Donnerstag, 1. Januar 2026

Jahresrückblick Kompakt: 2025

Das Jahr 2025 endet, wie es beginnt. Mit einer Infektionskrankheit, die mich zur Laufpause zwingt. Die für Anfang des Jahres geplante Teilnahme an der La Corsa della Bora rund um Triest fällt somit ins Wasser. Gut im Training ziehe ich mir Anfang März einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Somit kann ich auch am zweiten geplanten Wettkampf des Jahres, dem Lingkogeltrail, nicht teilnehmen.

Nach der ausgeheilten Muskelverletzung und sorgsamen Umfangsteigerungen nehme ich Anfang Mai am Welschlauf teil. Die Anstiege laufe ich mit Bedacht, um meine Wade nicht über Gebühr zu strapazieren. Nach 4 Stunden und 21 Minuten überquere ich die Ziellinie.

Völlig ermüdet von der Tennismeisterschaft fahre ich widerwillig zum 6-Stunden-Trailrun im Rahmen des Semmering Adventure Run. Die anspruchsvolle 8 Kilometer lange Runde mit 700 Höhenmeter rund um Maria Schütz verlangt mir alles ab. Rückblickend ist es eine wertige Trainingseinheit auf dem Weg zum eigentlichen Saisonhighlight, dem Großglockner Ultra Trail.

Beim Fernitzer Wald- und Wiesenlauf und beim Airport Run Graz sind kürzere Distanzen zu absolvieren. Diese flotten Einheiten sind eine willkommene Abwechslung und steigern die Grundgeschwindigkeit. Dass es heuer beim Airport Run Graz erstmalig keine eigene Siegerehrung für die Altersklassen gibt, finde ich sehr schade. Denn die Teilnehmerzahl ist hoch und so habe ich es unter 62 Teilnehmern der Altersklasse auf den 3. Rang geschafft. Somit bleibt mir heuer bislang eine offizielle Siegerehrung verwehrt.

Besondere Eindrücke darf ich als Sweeper beim Mozart 100 erleben. Als Schlussläufer einer Teilstrecke rund um das Salzburger Land ist es meine Aufgabe, zeitlich an der Cut-off-Grenze zu laufen und die Streckenmarkierung zu entfernen. 

Der Veitscher Grenzstaffellauf hält nicht ganz, was er verspricht. Denn statt der angekündigten 54 Kilometer ist die Strecke bloß knapp 50 Kilometer lang. Nichts desto trotz bietet der Lauf tolle landschaftliche Eindrücke und der Aufstieg über den Teufelssteig zum Graf-Meran-Haus ist das i-Tüpfelchen des sehr gut organisierten Laufevents.

Der Großglockner Ultra Trail hält auf 110 Kilometer Distanz stolze 6500 Höhenmeter bereit. Mit Start und Ziel in Kaprun fällt am späten Abend der Startschuss. Das Wetter ist seit Tagen schlecht und so bleibt es auch. Es regnet die ganze Nacht durch. In Kombination mit der Kälte verlangt die Witterung den Teilnehmern alles ab. Viele unterschätzen die Anforderungen dieses hochalpinen Ultratrails und steigen bereits bei den ersten beiden Checkpoints aus. Zudem erschwert Nebel die Sicht im Kegel der Stirnlampe. Die Auf- und Abstiege sind technisch sehr anspruchsvoll. Dennoch komme ich gut durch die Nacht. In Kals steht mein Drop-Bag bereit. Ich ziehe mir trockene Klamotten an, labe mich und fühle mich für den zweiten Streckenabschnitt bereit. Auf dem Anstieg zum Lugner-Haus erhalte ich die Information, dass die Rennleitung den Großglockner Ultra Trail abgebrochen hat. Ich muss zurück nach Kals laufen und werde mit dem Bus nach langer Wartezeit endlich nach Kaprun zurück gebracht. Im Nachhinein erfährt man, dass in hohen Lagen leichter Schneefall eingesetzt hat und schlecht ausgestattete Teilnehmer den Abbruch provoziert haben. Völlig unterkühlt konnten sie die Checkpoints und Schutzhütten nicht mehr verlassen, sodass die Veranstalter keinen anderen Ausweg als den Abbruch sahen. Mir wird das erste Finish meiner Laufkarriere genommen. Zudem fehlt mir nun ein Qualifikationslauf für die Startplatzlotterie des Western States 100 Endurance Run.

Eine ganz klare Teilnahmeempfehlung spreche ich hingegen für das Koralm Trailrunning Event aus. Die Organisation ist top und die Strecke gespickt mit unzähligen landschaftlichen Highlights. Ein paar Kilometer vor dem Ziel werde ich von einer Hornisse in das Knie gestochen. Zum Glück reagiere ich nicht allergisch und kann den knapp 70 Kilometer langen Lauf erfolgreich zu Ende bringen.

Die Bilder von der Edelgrießhöhe lassen mich im Vorfeld zweifeln, ob der Torlauf Dachstein nicht doch punktuell zu technisch ist. Aber nachdem ich beim Großglockner Ultra Trail auch schon einige hochalpine technische Passagen gut hinter mich gebracht habe, starte ich letztendlich auch hier in der Ramsau zuversichtlich in den Tag. Ich bin von der beinahe mondähnlichen, abstrakten Landschaft so angetan, dass ich im kommenden Jahr wieder an der Startlinie stehen werde.

Mit einer Spende für den Tierschutzverein Arche Noah erhält man Zutritt zum virtuellen Tierschutzlauf. Ich entscheide mich, die 10 Kilometer lange Strecke entlang der Mur zu laufen. Die Zielzeit ist mit 43:34 Minuten recht passabel.

Beim Kleine Zeitung Graz Marathon laufe ich etwas unerwartet eine neue persönliche Bestzeit. Ich bewältige die 42,195 Kilometer lange Strecke in 3 Stunden und 27 Minuten. Bei meiner ersten offiziellen Siegerehrung der Laufsaison 2026 erhalte ich als Steirischer Meister im Marathon der Altersklasse M50 die Goldmedaille um den Hals gehängt.

Ich bin voller Vorfreude auf das, was mir das Jahr 2026 für Erlebnisse in Laufschuhen bringt.

