Dienstag, 16. August 2016

Offen sein für die Bandbreite des Laufsports

Läufst du gerne auf abgesperrten Straßenzügen in Großstadt-Metropolen, gesäumt von Zuschauermassen und verbindest deine Wettkämpfe mit Sightseeing? Oder bewegst du dich gerne in den Bergen auf technisch anspruchsvollen Single-Trails, wo eine atemberaubende Naturkulisse für die Strapazen und für das ausbleibende Publikum entschädigt? Welcher Lauftyp bist du?

Scheuklappen weg; Allrounder sein!

Ich selbst bin mittlerweile ein überzeugter Allrounder. Ich laufe meinen langen Dauerlauf auf ebener geteerter Straße, mache am anderen Tag mein Intervall-Training auf Single-Trails im Wald und nehme dann wieder an einem Landschaftsmarathon im südsteirischen Hügelland teil.

Jeder dieser abwechslungsreichen Läufe macht Freude. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, offen für die große Bandbreite unseres Sports zu sein und Neues zu versuchen.


Graz-Marathon 2014
Stadtläufe: Laufend eine neue Stadt zu entdecken, ist für uns Läufer zweifelsfrei eine schöne Sache. Stadtkurse führen an Sehenswürdigkeiten vorbei und bieten in der Regel ein großes Publikum. Wer sich nicht gerne einsam fühlt, ist bei einem Stadtlauf ebenfalls gut aufgehoben. Bei etablierten Markt- oder Stadtläufen gibt es kaum Streckenabschnitte, wo nicht Mitläufer in Sichtweite sind. Als weiteres Plus zählt sicherlich die Vielzahl von verschiedenen Streckenlängen, die meist angeboten werden. So ist man mit recht überschaubaren Trainingsaufwand bald fit für den ersten "Hobbylauf" über 5000 Meter.

Ich rate dazu, sich die ersten Wettkampfsporen bei einem gut gebuchten Stadt- oder Marktlauf zu verdienen. Die für eine solche Veranstaltung unbedingt erforderliche Ausrüstung beschränkt sich auf ein Paar Laufschuhe, eine sportlichen Bekleidung und natürlich eine der Distanz angemessene Vorbereitungszeit.


Zusätzliches Plus: Trainingsreiz!

Eine Trailstrecke in den Bergen beansprucht mitunter andere Muskelpartien als ein Marathon auf einem flachen Stadtkurs, sodass durch verschiedenste Streckenprofile und Laufuntergründe neue Trainingsreize gesetzt werden. Auf langen Dauerläufen gesammelte Grundlagenausdauer hilft dir in kupiertem Gelände weiter, wo technisch anspruchsvolles Laufen wiederum deinen Laufstil verbessert und deine Koordination und Reaktionsfähigkeit stärkt.

Während man bei ebenen Stadtläufen ein Tempo konstant zu halten versucht, gestaltet sich ein Berg-/Traillauf kreislauftechnisch anspruchsvoller. Bedingt durch das profilierte Gelände "schießt" bergauf schon mal der Puls in die Höhe, um sich dann auf flachen Passagen oder Abschnitten mit Gefälle zu erholen. Der Blick muss dabei auf den Laufuntergrund gerichtet sein, um Stürze und damit verbundenes Verletzungsrisiko zu verhindern. Traillaufen fördert somit auch die Koordinationsfähigkeit. Traillaufen bringt den Körper und den Geist auf ein neues Leistungslevel.


Blick auf die "steirische Toskana"
Dein letzter Marktlauf führte dich über 4 Runden zu je 2,5 Kilometer durch enge Häuserschluchten? Du suchst laufend Abwechslung, fühlst dich aber für einen Trail mit zweitausend Höhenmeter und technisch schwierig zu laufenden Bergpfaden (noch) nicht bereit? Darf ich vorstellen: Der Landschaftsmarathon!

Die Schönheit der Natur genießen, steht für mich bei Landschaftsläufen an erster Stelle. Die Läufe finden größtenteils auf asphaltierten Wegen statt, sodass der Blick weg vom meist ebenen Laufuntergrund auf Täler, Weiden, Wälder, Hügel und Dörfer gerichtet werden kann.

Ich persönlich bin ein Fan von Läufen von A nach B, so wie es zum Beispiel der Welsch-Marathon in der Südsteiermark ist. Der Lauf startet in Wies und endet im 42,2 Kilometer entfernten Ehrenhausen (im darauf folgenden Jahr in die entgegen gesetzte Richtung). Diese Streckenläufe verstärken im Vergleich zu Rundkursen das Gefühl, "weiter" gelaufen zu sein, viel Neues entdeckt und Großes geleistet zu haben.


Single-Trail
Ausrüstung für den Trail

Die Verpflegestellen sind auf langen Trailstrecken rarer als bei Stadtläufen, wo man quasi bei jeder Häuserecke Wasser, Iso und Bananen kredenzt bekommt. In der Trailszene, speziell bei Ultra-Trailläufen, setzt man auf mehr Autonomie. Eine Distanz von 10 Kilometer und mehr kann zwischen der einen und der nächsten Labestelle dazwischen liegen. Hat man einen sehr anspruchsvollen Streckenabschnitt vor sich, kann man für diese Distanz schon mal 1,5 oder 2 Stunden benötigen. Ein Laufrucksack ist daher unbedingt zu empfehlen bzw. wird großteils reglementarisch verlangt. Er bietet nicht nur Platz für Flüssigkeit, man kann mit ihm auch ein Smartphone sowie ein kleines Erste-Hilfe-Paket oder Ersatzkleidung mitführen.
Mein Laufrucksack

Auf matschigem Terrain oder im Hochgebirge sind Trailschuhe zu empfehlen. Zum Unterschied zu "normalen" Laufschuhen bieten Trailschuhe ein entsprechend tiefes und rutschfestes Profil, um auf nassen Steinen, Geröllwegen oder matschigen Wald- und Wiesenpassagen entsprechend Halt zu finden. Eine stabil ausgeführte Zehenbox schützt den Fuß vor Verletzungen durch Wurzeln und spitzen Steinen.


Das Gefühl der Freiheit

Hat man sich einen Laufrucksack gekauft, wird man ihn nicht mehr missen wollen. Er erfüllt nicht nur bei Trailläufen seinen Nutzen, er gibt uns auch auf Trainingsläufen die Möglichkeit, nicht stur an einer Laufroute mit bekannten Trinkwasserbrunnen festzuhalten. Laufend die Welt entdecken, heißt nun das Motto.

Sei spontan! Mache deine Trainingseinheiten zu Erlebnisläufe. Bewege dich runter von der Asphaltstraße, laufe den Waldweg empor, quere die Wiese um für die nächsten Kilometer wieder auf befestigtem Weg zu laufen. Bringe Abwechslung in deinen Laufalltag.

Der Erfolg wird sich einstellen! Zugegeben, es verlangt einige Zeit an Training. Aber die Fähigkeit, zu jeder Tages- und Nachtstunde 4 oder mehr Stunden laufen zu können, gibt ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit.




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