Startnummer 3036 und den dazugehörigen GPS-Tracker. Sicherheit wird hier seitens des Veranstalters groß geschrieben und so sind wir alle in den kommenden Stunden per Satellitennavigation zu lokalisieren. Der Veranstalter begrüßt uns sehr herzlich und brieft uns hinsichtlich Pflichtausrüstung, Wettervorhersage, Schlusszeiten und Streckenmarkierung. Beim Zutritt zum Startbereich erfolgt die stichprobenartige Kontrolle der Pflichtausrüstung. Neben einer Regenjacke und einem Erste-Hilfe-Set inklusive Rettungsdecke ist vor allem ausreichend Flüssigkeit wichtig. Denn die Labestellen sind zwar ausgezeichnet bestückt. Allerdings sind die Distanzen zwischen den Checkpoints doch recht groß. Bedingt durch die vielen positiven Höhenmeter können es dann schon mal zwei Stunden Laufzeit sein, bis die Flüssigkeitsreserven wieder aufgefüllt werden können.

Pünktlich um 08:00 Uhr erfolgt der Start und ich nehme gemeinsam mit 90 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern die selektive Strecke in Angriff. Und die ersten Kilometer haben es in sich. Mit wenigen Ausnahmen gut laufbarer Passagen führt die Strecke über das Raucheck und auf Trails parallel zur Koralpenstraße stetig aufwärts. Mal steil, mal moderater, aber aufwärts. Wie sollte es auch anders sein. Immerhin warten auf den ersten 14 Kilometern respekteinflößende 1.800 Höhenmeter auf uns.

Ich finde rasch meinen Platz im Teilnehmerfeld und kann von Beginn weg ungehindert mein eigenes Tempo laufen. Die erste Labestelle ist beim Koralmdorf nach rund 12 Kilometer erreicht. Alles Notwendige - und noch mehr - steht hier bereit. Betrieben werden die Checkpoints von Helferinnen und Helfer, die vor Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und guter Laune nur so strotzen. Ich brauche nicht viel. Immerhin habe ich erst vor zwei, drei Kilometer ein weiteres Gel zu mir genommen. Die Gels und Riegel sind entsprechend den Regularien mit der Startnummer zu beschriften. Damit soll gewährleistet sein, dass niemand seinen Müll auf der Strecke inmitten der Natur entsorgt. So fülle ich nur meine Flasks mit Wasser und Iso auf.

Nun folgen wir hier im Skigebiet der Koralpe knapp zwei Kilometer lang eine Lifttrasse Direttissima zum höchsten Punkt der Strecke, dem Gipfelkreuz des Großen Speikkogels. Während ich mich gradlinig die Steigung hochquäle, starren mich weidende Kühe mit ihren großen Augen beinahe mitleidsvoll an.

Ein leichter Regenschauer lässt mich überlegen, ob ich die Regenjacke aus der Laufweste nehmen soll. Aber der Wetterfrosch ist entgegen der Prognosen gnädig und der Niederschlag ist nicht von langer Dauer. Bald herrscht wieder kühles aber trockenes und beinahe perfektes Laufwetter.

Das Gipfelkreuz ist erreicht! Zwei Drittel der Höhenmeter des heutigen Tages habe ich hinter mich gebracht. Meine defensive Herangehensweise beim Aufstieg trägt Früchte. Ich fühle mich stark und bin für den weiteren Verlauf der Strecke guter Dinge. Auf ein Gipfelfoto verzichte ich allerdings. Zu viele Wanderer umlagern das Kreuz am höchsten Gipfel der Koralpe.

Die nächsten Kilometer verlaufen unmittelbar an der Grenze zwischen den Bundesländern Kärnten und Steiermark. Der Abstieg von der Hühnerstütze (ungewöhnlicher Name für einen knapp 2.000 Meter hohen Berg) über loses Gestein und tiefen, verwachsenen und ausgetretenen Pfaden ist technisch anspruchsvoll und erfordert meine volle Aufmerksamkeit. Immerhin habe ich meiner Familie versprochen, wieder heil nach Hause zu kommen. 

Es folgt ein moderater Aufstieg zum Moschkogelkreuz, um dann auf fallenden Pfaden und Wegen zur Labestelle auf der Weinebene zu gelangen. Hier greife ich zu gekochten Kartoffeln mit reichlich Salz. Auch Tomaten und ein Stück Käse und Trockenwurst lasse ich mir schmecken. Wieder werden die Flüssigkeitsvorräte aufgefüllt, ich bedanke mich für den tollen Service und begebe mich in den Anstieg zur Handalm.

Der Windpark Handalm mit seinen insgesamt 13 Windrädern ist erreicht. Auch ein wichtiger mentaler Meilenstein kann verbucht werden: Es ist Halbzeit der Strecke! 26 Kilometer liegen hinter mir; 25 vermeintlich gut laufbare Kilometer stehen mir noch bevor. Die meisten Höhenmeter sind geschafft. Nun ist es an der Zeit, Tempo zu machen. Bei all der Euphorie über das Gefälle darf die Achtsamkeit nicht zu kurz kommen. Denn der Pfad ist steinig und verwurzelt. Es gilt konzentriert zu laufen, die Beine zu heben und vor allem die Streckenmarkierung nicht aus den Augen zu verlieren. Da ich noch genügend Körner im Tank habe, macht das Laufen richtig Spaß. Reminder: Streckenmarkierung nicht aus den Augen lassen! Ich zweige falsch ab. Bald bemerke ich jedoch den Fehler und trabe zurück zur Gabelung. In Summe sind es nicht mehr als 200, 300 Meter Umweg. Dennoch sollten sich die Extrameter in Grenzen halten. Mit ansprechenden Kilometerzeiten geht es weiter meist fallend zur Labestelle bis nach Trahütten.