Jahresrückblick Kompakt: 2025


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Jahrbuch 2025

Der Jahresbericht 2025 ist fertig gestellt und freut sich auf viele Leserinnen und Leser!




Mein Jahresbericht für das Jahr 2025 ist im pdf-Format abgespeichert und kann unter nachfolgendem Link aufgerufen werden:


    Viel Vergnügen beim Lesen!


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    Sonntag, 12. Oktober 2025

    12.10.2025: 32. Kleine Zeitung Graz Marathon - Erlebnisbericht

    Eigentlich wollte ich heuer beim Kleine Zeitung Graz Marathon nicht an den Start gehen. Denn für mich ist ein flacher Straßenmarathon körperlich und mental deutlich anstrengender als ein Lauf auf Trails mit einigen Höhenmetern. Mein Körper ist einfach nicht darauf trainiert, im Idealfall zweiundvierzig ähnlich gleichmäßige Kilometerzeiten in den Asphalt zu stampfen.

    Vor ein paar Wochen machte mich Instagramm auf ein Gewinnspiel der Steiermärkischen Sparkasse aufmerksam. Hier wurden 200 Startplätze für den Kleine Zeitung Graz Marathon verlost. Ich nahm am Gewinnspiel teil und siehe da, ich habe einen Startplatz für den Bewerb meiner Wahl gewonnen. Ergänzend dazu bekam ich ein Laufshirt per Post zugesandt. Am Lauftag selbst wird dann sogar ein eigener Bereich zur Verfügung stehen, in dem wir vor und nach dem Lauf verpflegt werden.

    Im Zuge des Graz Marathon werden heuer auch die Steirischen Meisterschaften über die klassische Marathon-Distanz ausgetragen. Da ich nun einen kostenlosen Startplatz inne hatte, bat ich meinen Laufclub, mich für diese Meisterschaften zu nennen. Ein großes Danke dem MT-Hausmannstätten, der mir zum wiederholten Mal die Möglichkeit gibt, an Meisterschaftsläufen teilzunehmen.

    Bei der Abholung der Startunterlagen im Citypark Graz erhalte ich eine Startnummer mit dem Aufdruck ELITE. Wir Teilnehmer an den Steirischen Meisterschaften dürfen noch vor Block 1 gemeinsam mit den wirklich sehr, sehr schnellen Favoriten auf den Sieg über die 42,195 Kilometer auf die Strecke gehen. Ob mir dieser Aufdruck peinlich ist? Nein, eigentlich nicht. Auch wenn ich natürlich weit weg von läuferischer ELITE bin. Ich mache mir weiter keine Gedanken darüber.

    Race-Day! Ich fahre völlig stressfrei mit dem Regionalbus von meiner Wohnsitzgemeinde in die Landeshauptstadt Graz. Die Haltestelle ist fußläufig keine 5 Minuten vom Start- und Zielbereich entfernt. Bequemer geht es kaum. Da das Zelt der Steiermärkischen Sparkasse bereits geöffnet ist, gönne ich mir einen Espresso. Dann wird es auch schon Zeit, mich umzuziehen. Ich stecke drei Gels in meine Hosentasche, gebe mein Hab und Gut bei der Gepäckverwahrung ab und laufe mich ein wenig warm. Dann begebe ich mich in den ELITE-Startblock, wo sich schon einige bekannte Gesichter tummeln.

    Meine Strategie ist klar. Ich starte wiederholt den Selbstversuch, ohne adäquates Tempotraining die Kilometer mit knapp unter 5 Minuten zu laufen. Das würde eine Endzeit von 3 Stunden und 30 Minuten bedeuten. Es ist jedoch unrealistisch, es mit diesen Kilometerzeiten bis ins Ziel zu schaffen. Die Erfahrung der letzten Jahre sagt mir voraus, dass ich nach rund 30, 32 Kilometer, spätestens nach 34 Kilometer, spürbar langsamer werde und es dann wieder ein sehr beschwerlicher letzter Rennabschnitt sein wird.

    No risk, no pain ;-). Startschuss! Und was soll ich sagen, ich mache meiner Startnummer alle Ehre und laufe tatsächlich die angepeilten Kilometerzeiten bis zur Ziellinie. Mein offizielles Endergebnis mit 3 Stunden, 26 Minuten und 42 Sekunden ist nicht nur persönliche Bestzeit, sondern reicht auch für den Steirischen Meistertitel in meiner Altersklasse M50.

    Was zwischen Start- und Ziellinie passiert? Bei traumhaftem Herbstwetter ist die Strecke von unglaublich vielen Zusehern gesäumt, die richtig tolle Stimmung machen. Die Labestellen sind gut platziert und mit Iso, Wasser, Bananen, Gel etc. auch sehr gut ausgestattet. Bereits bei Halbzeit merke ich, dass sich die Kilometer heute noch deutlich leichter laufen als ich das bei meinen bisherigen Teilnahmen hier in Graz in Erinnerung habe. So tritt auch der befürchtete Einbruch zu Beginn des letzten Rennviertels nicht ein und ich kann die letzten Kilometer durch die Sackstraße, Neutorgasse, Schmiedgasse, Herrengasse und über den Opernring zurück zum Ziel in vollen Zügen genießen.

    Graz, es war mir eine Ehre!

    12.10.2025: 32. Kleine Zeitung Graz Marathon - Erlebnisbericht


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    Samstag, 6. September 2025

    06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht

    Torlauf Dachstein - Ultraläufer Wolfgang Kölli
    "Manchmal muss man sich zum Glück zwingen!", heißt es in einem Sprichwort. Das trifft für meine Teilnahme am Torlauf Dachstein recht gut zu. Die Fotos und Streckenvideos von vergangenen Veranstaltungen haben mein Interesse sofort geweckt. Allerdings ist der Torlauf Dachstein punktuell auch sehr technisch. Insbesondere der Abstieg von der Edelgrießhöhe (inklusive Klettersteig und teilweiser Seilversicherung) hat es für jemanden, der ein klitzekleinwenig an Höhenangst leidet, in sich.

    Aber durch meine heurige Teilnahme am Großglockner Ultra Trail habe ich auf technisch exponierten Abschnitten reichlich Erfahrung sammeln können und so fühle ich mich für den Lauf in der wunderschönen Ramsau am Dachstein letztendlich gut vorbereitet.

