Samstag, 11. März 2017

Who let the dogs out?

Da stehe ich nun wie angewurzelt, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Mein beschränktes Wissen über Hunde reicht aus, um den schwarzen, geschmeidigen Körperbau samt spitzen Ohren einem Dobermann zuzuordnen. Er rast auf dem schmalen Feldweg auf mich zu; noch immer ist kein Hundehalter in Sicht. Ich male mir die Folgen des unvermeidbar scheinenden Frontalzusammenstoßes aus, da rennt Usain Bold der Hunde auch schon an mir vorbei, ohne meiner Wenigkeit einen Funken Beachtung zu schenken.

Noch einmal Glück gehabt, schießt es mir durch den bluthochdruckbedingt pochenden roten Kopf, während ich nun in rund hundert Meter Entfernung das Herrchen ausmachen kann. Der Ordnung halber ist zu erwähnen, dass der Hund sogar einen Maulkorb trug. Per Gesetz sollte verboten sein, Maulkörbe in Fellfarbe tragen zu dürfen. Diese Dinger müssen für Läufer sichtbar sein, aus weiter Entfernung sichtbar sein ...

Erfreut über den unerwarteten Fortgang meines Lebens beschloss ich, Hund und Hundehalter zu kategorisieren. Der Gender-Ordnung halber sei erwähnt, dass mit Hunden natürlich auch Hündinnen und mit Hundehalter auch das weibliche Geschlecht gemeint ist.

Früher hatte ich generell Angst vor Hunden. Als kleiner Junge von einem Bernhardiner den Hügel runter gejagt, dauerte es doch einige Lebensjahrzehnte, bis die manifestierte Angst gegenüber diesen Vierbeinern langsam großem Respekt wich.

Mittlerweile bezeichne ich mich als geheilt, wenn gleich sich in manchen Situationen noch immer ein mulmiges Gefühl in der Magengrube einstellt. Hier nun meine Klassifizierung ohne Gewähr auf Vollständigkeit:

Vernasch´ mich!
Wäre ich ein Hund, würde ich mir diese kulinarische Art der Erziehung wünschen. Getreu dem Motto "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!" wird Freund Bello zur Seite gerufen und so lange mit seinem Leckerli vollgestopft und abgelenkt, bis das vermeintliche Beutetier (Läufer) aus den Augen, aus dem Sinn entschwunden ist.

In der Kraft liegt die Wirkung!
Das ist die Sorte von "gemischtem Doppel", was mir doch ein wenig Sorgen bereitet. Denn mein Überleben hängt stark von der Qualität der Hundeleine ab. Meine Gesundheit hängt sprichwörtlich am seidenen Faden.

Der Hund, meist deutlich muskulärer als der Hundehalter, wird an kurzer, straffer Leine geführt. Kommt der Läufer in Sichtweite, wird die Leine nachgefasst, noch ein- bis zweimal um das Handgelenk gewickelt und angespannt verkrampft gehalten. Es ist absehbar, was passieren wird: Wie ich in Schlagdistanz bin, zeigt der Hund an stramm gespannter Leine seine Reißzähne, kläfft mit breit gestellten Hinterbeinen. Der Hundehalter stemmt sich mit aller Kraft dagegen, hat einen mindestens genau so roten Kopf wie ich nach meinem Intervalltraining. Beide Seiten hoffen inständig, dass die Leine samt Nietenhalsband den Qualitätskriterien entspricht.

Was kratzt mich das?
Wenn schon Hundekonfrontation, dann diese: Hundehalter flaniert, Hund schnubbert in der Gegend rum. Ich werde vom Hundehalter freundlich begrüßt, Hund ignoriert mich total, sieht im Läufer kein Beutetier. Entspannung hoch drei!

Gehorsam? What else!
Ich laufe auf Hund zu, Hund rennt auf mich zu, Hundehalter befiehlt mit strenger Stimme: "Komm! Koooooommmmmm! Bello kommst du jetzt endlich her!". Schlaues Hündchen kommt erst dann, wenn Herrchen zur Hosentasche nach Leckerli greift. Hundehalter ist ob des vermeintlichen Gehorsam seines Zöglings trotzdem sehr erfreut und lobt und füttert den Hund.

Weiter geht´s mit der Kommunikation zwischen Hund und Hundehalter: "Sitz! Siiiiiitz! Wirst du dich jetzt endlich hinsetzen!". Neulich fragte ich den verdutzt dreinschauenden Hundehalter, ob ich gemeint sei und ob ich mich wirklich mitten in meinem Dauerlauf nun hinsetzen müsse? Denn der Hund, der meine Beine beroch, fühlte sich keineswegs angesprochen. Der Joke kam nicht an. Niemand lachte, außer ich innerlich.

Wenn die Erfahrung neue Konstellationen aufzeigt, werde ich hier umgehend berichten ... Bis dahin: Lasst nicht zu, dass Eure Waden zu Kauknochen werden!