Rund 15 Kilometer trennen mich noch vom Ziel. Auf einer Schotterstraße kann ich weiterhin das Tempo hochhalten und so laufe ich zügig talwärts. Die Strecke führt durch den historischen Kreuzsteinertunnel. Dieser etwa 35 Meter lange Waldbahn-Tunnel samt der früheren Bahntrasse wird nun als beliebter Wanderweg genutzt. 

Dann folge ich einem schmalen Pfad parallel zur Laßnitz, bevor der letzte Anstieg des Tages auf mich wartet. Aber auch hier leisten mir meine Trailrunning-Stöcke gute Dienste und ehe ich mich versehe, bin ich weitere 500 Höhenmeter empor zum Scheidsberg gestiegen. Nach einem kurzen Downhill erreiche ich die letzte Labestelle vor der Ziellinie. Lautstark werde ich willkommen geheißen. Auch hier greife ich zu Kartoffeln und Tomaten mit reichlich Salz. Ein wenig Iso und Wasser fülle ich für die finalen 6 Kilometer in meine Flasks. Ich bedanke mich für den Support und laufe einen steilen Single-Trail die Klause hinunter.

Die Klause, ein romantisches Felstal im Westen von Deutschlandsberg, wird von der Laßnitz durchflossen. Die Klause wurde im Jahr 2006 zum Europaschutzgebiet ernannt und ist durch einen Fußweg erschlossen. Dieser schöne Weg unmittelbar am Gewässer lockt viele Naturliebhaber an. So auch heute. Eine Gruppe betagter Wanderer bremst mich ein. Aber ich habe es nicht eilig und so laufe ich sehr vorsichtig, verhalten und rücksichtsvoll an ihnen vorbei.

Ich habe wieder Asphalt unter den Füßen. Über Stadtwege, mal rechtsufrig, dann wieder linksufrig der Laßnitz, geht es weiterhin im flotten Laufschritt dem Zielgelände entgegen. 

Eine letzte Straßenquerung steht mir bevor. Ich höre den Helfer rufen: "Nach der Brücke rechts!". Unkonzentriert laufe ich jedoch nicht über die Brücke, sondern halte mich gleich rechts. Mir kommt es bald merkwürdig vor, denn ich weiß, dass sich das Zielgelände auf der anderen Gewässerseite befindet und auch die Moderatorenstimme ist schon zu hören. Entgegenkommende Passanten bestätigen, dass ich wohl vorhin die Laßnitz hätte queren müssen. Also zurück! In der Zwischenzeit werde ich von drei Teilnehmern überholt. Nicht schlimm, wenngleich sich Platz 27 von 91 Startern deutlich besser anhört als Rang 30. Aber egal! Ich laufe erneut am Streckenposten vorbei und frage ihn, warum er mich nicht abgehalten hat, den falschen Weg zu nehmen. Darauf der junge Mann trocken und cool: "Ich sagte doch, nach der Brücke rechts!" Ich muss innerlich schmunzeln. Klar hat er das gesagt. Aber mein Geist hat es falsch wahrgenommen. Ich laufe also über die Brücke und dann rechts, um kurz darauf nach 6 Stunden, 42 Minuten und 50 Sekunden die Ziellinie zu überqueren und die wohlverdiente Finisher-Medaille entgegen zu nehmen.

Ich gebe den Transponder ab und löse meinen Getränke-Bon ein. Im Festzelt sitzen bei guter Laune schon reichlich Finisher aller Bewerbe. Mir selbst steht noch eine Dusche mit kaltem Wasser bevor. Aber so ein Eisbad beschleunigt bekanntermaßen die Regeneration. Das ist vermutlich auch der Grund, dass ich tags darauf kaum Muskelkater verspüre und schon wieder am Tennisplatz stehe.

Fazit: Auch in diesem Jahr durfte ich eine landschaftlich sehr schöne, abwechslungsreiche und durchaus anspruchsvolle Strecke belaufen. Das Organisationsteam weiß aus eigener geballter Lauf- und Ultralauferfahrung, was Läufer benötigen und stellen es zur Verfügung. Die Checkpoints sind mehr als ausreichend bestückt und die freundlichen, stets gut gelaunten und motivierenden Helferinnen und Helfer machen das Koralm Trailrunning Event letztendlich zu einer großartigen Veranstaltung. Wenn ich auf hohem Niveau ganz klein wenig jammern dürfte: Bei knapp hundert Startern wäre vielleicht neben der Allgemeinen Klasse zumindest eine Altersklasse Masters/Seniors zum andenken. Und die Finisher-Medaille der letzten Jahre hat mir persönlich besser gefallen als die heurige. Aber nochmal: Das ist jammern auf aller höchstem Niveau. Wir sehen uns hoffentlich im Jahr 2027!

22.08.2026: Koralm Trailrunning Event - Erlebnisbericht


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