    Der Start ist für 8 Uhr geplant. Da mir zwei Stunden Anreise bevorstehen, ist die Nacht kurz. Nach zwei Tassen Kaffee fahre ich voller Vorfreude in die Obersteiermark.

    Ein wenig länger hätte ich schlafen können. Denn bald nach meiner Ankunft erfolgt seitens des Veranstalters die Durchsage, dass der Start um eine Stunde nach hinten verschoben wird. In der Nacht hat es am Berg leicht geschneit und es wird zugewartet, bis die Kraft der Sonnenstrahlen diese paar Flocken zum schmelzen bringt.

    Der Start- und Zielbereich ist im WM-Stadion eingerichtet. Im Jahr 1999 hat hier die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattgefunden. Die Skisprunganlage und das Stadion sind nach wie vor in Betrieb. So finden hier regelmäßig Weltcup-Veranstaltungen der Nordischen Kombination statt. Eine geplante Bewerbung für eine neuerliche Austragung der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Jahr 2031 scheitert wie so oft an den notwendigen finanziellen Mittel.

    Edelgrießhöhe Dachstein
    Vor dem Start erhalten wir neben der Startnummer und einem Essens-Bon auch einen GPS-Tracker. So ist unsere Position jederzeit abrufbar und dient der Sicherheit aller Teilnehmer. Und schon geht es los. Die ersten Kilometer hinaus aus dem WM-Stadion verlaufen auf schmalen Wegen recht flach und sind gut laufbar. Entsprechend hoch ist das eingeschlagene Tempo. Nach gut 8 Kilometer ist der Einstieg zur Silberkarklamm erreicht. Über unzählige Holzstufen geht es die Klamm hoch. Unmittelbar daneben rauscht das Wasser zwischen große Felsen zu Tal. Ein Überholen ist hier auf den Treppen kaum möglich. Aber ich habe meinen Platz im Teilnehmerfeld ohnehin gefunden und steige Meter um Meter zur Silberkarhütte hinauf.

    Hier bei der Silberkarhütte ist auch die erste Labestelle positioniert. Es ist ein kleiner Tisch mit Getränken aufgebaut und das Gedränge herum ist recht groß. Ich fülle hastig meine Wasserflasche auf und mache für die Nächsten Platz.

    Die Trailrunning-Stöcke habe ich aus dem Köcher der Laufweste genommen. Sie werden mir auf den kommenden steilen 10 Kilometern eine große Hilfe sein. Auf meist engen und steinigen Serpentinen führt uns die Strecke immer weiter in die Höhe. Punktuell sind die Abschnitte derart technisch und felsig, dass ich die Hände zu Hilfe nehmen muss.

    Bei der Labe am Guttenberg-Haus auf 2.146 Meter Seehöhe versorge ich meine Speicher mit Nachschub. Ich nehme ein weiteres Gel zu mir und fülle die beiden Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk auf. Die höchste Stelle der Strecke ist allerdings noch nicht erreicht. Es geht weitere knapp 500 Höhenmeter aufwärts. Wir sind längst über der Baumgrenze. Die Landschaft nimmt bizarre Formen an. Ein Läufer tritt ein paar Serpentinen oberhalb einen kleinen Steinschlag los. Zum Glück kann ich den herabfallenden Schotterstücken aus dem Weg gehen.

    Die Strapazen des Aufstiegs werden hier heroben mit einer großartigen Geröll-Landschaft belohnt. Ich bin vom ungewöhnlichen Anblick der grauen Gesteinsoberfläche hin und weg. "Gut, dass du heute hier an den Start gegangen bist!", bestätige ich mir selbst meine kluge Entscheidung.

    Guttenberg-Haus
    Der Abstieg von der Edelgrießhöhe steht unmittelbar bevor. Vorher mache ich jedoch noch ein paar Fotos dieser - ich wiederhole mich - abstrakten, bizarren, atemberaubend schönen und ungewöhnlichen Landschaft. Die ersten Meter geht es seilversichert abwärts. Nun folgt ein rund 10 Meter hoher Klettersteig. Ich verstaue meine Stöcke im Köcher, um die Hände frei zu haben. Unter mir steigt ein Teilnehmer sehr zaghaft die senkrechten, in den Fels gehauenen Metallbügel hinunter. Dann herrscht plötzlich Stillstand. Der Kollege ist wohl am Limit. Bock habe ich keinen, hier noch lange auf den Metallzargen stehend auszuharren. Ich will auch runter! Endlich geht es weiter. Teils sind die Abstände zwischen den Klammern so groß, dass ich mich langsam am Fels hinuntergleiten lasse. Dann habe ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Wobei fester Boden nicht ganz der Realität entspricht. Der Untergrund ist feinkörniger Schotter, auf dem kaum Halt zu finden ist. Es scheint, als würde man bei jedem Schritt mit einem Kubikmeter Schotter zu Tal rutschen. Die Stöcke wieder zu Hilfe zu nehmen, wäre schlau gewesen.

    Zweimal leere ich auf dem Downhill meine Schuhe aus. Der feine Kies würde mir in den folgenden Stunden wohl die Haut aufscheuern und unnötige Probleme verursachen. Gamaschen hätten das Eindringen der feinen Steine in den Schuh verhindert. Aber man kann nicht an alles denken. Und so ein kleiner Schuh-Boxenstopp ist jetzt kein großes Ding.

    Das feine Geröll weicht einem schmalen, stark verwurzelten Pfad. Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Auf diesem Streckenabschnitt zu stolpern und zu stürzen, würde gar keinen Spaß machen.

    Bei der nächsten Labestelle greife ich zu Obst und Salzgebäck. Gut gestärkt trabe ich rund 200 Höhenmeter hinauf zur Dachstein-Südwand-Hütte. Hier sitzen bei herrlichem Wetter viele Wanderer auf den Holzbänken und sorgen für eine gute Stimmung.

    Finisher-Medaille Torlauf Dachstein
    Es folgt ein recht steiler Abstieg. In Serpentinen geht es auf rutschig erdigem Terrain wieder viele Höhenmeter talwärts. Es folgt ein schön zu belaufender Trail über kupiertes Gelände. Bei der nächsten Labestelle auf der Walcheralm nehme ich bloß ein Stück Banane zu mir und fülle die Flasks mit Wasser auf. Ich jauchze innerlich. Die Landschaft, die Trails, das Wetter, mein Wohlbefinden, all das könnte nicht besser sein.

    Das heutige Laufabenteuer nähert sich dem Ende. Die nächsten paar Kilometer sind auf einem moderat fallenden Schotterweg zu laufen. Auf diesem Abschnitt überhole ich noch einige Mitbewerber. Obwohl ich im Talboden den Stadionsprecher schon hören kann, ist noch eine größere Schleife zu laufen. Aber auch diese Höhenmeter bringe ich noch gut hinter mich, bevor ich Richtung Station laufen darf. Nach 6 Stunden und 41 Minuten bringe ich die 42 Kilometer mit 2.600 Höhenmeter in einer für mich sehr zufriedenstellenden Zeit zu Ende. In meiner Altersklasse belege ich unter 28 Teilnehmern den 5. Rang.

    Im Ziel wird mir die Finisher-Medaille und das wohlverdiente Ziel-Bier gereicht. Nach einer Dusche im Schwimmbad löse ich den Essens-Bon ein und genieße ein sehr leckeres Nudelgericht. Bloß bei der Startnummern-Lotterie habe ich kein Glück. Aber das ist nun wirklich keine große Überraschung.

    Am Heimweg lasse ich die letzten Stunden Revue passieren. Der Torlauf Dachstein hat es mir angetan. Trotz des technischen Abstiegs von der Edelgrießhöhe möchte ich diese außergewöhnliche Landschaft noch einmal zu Gesicht bekommen. So melde ich mich ein paar Tage später tatsächlich für den Torlauf Dachstein 2026 an.

    06.09.2025: Torlauf Dachstein - Laufbericht


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    Samstag, 26. Juli 2025

    25.07. - 26.07.2025: Großglockner Ultra-Trail - DNF (Durfte nicht finishen)

    Großglockner Ultra-Trail - Wolfgang Kölli
    Ich sitze mit nassen Klamotten im vollbesetzten Bus und werde von Kals zurück ins Start- und Zielgelände nach Kaprun gebracht. Die kurvenreiche Fahrt wird knapp eineinhalb Stunden dauern. Zeit genug, in frustrierte, nachdenkliche, teils auch in erleichterte Gesichter zu blicken und über Sitzreihen hinweg heftige Diskussionen über das gerade Geschehene zu belauschen. Ich beginne zu frieren. Zu lange stand ich auf der Straße und wartete auf den Bus. Aus Sorge, ich könnte auch in diesem Bus keinen Platz finden, habe ich meine Position in der ersten Wartereihe nicht auf´s Spiel gesetzt, um mich umzuziehen. Nun krame ich endlich ein trockenes Langarmshirt, eine Haube und Handschuhe aus meiner Laufweste. Bald ist es mir wieder wärmer.

    Auf der Strecke war mir trotz Dauerregen nicht kalt. Da war ungeachtet der sehr anspruchsvollen Rahmenbedingungen alles im Lot. Ich war mental und körperlich perfekt eingestellt und meine Ausrüstung hatte ich im Hinblick auf das prognostizierte Schlechtwetter mit großer Sorgfalt gewählt. Aber leider haben es nicht alle geschafft, sich warm zu halten. Einige Läufer haben die Warnungen der Meteorologen ignoriert und sind mit minimalistischer Pflichtausrüstung auf die Strecke gegangen. Stark unterkühlt wollten und konnten dann einige Teilnehmer die Checkpoints Luckner-Haus und Glorer Hütte nicht mehr verlassen und haben durch ihr verantwortungsloses Handeln den Rennabbruch des Großglockner Ultra-Trail zumindest mitzuverantworten. Denn dem Veranstalter blieb ob dieser Entwicklung wohl keine andere Wahl und so wurde der Großglockner Ultra-Trail für vorzeitig beendet erklärt. Mit dieser Entscheidung wurde mir mein Finish genommen. Es ist mein erstes DNF. Noch nie musste ich einen Lauf vor dem Erreichen der Ziellinie abbrechen. Heute durfte ich nicht weiterlaufen. Nun habe ich ein DNF, ein wie ich es nenne DURFTE NICHT FINISHEN, in meiner Laufstatistik stehen.

    Aber von vorne: Vom Veranstalter wird der Großglockner Ultra-Trail als einer der härtesten Ultraläufe beworben. Und die imposanten Parameter unterstreichen diese Aussage. Auf 110 Kilometer Distanz warten 6.500 positive Höhenmeter auf die Teilnehmer. Vier Pässe auf über 2500 Meter Seehöhe sind zu überqueren und mehr als die Hälfte der Strecke verläuft auf über 2.000 Meter Höhe. Das Panorama ist zweifelsfrei atemberaubend. Immerhin verläuft die Strecke rund um Österreichs höchsten Berg, den 3.798 Meter hohen Großglockner. Das vielfach sehr technische und schwierige Terrain stellt eine extreme Herausforderung dar. Erfahrung mit Langstreckenrennen in den Bergen und starke körperliche und psychische Belastbarkeit sollten Grundvoraussetzung sein. Leider sind im heurigen Jahr sehr viele diesen technischen Anforderungen in Kombination mit dem schlechten Wetter nicht gewachsen.

    GGUT 110 - Auf dem Weg nach Kals - Ultraläufer Wolfgang Kölli
    Der Großglockner Ultra-Trail ist zudem einer von zwei in Österreich stattfindenden Ultra-Trails, die als Qualifikationslauf für den Western States 100 Endurance Run gültig sind. Ich bin ein bekennender Fan dieses geschichtsträchtigen Ultratrails durch die kalifornische Wildnis und durfte im Jahr 2022 den 161 Kilometer langen Lauf auch erfolgreich finishen und mir somit meinen sportlichen Lebenstraum erfüllen. Dass ich dennoch bislang noch nie an der Startlinie dieses Laufes mit Start und Ziel in Kaprun gestanden bin und mir hier meine Qualifikationszulassung für die Western States 100 - Startplatzlotterie geholt habe, liegt in erster Linie an den Wetterkapriolen, die fast jährlich negativen Einfluss auf die Austragung dieses Events nehmen. Und auch technisch ist dieser Ultra-Trail auf einem ganz anderen Level, als die Strecken, die ich bislang gelaufen bin. Dem nicht genug, ist auch die späte Startzeit um 22:00 Uhr Neuland und eine zusätzliche Herausforderung. Daher ist mein Respekt groß und ich gehe mit entsprechender Demut in die wettkampfspezifische Vorbereitung.

    Ich reise am Tage vor dem Start mit meiner Familie nach Kaprun. Wir beziehen ein schönes und geräumiges Appartement im Nahbereich des Start- und Zielgeländes. Am späten Nachmittag schlendern wir zum Eventbereich. Der Himmel ist wolkenverhangen und die Temperaturen sind alles andere als sommerlich warm. Das kommt allerdings nicht unerwartet. Seit Tagen sind sich die Meteorologen einig und versprechen kalte Temperaturen und ausgiebigen Niederschlag. Bevor wir in unsere Unterkunft zurückkehren, gönnen wir uns ein schmackhaftes Abendessen und lauschen im Anschluss im Musikpavillon den Klängen einer Blasmusikkapelle.

    Mein Vorhaben, möglichst lange zu schlafen, will nicht so recht klappen. Was hilft´s. Schlaf kann man nicht erzwingen. Ich nehme mir vor, es am späten Nachmittag mit einem Powernap zu versuchen. Nach dem Frühstück führt uns unser Weg zum Race-Office. Bevor ich meine Startnummer 13 erhalte, wird die Pflichtausrüstung kontrolliert. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass die Pflichtausrüstung nur die Minimal-Ausstattung sein kann und wir Teilnehmer uns ob der schlechten Wetterprognose adäquat ausrüsten sollen. Wie sich in den kommenden Stunden zeigen wird, ist Eigenverantwortung allerdings nicht jedermanns und jederfrau Sache. Nachhaltiger wäre es gewesen, die Pflichtausrüstung um ein Schlechtwetter-Kit zu erweitern (wie es mittlerweile auf ultralangen Strecken in Europa üblich ist) und so von offizieller Seite wärmere und wasserdichte Kleidung zu fordern. Denn dass beispielsweise die geforderte zweite trockene Langarm-Schicht alternativ auch ein Kurzarm-Shirt mit Armlingen sein darf, ist ob der prognostizierten Null Grad Celsius auf rund 2.500 Meter Seehöhe eine Farce.

    Durch die Startzeit spät abends ist auch die Verpflegung tagsüber für mich Neuland. Ich entscheide mich, am frühen Nachmittag (rund 7 Stunden vor dem Start) eine Pizza zu essen. Rückblickend war die Entscheidung goldrichtig. Zurück im Apartment kann ich wider Erwarten tatsächlich rund 90 Minuten schlafen. Die Zeit bis zum Start verstreicht dennoch gefühlt in Zeitlupe. Aber irgendwann ist es dann doch soweit, sich bereit zu machen Ich ziehe mir die Laufklamotten an, nehme meine Laufweste und mein Drop-Bag und verlasse die Wohnung gemeinsam mit meiner Familie in Richtung Startbereich.

    Es nieselt. Die Temperatur liegt bei rund 10 Grad Celsius. Daher habe ich mich vorerst für Shorts entschieden. Am Oberkörper trage ich ein Longsleeve. Darüber habe ich mir meine Regenjacke gezogen. Die Falte am Rücken meiner Regenjacke sorgt dafür, dass ich die Jacke über meine Laufweste tragen kann und diese einigermaßen trocken bleibt. Ich gebe mein Drop-Bag ab. Auf dieses Bag werde ich nach rund 48 Kilometer in Kals zugreifen können. Im Drop-Bag habe ich einige trockene Kleidungsstücke, ein paar Gels sowie ein Paar trockene Laufschuhe verstaut.

    Der Startbereich füllt sich. Ich werde mit rund 400 weiteren Teilnehmern die 110 Kilometer lange Runde rund um Österreichs höchsten Berg in Angriff nehmen. Die Größe mancher Rucksäcke löst bei mir doch einige Verwunderung aus. Sehr viele haben - so wie ich - eine gut gefüllte Laufweste am Rücken. Denn das heutige Regenwetter verlangt nach entsprechender Ausrüstung. Hinzu kommen zwei Stirnlampen mit Ersatzbatterien, ein Erste-Hilfe-Set, Energie-Gels und noch einiges mehr. Das alles hat ein gewisses Volumen. Doch einige Teilnehmer tragen einen wirklich auffallend kleinen Rucksack. Das lässt vermuten, dass nicht jeder die Wetterwarnung ernst genommen hat.

    Pünktlich zum Start macht der Regen eine kurze Pause. Ich entschließe mich daher, die Regenjacke in der Laufweste zu verstauen. Ich verabschiede mich von meiner Familie und schon geht es los. Die vermeintlich größte sportliche Herausforderung des heurigen Jahres steht mir bevor. Aber ich bin zuversichtlich, körperlich gut vorbereitet und mental auf schwierige Stunden eingestellt.

    Auf einer Asphaltstraße führt die Strecke hinaus aus Kaprun. Geteerte Abschnitte werden in den nächsten Stunden aber eher die Ausnahme sein. Stattdessen werden hochalpine Pfade zu belaufen sein. Wir laufen an der Sigmund Thum Klamm vorbei und entlang des beleuchteten Klammsees. Der Regen setzt wieder ein und wird rasch stärker. Erste Nebelschwaden liegen in der Luft. Die Waldpfade und Wiesenwege sind durchnässt und schlammig.

    GGUT 110 - Rennabbruch Glorer Hütte - Wolfgang Kölli
    Es geht in den ersten langen Aufstieg hinauf zum Mooserboden. Serpentine um Serpentine, Höhenmeter um Höhenmeter steige ich nach oben. Die Trailrunning-Stöcke leisten mir dabei eine große Hilfe. Mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln und die Temperatur ist merklich gesunken. Ich will nicht erst warten, bis ich friere. So trete an den Rand des Pfades und ziehe mir meine Regenjacke an. Einige hiken währenddessen in kurzen Shirts an mir vorbei. Jeder ist seines Glückes Schmied. Es fühlt sich gut an, geschützt durch die hochwertige Regenjacke der tristen Witterung zu trotzen.

    Immer wieder sind senkrecht hinabtosende Sturzbäche zu überqueren. Die Dunkelheit verstärkt das imposante Geräusch des Wassers. Es hört sich bedrohlich an. Die mit Brettern gelegte Brücken erscheinen im Kegel der Stirnlampe nicht sonderlich breit. Ich klassifiziere diese Querungshilfen in dreibretterbreite und zweibretterbreite Brücken. Die lediglich zweibretterbreiten Stege, selbstredend ohne schützendes Geländer, mag ich nicht sonderlich und bin immer sehr froh, wenn ich rasch auf der anderen Seite angelangt bin. Nicht auszudenken, hier in stockfinsterer Nacht ins eiskalte Wasser zu stürzen. Es fühlt sich lebensgefährlich an. Aber ich bin mental auf solche Herausforderungen vorbereitet. Viele andere offensichtlich nicht. 

    Insbesondere wird der stärker werdende Nebel immer mehr zum Spielverderber. Denn die winzigen Wassertropfen im Nebel reflektieren das Licht der Stirnlampe und erzeugen eine blendende Lichtwand. So habe ich oft zwei, drei Teilnehmer im Schlepptau. Denn jemandem hinterher zu laufen, macht die Sache deutlich einfacher. Im Konvoi geht es weiterhin aufwärts.

    An besonders exponierten Stellen sind Stahlseile verbaut. Sich daran festhalten zu können, während man im steilen Gelände über nasse und rutschige Gesteinsbrocken klettern muss, gibt Sicherheit. An der Reaktion mancher Teilnehmer merkt man, dass mit solch technischen Abschnitten nicht gerechnet wurde. Manchen ist die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben und sie können sich kaum überwinden, diese Passagen zu meistern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits beim ersten Checkpoint einige einen Schlussstrich ziehen und den Großglockner Ultra-Trail frühzeitig beenden. Chapeau an dieser Stelle an alle, die ihre eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen und diese für sie bestimmt kluge Entscheidung treffen. Denn die wirklich schwierigen technischen Passagen liegen noch vor uns. Und es regnet weiterhin unaufhörlich.

    Den Checkpoint Mooserboden erreiche ich nach 2 Stunden und 37 Minuten. Im Zwischenranking bin ich auf Platz 69 bzw. auf Rang 9 in meiner Altersklasse klassiert. Ich gönne mir in trockener Umgebung ein Gel und fülle die Flasks auf. Lange halte ich mich nicht auf. Es geht nach wenigen Minuten wieder hinaus in die finstere und verregnete Nacht. Bei mir ist alles im Lot. Von Müdigkeit ist keine Spur, obwohl es mittlerweile weit nach Mitternacht ist.

    Die Strecke führt über die Staumauer weiter in einen steilen und technischen Aufstieg. Schade, dass es dunkel ist und man die Umgebung nicht wahrnehmen kann. Weiterhin ist im Nebel der markierte Weg kaum auszumachen. Große Felsplatten und Gesteinsbrocken legen sich in den Weg. Dann ist es geschafft und das Kapruner Törl auf 2.639 Meter Seehöhe ist erreicht. Die Höhe spüre ich kaum. Vielleicht bin ich ein klein wenig mehr außer Atem als sonst. Aber alles im grünen Bereich.

    Es folgt ein steiler Abstieg über schroffe, steinige und rutschige Pfade. Höchste Konzentration ist gefragt. Jeder Schritt hat Potenzial zur Stolperfalle. Und ein Sturz hätte voraussichtlich schmerzhafte Konsequenzen. Daher laufe ich besonders vorsichtig hinab Richtung Stausee Tauernmoos. Immerhin habe ich meiner Familie versprochen, heil anzukommen. In diesem Abschnitt verliere ich einige Plätze im Klassement. Die jungen Wilden sind risikofreudiger und bergab deutlich schneller als ich. Aber für mich gilt: Safety first; Platzierung eher nebensächlich. Wieder geht es nach oben. Die Höhenmeter hinauf zur Rudolfshütte auf 2.315 Meter Seehöhe wollen bezwungen werden. Nach weiteren 3 Stunden und 17 Minuten, also nach insgesamt rund 6 Stunden Laufzeit, erreiche ich auf dem 88. Gesamtrang liegend den nächsten Checkpoint. Wieder labe ich mich mit einem meiner GU-Roctane-Gels der Geschmacksrichtung Salted Chocolate und knabbere einiges an Salzgebäck. Ich fülle meine Flasks mit Wasser und einem isotonischen Getränk voll und laufe wieder in die dunkle, verregnete Nacht hinaus. Auch hier entscheiden sich einige Teilnehmer, den Lauf nicht mehr fortzuführen.

    Es steht mir der überaus technische und steile Aufstieg zum Kalser Tauern auf 2.515 Meter Seehöhe bevor. Auch auf diesem Abschnitt ist durch den Regen und den Nebelschwaden mancherorts die markierte Strecke über loses Gestein und großen Felsbrocken kaum auszumachen. Die Kletterei will kein Ende nehmen. Aber irgendwann ist auch dieser fordernde Uphill geschafft. Die technischen Schwierigkeiten bleiben allerdings. Denn auch der Downhill hinab ins Dorfertal verlangt einem alles ab. Die Felsen sind rutschig, die Pfade kurvenreich und schmal. Stolperfallen wohin man auch seinen Fuß setzt. Trotz der langen Nacht, trotz der widrigsten Bedingungen und der technisch anspruchsvollen Strecke bin ich weiterhin guter Dinge. Es zeigt sich wieder, wie wichtig nicht nur die körperliche Vorbereitung, sondern auch der mentale Zugang zu solch extremen Herausforderungen ist.

    Mit Blick auf den Weißsee setzt die Morgendämmerung ein. Es tut gut, die Umgebung auch außerhalb des Lichtkegels der Stirnlampe wahrzunehmen. Die Schwierigkeiten der ersten Streckenhälfte habe ich hinter mich gebracht. Vor mir liegen nun einige leicht fallende Kilometer auf einem breiten Schotterweg. Das sind seit dem Start die ersten wirklich gut laufbaren Kilometer.

    Großglockner Ultra-Trail Startnummer 13 von Ultraläufer Wolfgang Kölli
    Nach 9 Stunden treffe ich in Kals ein. In meiner Altersklasse liege ich auf Rang 10 und im Gesamtklassement auf dem 92. Rang. Hier herrscht reger Betrieb. Denn in einer knappen Stunde startet hier der Großglockner Trail mit 57 Kilometer Distanz. Es ist die selbe Strecke zu belaufen, die auch uns Teilnehmern des Großglockner Ultra-Trail noch bevorsteht. Ich hole mir mein Drop-Bag und fülle meinen Gel-Vorrat auf. Ich ziehe mir ein trockenes Oberteil und trockene Socken an. Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen mache ich mich wieder auf den Weg. Die Streckenhälfte erreicht zu haben, ist für mich immer ein wichtiger Meilenstein. Zuversichtlich verlasse ich den Checkpoint Kals, nichtsahnend bald wieder hierher zurücklaufen zu müssen.

    Der Regen lässt etwas nach, als ich den kilometerlangen Anstieg hinauf zu den sogenannten Greiwiesen in Angriff nehme. Auf der Strecke wird es unruhig, denn die ersten Teilnehmer des Großglockner Trails laufen an mir vorbei. "Ausgeruht und mit frischen Beinen ist es leicht schnell zu sein!", murmle ich in mich hinein. Es ist nicht mehr weit bis zum nächsten Checkpoint Luckner-Haus. Doch in der Ferne scheint hektisches und aufgebrachtes Treiben zu herrschen. Gestikulierende Teilnehmer kommen wieder den Berg hinabgelaufen. Was passiert hier gerade? Läufer um Läufer gehen oder laufen an mir vorbei und teilen mir unmissverständlich mit, dass wir wohl nach Kals zurücklaufen müssten. Das Rennen sei abgebrochen worden und wir werden in Bussen zurück nach Kaprun gebracht. Ich stehe eine Weile verdutzt da und checke auf meinem Smartphone die Facebook-Seite des Veranstalters. Hier ist es bestätigt. Der Großglockner Ultra-Trail ist gecancelt. Auch meine Frau ruft an und will wissen, ob ich vom Abbruch erfahren habe. Denn im Live-Tracking würde ich weiterhin auf dem Weg zum Luckner-Haus sein. Merkwürdigerweise laufe ich tatsächlich als blinkender Punkt auf der virtuellen Streckenkarte eine hochgerechnete Zeit ins Ziel weiter.

    Im wirklichen Leben trabe ich locker in den Talboden nach Kals zurück. Die ersten Busse sind voll und abgefahren. Zum einen mit Teilnehmer des Großglockner Ultra-Trail, die von Kals gleich gar nicht mehr weiterlaufen durften. Zum anderen mit den hunderten Teilnehmern des Großglockner Trails, die ebenfalls vor mir wieder zurück in Kals waren. So dauert es leider eine lange Zeit, bis ein weiterer Bus kommt und ich endlich darin einen Platz finde. 

    Zurück in Kaprun gönne ich mir im Apartment erstmal eine heiße Dusche und ein paar Tassen Kaffee. Trotz Müdigkeit kann ich nicht schlafen. Zu aufgewühlt bin ich über mein erstes DNF. Wenn ich an die Startlinie gegangen bin, habe ich es in all den Jahren jedes mal ins Ziel geschafft. Und da hatte ich durchaus harte und schmerzhafte Stunden zu überstehen. Allen aufgetretenen Problemen trotzte ich und holte mir die verdienten Zielankünfte. Bloß heute nicht. Es fühlt sich sehr unbefriedigend an, dieses "did not finish", welches eigentlich ein "durfte nicht finishen" ist. 

    Am Nachmittag holen wir mein Drop-Bag ab. Auch Finisher-Medaillen liegen zur freien Entnahme auf einem Tisch im Zielbereich. Warum ich mir eine mit nach Hause nehme? Ich weiß es nicht. Vermutlich, weil ich überzeugt bin, dass ich den Großglockner Ultra-Trail am heutigen Tag ins Ziel gebracht hätte. In diesem Augenblick laufen die beiden Sieger über die Ziellinie. Dass eine Handvoll (Elite-)Läufer das Rennen dennoch bis zum Ziel fortführen durften, hinterlässt bei mir einen weiteren fahlen Beigeschmack. Denn ein Abbruch sollte dann doch für alle Teilnehmer gelten.

    Ein paar Tage später postet der Veranstalter auf seiner Website eine Stellungnahme. Viele der unterkühlten Läufer hätte die Hinweise aus dem Race-Briefing nicht beachtet und wären viel zu leicht bekleidet unterwegs gewesen. Diese Leichtsinnigkeit habe den Abbruch verursacht. Als offizielles Ergebnis wird meine Zwischenzeit von Kals hergenommen. Mit den Organisatoren des Western States 100 Endurance Run wird ein Deal vereinbart. Alle, die bis zur Glorer Hütte gelaufen sind, werden für die nächste Lotterie zugelassen werden. Da fehlen mir leider ein paar Kilometer. So werde ich nach vielen Jahren das erste Mal nicht im Lostopf sein. Aber ich will nicht länger Trübsal blasen, denn dieser schöne Sport hat mir schon so viele unglaublich erlebnisreiche und schöne Stunden auf den Trails dieser Welt beschert. Aufstehen, Krone richten und weiterlaufen!

    Man kann nur hoffen, dass man seitens der Organisatoren daraus lernt und für die Zukunft eine ergänzende Mindestausrüstung bei Schlechtwetter verlangt bzw. diese Ausrüstung beim Zugang zum Startbereich kontrolliert. Vielleicht sollten auch die Zugangskriterien angepasst werden. Denn ich konnte mich selbst davon überzeugen, dass viele Teilnehmer mit den technischen Rahmenbedingungen dieses hochalpinen Ultra-Trails überfordert waren. Wie Schönwetterfotos auf Facebook & Co. lassen nämlich nicht vermuten, wie schwierig dieser Lauf rund um den höchsten Berg Österreichs ist. Ob ich selbst nochmals in Kaprun an die Startlinie gehe? Vermutlich ja, denn es liegt in meiner DNA, Dinge zu Ende zu bringen.

    25.07. - 26.07.2025: Großglockner Ultra-Trail - DNF (Durfte nicht finishen)


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    Samstag, 28. Juni 2025

    28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht

    Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht Wolfgang Kölli
    In wenigen Minuten erfolgt der Start des 37. Veitscher Grenzstaffellaufes. Seit jeher wird die Strecke mit 54 Kilometer Länge und 2040 Höhenmeter beworben. Einige erforderliche Streckenanpassungen in den letzten beiden Jahrzehnten haben jedoch dazu geführt, dass die aktuelle Strecke mit rund 50 Kilometer etwas kürzer ist, dafür aber rund 2200 Höhenmeter aufweist. 

    Meine Laufweste ist mit allem Notwendigen bestückt. Ein Erste-Hilfe-Set habe ich so wie eine Regenjacke in den Bergen immer mit dabei. Zwei Flasks mit Wasser, einige Gels meines Vertrauens und die Stöcke im Salomon Custom Quiver runden meine Ausstattung ab.

    Ich bin voller Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden auf den Trails entlang der Gemeindegrenze der Ortschaft Veitsch. Der Start befindet sich hier vor dem JUFA-Hotel auf rund 670 Meter Seehöhe und der höchste Punkt der Strecke im Bereich des Graf-Meran-Hauses liegt auf etwa 1860 Meter Seehöhe.

    Meine körperliche Verfassung könnte etwas besser sein, denn es stecken doch schon wieder einige Wochen-Trainingskilometer in den Beinen. Nüchtern betrachtet ist der heutige lange Lauf ein weiterer Meilenstein in der Vorbereitung für meine Teilnahme am Großglockner Ultra-Trail. Es ist also nicht der Tag, an dem Bestzeiten erzielt werden sollen.

    Ich stehe nach 2023 zum zweiten Mal hier in St. Barbara im Mürztal an der Startlinie. Vor zwei Jahren musste die Streckenführung auf Grund des starken Sturms und der tiefen Temperaturen am Gipfel der Hohen Veitsch angepasst werden. Was soviel heißt wie dass die sogenannte Schlechtwetterroute gelaufen wurde. Ich fand es damals sehr schade, nicht auf der Originalstrecke laufen zu können. Denn zu allem Überfluss hieß es, dass die Veranstaltung zum letzten Mal stattfände. Zum Glück hat sich der Veranstalter entschieden, dieses tolle Event fortzuführen.

    Grenzstaffellauf Veitsch - Teufelssteig - Laufbericht Wolfgang KölliAuch heute sorgt eine Durchsage vor dem Start kurzzeitig für Ungewissheit. Denn man müsse mit der Bergrettung abklären, ob heute die Originalstrecke gelaufen werden könne. Am Berg käme starker Wind auf. Aber bald gibt es Entwarnung. Heute wird die Originalstrecke belaufen. 

    Ich bin glücklich darüber, heute den Teufelssteig hoch zum Graf-Meran-Haus laufen bzw. hiken zu dürfen. Das Wetter ist bei leicht bewölktem Himmel für diese Laufveranstaltung beinahe optimal. Auch die Stimmung unter den Teilnehmern und Zuschauern ist sehr gut. Alle Zutaten für einen erlebnisreichen und schönen Lauf sind somit im Kochtopf!

    Mein Focus ist auf eine gute Einteilung der verbliebenen Kräfte gerichtet und zudem ermahne ich mich, konzentriert zu laufen. Schließlich liegt man beim Trail-Lauf wegen einer Unachtsamkeit schneller auf allen Vieren, als einem lieb ist.

    Vom Start weg geht es leicht fallend hinaus aus dem Ortskern in Richtung Süden. Nach einem guten Kilometer wartet auch schon der erste Anstieg. Das erste Drittel der Strecke verläuft mal mehr, mal weniger steigend überwiegend auf Forststraßen. Die Streckenmarkierung ist lückenlos. Auch die Verpflegestellen sind gut positioniert und mehr als ausreichend bestückt. Auch an vielen freundlichen Helfern mangelt es nicht. Insbesondere an den beiden Wechselzonen für die Staffelläufer herrscht ausgelassene Stimmung und man wird mit tosendem Applaus willkommen geheißen.

    Das erwartete Highlight ist auf jeden Fall der Aufsteig über den sogenannten Teufelssteig. Auf einer Länge von rund 2 Kilometer sind hier 350 Höhenmeter zu überwinden. Ich nehme die Herausforderung recht defensiv in Angriff und erklimme ohne nennenswerte Schwierigkeiten die steilen Serpentinen. Nach einer kurzen Labe beim Graf-Meran-Haus geht es noch einige Höhenmeter aufwärts und es wartet ein etwas technischer, aber wunderbarer Streckenabschnitt entlang des Kammes. Aufkommende Windböen trüben die Lauffreude kaum.

    Grenzstaffellauf Veitsch - Finisher Wolfgang KölliÜber einen technisch mäßig fordernden Abstieg geht es von nun an stetig Richtung Tal. Schmale, zum Teil durch hohe Gräser und bodennahes Strauchwerk zugewachsene Pfade erfordern ein hochkonzentriertes Laufen. Denn die Pfade sind mit Steinen, Wurzeln und einigen Unebenheiten gesäumt. Diese Stolperfallen sieht man jedoch kaum oder nur im aller letzten Moment. 

    Ich habe wider Erwarten noch einige letzte Kraftreserven im Tank und so kann ich auch  die letzten Kilometer im Downhill genießen und in einem guten Tempo Richtung Ziel laufen. Mit einer Endzeit von 6 Stunden und 18 Minuten klassiere ich mich auf Platz 8 meiner Altersklasse und in der Gesamtwertung nehme ich von insgesamt 85 Teilnehmern den 41. Rang ein.

    Die - wie ich finde - sehr gut gelungene Finisher-Medaille wird mir um den Hals gehängt und ich genieße mit dem sogenannten Ziel-Bier noch einige Zeit das tolle Ambiente rund um den Veitscher Grenzstaffellauf.

    Ein Lob dem Veranstalter: Der Teilnehmer findet hier beim Veitscher Grenzstaffellauf eine sehr gut organisierte Veranstaltung samt lückenloser Streckenmarkierung, reichlich Labestellen, einem abwechslungsreichen Laufuntergrund, ein Ziel-Fest mit Speis' und Trank, freundliche Helfer, Duschmöglichkeiten beim Jufa und noch einiges mehr vor!


    28.06.2025: 37. Grenzstaffellauf Veitsch - Laufbericht


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